Hertha BSC : Fabian Holland: Der stille Diener

Fabian Hollands Karriere stand wegen Herz-Rhythmusstörungen sowie einer drohenden Bein-Amputation auf der Kippe. Unter Trainer Jos Luhukay hat sich der 22-Jährige nun durchgesetzt - als einziges Hertha-Talent.

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Jubelnd in der Masse. Seitdem Fabian Holland (Zweiter von links) in der Startelf von Hertha BSC steht, haben die Berliner alle drei Pflichtspiele gewonnen.
Jubelnd in der Masse. Seitdem Fabian Holland (Zweiter von links) in der Startelf von Hertha BSC steht, haben die Berliner alle...Foto: dpa

An sich ist es nicht erstaunlich, dass Hertha BSC am Mittwoch ein neues Mannschaftsfoto geknipst hat. Es sind ja doch einige Spieler gekommen und gegangen seit der letzten Aufnahme vor zwei Monaten. Erstaunlich jedoch, dass Fabian Holland noch in den Reihen der Profis stand. Nicht viele hatten dem 22-Jährigen zugetraut, sich erst in den Kader und dann als einziger Nachwuchsspieler dauerhaft in die Startelf zu spielen. Und erstaunlich vor allem, dass Holland überhaupt noch Fußball spielen kann.

Dreimal stand seine Karriere auf der Kippe. Vor zwei Jahren muss er sich wegen Rhythmusstörungen einer Herz-OP unterziehen. Ohne den Eingriff wäre Leistungssport riskant geworden. Als er sich ein Jahr später zurück auf den Platz gekämpft hat, lässt er sich ein Stück Knochen am Schienbein entfernen. Bei der Operation treten Komplikationen auf, eine Beinamputation droht, sieben Mal in 14 Tagen muss er unters Messer. Das Bein ist gerettet, doch bis heute spürt er den großen Zeh an seinem stärkeren linken Fuß nicht mehr. „Man schätzt alles viel mehr, wenn einem die Ärzte gesagt haben, dass es eng wird, noch einmal Fußball zu spielen“, sagt er. Solche Rückschläge relativieren vieles. Holland, „schon immer ein stiller Typ“, wie er sagt, bringt nichts so schnell aus der Ruhe. Auch nicht, als der gelernte defensive Mittelfeldspieler im Bundesliga-Abstiegskampf unter Trainer Otto Rehhagel plötzlich als Linksverteidiger debütiert. Nach dem Abstieg muss der 1,72 Meter kleine Brandenburger Jos Luhukay überzeugen. Der neue Trainer lässt viele Talente vorspielen, aber will vor der Saison den Kader noch reduzieren.

Vieles spricht damals dafür, dass es den unauffälligen Holland trifft. Ein weiteres Jahr bei den Amateuren hätte das Ende der Profi-Träume bedeuten können, sein Vertrag läuft im nächsten Sommer aus. Stattdessen trifft es den auffälligen Kämpfer Fanol Perdedaj, der sich mittlerweile in die zweite dänische Liga ausleihen ließ.

Und Holland steht seit dem dritten Spieltag in der Stammelf, nachdem Nico Schulz und Felix Bastians links hinten nicht nachhaltig überzeugen konnten. Nicht wegen, aber mit Holland hat Hertha seitdem alle drei Spiele gewonnen. Auch am Samstag beim 1. FC Kaiserslautern, der Klub, gegen den er debütierte, dürfte er wieder dabei sein. Luhukay schätzt „seine Zuverlässigkeit, Ruhe und Beständigkeit, er ist ein Spieler, der weiß, was er kann und was nicht“. Holland hält sich offensiv merklich zurück, ganze dreimal flankte er in drei Spielen. Darüber rede man, aber man dürfe einen Jungen auch nicht ändern, sagt Luhukay. „Er ist keiner, der durch Übersteiger ins Auge fällt oder andere aussteigen lässt, er ist ein dienender, unterstützender Spieler.“ Seine Sachlichkeit tue dem Team derzeit gut. Dabei dient ihm die Gewissheit, das Schlimmste hinter sich zu haben.

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