Hertha BSC : Fabian Lustenberger - der Mann für alle Positionen

Weil Sebastian Langkamp bei Hertha BSC gesperrt fehlt, wechselt Fabian Lustenberger mal wieder vom Mittelfeld in die Abwehr.

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Der Kapitän, der vieles kann. Fabian Lustenberger.
Der Kapitän, der vieles kann. Fabian Lustenberger.Foto: dpa/Steffen

So sanft wie diesmal ist der Übergang für Fabian Lustenberger in der Vergangenheit nicht immer gewesen. Vor einer Woche, beim Auswärtsspiel von Hertha BSC gegen den Tabellenführer Bayern München, hat er als zentraler Mann in einer Fünferkette gespielt. In der Theorie hätte sich der Schweizer bei eigenem Ballbesitz aus der Abwehr ins Mittelfeld, sein gewohntes Arbeitsumfeld, vorschieben sollen. In der Praxis aber ist dieser theoretische Fall bei der 0:2-Niederlage leider nicht vorgekommen.

Das Spiel bei den Bayern war für Lustenberger zumindest eine gute Vorbereitung auf das, was ihn am Samstag im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen erwartet. Weil sich Sebastian Langkamp am vergangenen Wochenende mit seinem neunten Foul in dieser Saison seine fünfte Gelbe Karte eingehandelt hat und deswegen gesperrt ist, muss Herthas Trainer Pal Dardai eine Stelle in der Viererkette neu ausschreiben. Niklas Stark fehlt verletzt, weitere gelernte Innenverteidiger gibt es im Kader des Berliner Fußball-Bundesligisten nicht, so dass für den Platz neben John Anthony Brooks nur Fabian Lustenberger in Frage kommt.

Dass nur drei Mannschaften (Bayern München, VfL Wolfsburg und FC Ingolstadt) in dieser Saison weniger Gegentore kassiert haben als Hertha, hat auch etwas mit Sebastian Langkamp zu tun. Nur zu Beginn seiner Amtszeit ließ Dardai ihn zweimal außen vor; seitdem stand Langkamp immer in der Startelf, wenn er nicht verletzt war. „Basti ist ein intelligenter Fußballer“, sagt Herthas Trainer. „Aber ich habe keine Sorge. Einer fällt aus, einer kommt rein. Wir haben immer eine Lösung gefunden.“

Die Lösung für das Spiel gegen Leverkusen ist keine vollkommen neue: Lustenberger und Brooks waren in der Aufstiegssaison die Standardbesetzung in der Innenverteidigung. Man kennt sich also, die Gewöhnung aneinander dürfte beiden nicht schwer fallen. Es sei ein großes Glück, dass ihm gerade in der Zentrale viele intelligente Spieler zur Verfügung stünden, sagt Dardai. „Die Automatismen greifen.“ Doch anders, als er es in Erinnerung hat, haben Lustenberger und Brooks in seiner Amtszeit noch nie zusammen in der Abwehr gespielt. Dieses Duo hat es, zumindest in einer Viererkette, zuletzt unter Trainer Jos Luhukay am vierten Spieltag der Vorsaison gegeben, als Hertha beim SC Freiburg mit etwas Glück 2:2 spielte.

Lustenberger könne Fußball lesen, sagt sein Trainer

Nach dem Trainerwechsel hat Lustenberger bis Saisonende ausschließlich im Mittelfeld gespielt; in den ersten elf Spielen der neuen Saison war er dann wieder Innenverteidiger, ehe er am zwölften ins Mittelfeld zurückkehrte und schließlich am vierzehnten, gegen die Bayern, den zentralen Mann in einer Fünferkette gab. „Lusti kann Fußball lesen“, sagt Dardai, „deshalb ist das für ihn kein Problem.“

Lustenberger ist so etwas wie Herthas Philipp Lahm: Er kann verschiedene Rollen spielen, braucht kaum Zeit zur Eingewöhnung, meckert nicht, wenn er von hinten nach vorne verschoben wird und wieder zurück, sondern macht einfach seinen Job, und das in der Regel zur allgemeinen Zufriedenheit. „Er spielt überall gut“, sagt Mittelfeldspieler Per Skjelbred. Leute wie Lustenberger würden in seiner Heimat „kleine Kartoffel“ genannt, erzählt der Norweger, ohne erklären zu können, warum. Auf die Frage, ob es ihm lieber sei, Lustenberger an seiner Seite im Mittelfeld zu haben oder hinter sich in der Abwehr, antwortet Skjelbred: „Ist egal. Beides gut.“

Diese Haltung hat sich auch Lustenberger selbst inzwischen angeeignet. Anfangs hat er noch deutlich zu verstehen gegeben, dass er den Job im Mittelfeld bevorzugt, „weil man mehr im Spiel drin ist, man mehr Aktionen hat und mehr nach vorn machen kann“. Inzwischen ist es ihm „ehrlich gesagt egal“, wo er spielt. Der Versetzung in die Abwehr verdankt er immerhin die Nominierung für die Schweizer Nationalmannschaft. Und inzwischen erledigt er den Job mit großem Selbstvertrauen. In dieser Woche, beim Elf gegen Elf im Training, war seine Mannschaft weit aufgerückt. Torhüter Nils Körber überlegte kurz, ob er mit einem Abschlag auf Jens Hegeler das Spiel schnell machen solle, brach dann aber ab. „Spiel doch!“, rief Lustenberger, der Innenverteidiger. „Ich hab’ ihn doch.“

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