Hertha BSC : Fabian Lustenberger: „Jetzt ist der Konkurrenzkampf da“

Fabian Lustenberger spricht im Interview über den verschärften Wettbewerb bei Hertha BSC und die Frage, ob er Kapitän bleibt.

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Fabian Lustenberger, 27, ist dienstältester Profi bei Hertha BSC. Seit 2007 spielt der Schweizer in Berlin, bestritt 119 Bundesliga- und 51 Zweitligaspiele.
Fabian Lustenberger, 27, ist dienstältester Profi bei Hertha BSC. Seit 2007 spielt der Schweizer in Berlin, bestritt 119...Foto: dpa

Herr Lustenberger, die Kapitänsfrage bei Hertha BSC ist vor der neuen Saison noch nicht geklärt. Bisher hatten Sie diese Rolle, nun lässt Trainer Pal Dardai das bewusst offen. Wie sehr hängen Sie an dem Amt?

Ich sage das auch immer wieder gern: Pal schaut sich, wie jeder andere Trainer, die Vorbereitung an und entscheidet dann. Das hat Jos Luhukay so gemacht, das macht Pal Dardai so. Er trifft die Entscheidung, und wie sie ausfällt, darauf habe ich keinen Einfluss. Ich gebe Gas in der Vorbereitung, will topfit werden und Stammspieler sein, das ist klar. Die anderen Sachen liegen nicht in meiner Entscheidungsgewalt.

Dardai sagt seit Wochen immer wieder einen Satz: „Letztes Jahr war Vertrauen, dieses Jahr ist Konkurrenzkampf.“ Registrieren Sie eine Veränderung beim Trainer im Umgang mit den Spielern?

Nein. Wer uns genauer beobachtet, der sieht, dass Pal und sein Trainerstab ihre Linie durchziehen. In der Situation, in der wir uns letzte Saison befunden haben, war es gut und richtig zu sagen: Jungs, das ist meine Mannschaft, und wenn es ordentlich läuft, bleibt ihr zusammen und bekommt mein Vertrauen. Jetzt ist der Konkurrenzkampf da, aber das gehört dazu und war in meiner Zeit bei Hertha nie anders. Das muss jeder von uns abkönnen.

Noch einmal zu Ihrer persönlichen Situatiuon. Sie haben in der letzten Saison und in der Vorbereitung sowohl in der Innenverteidigung gespielt als auch im defensiven zentralen Mittelfeld. Welche Position bevorzugen Sie?

Das ist mir ehrlich gesagt egal. Ich spiele da, wo der Trainer mich aufstellt.

Am einzigen freien Nachmittag des neuntägigen Trainingslagers in Schladming hat Hertha eine Raftingtour gemacht. Sind Sie sehr nass geworden?

Es ging noch. Richtig nass geworden sind wir eigentlich erst, als wir an einem anderen Boot vorbeigefahren sind und die Kollegen uns nassgemacht haben. Einmal sind wir auch im Wasser gelandet, aber sowohl die Boote als auch unsere Spieler sind heil wieder zurückgekommen, keine Verletzten.

Wie wichtig war es denn, mal rauszukommen aus dem tagtäglichen Ablauf?

Es war eine willkommene Abwechslung, mal ein bisschen was anderes zu sehen und zu machen. Unsere Führer haben gesagt, dass das Wasser ideale Bedingungen hatte, nicht zu schnell, nicht zu wild. Das Wetter war gut, alle hatten Spaß. Letztes Jahr wurde uns die Gestaltung des freien Nachmittags noch individuell überlassen. Damals haben wir uns mit Sascha Burchert einen Segway gemietet und sind ein bisschen herumgefahren.

Hinter der Mannschaft liegen anstrengende Wochen: Lauftrainingslager, Einheiten in Berlin, das zweite Trainingslager in Schladming mit dem Schwerpunkt Taktik. Geht es jetzt vor allem um teambildende Maßnahmen?

Auf der einen Seite gehört das dazu, auf der anderen darf man jetzt nicht das Gefühl haben, dass wir jeden Abend in der Gruppe zusammensitzen und was trinken müssen. Es muss eine Mischung sein zwischen Freiräumen und gemeinsamen Aktivitäten, Rafting, Paintball, was auch immer. Das haben wir in der Vorbereitung gut hinbekommen. Am freien Nachmittag bin ich manchmal auch ganz froh, wenn ich etwas Zeit für mich habe und mich zurückziehen kann, sei es am Pool, sei es auf dem Zimmer.

In diesen Tagen sprechen die meisten Berliner Spieler von der wohl härtesten Vorbereitung ihrer Karriere. Deckt sich das mit Ihrer Wahrnehmung?

Ich weiß jetzt nicht mehr genau, wie die Vorbereitung vor sechs, sieben Jahren bei Lucien Favre war, bestimmt auch anstrengend. Aber ja: Was unser Athletiktrainer Henrik Kuchno hier zum Teil abreißt, ist schon sehr viel. Aber bisher kommen wir alle durch und profitieren am Ende der Vorbereitung bestimmt davon, dass wir so hart gearbeitet haben. Spätestens, wenn im Spiel die 70. Minute läuft und du merkst, es bringt was, du kannst noch eine Schippe drauflegen, dann reflektiert man und merkt: Okay, es hat zwar wehgetan, aber es hat sich gelohnt.

Im ersten Testspiel des Trainingslagers herrschten selbst abends noch Temperaturen um die 40 Grad auf dem Platz. Sind Sie da womöglich schon genau zu dieser Erkenntnis gelangt?

In dieser Vorbereitung war es immer heiß, aber an solch extreme Bedingungen kann ich mich nicht erinnern. Ich glaube, wir müssen jetzt langsam ein bisschen Frische zurückkriegen. Die ersten Wochen war es ja nicht einmal so, dass man dachte: Okay, heute fühle ich mich gut, heute kann ich noch zulegen. Das kommt dann immer erst im Training. Aber wenn du morgens aufstehst, bist du meistens ziemlich platt. Langsam kommen wir aber dahin, das haben wir auch in den Testspielen gesehen. In zwei Wochen beginnt die Saison, und wir sind, glaube ich, ganz gut im Fahrplan.

Sie sind im August acht Jahre bei Hertha BSC und damit dienstältester Spieler. Was sagt Ihr Bauchgefühl vor der anstehenden Saison?

Das ist schwierig. Ich bin auch schon mit einem guten Bauchgefühl in die Saison gegangen und habe dann gemerkt, dass es doch nicht gut läuft. Deshalb sollte man nicht allzu viel darauf geben. Wichtig ist, dass wir gut arbeiten. In den Testspielen war zu sehen, in welche Richtung es gehen kann und soll, das stimmt mich positiv. Die Bundesliga ist erfahrungsgemäß auch immer sehr ausgeglichen, da kommt es auf Kleinigkeiten an. Wenn wir es schaffen, diese kleinen Punkte für uns zu verbuchen, wie wir das zum Beispiel in den sieben Spielen ohne Niederlage in der Rückrunde geschafft haben, dann sind wir auf einem guten Weg. Spätestens am 10. August (Pokalspiel in Bielefeld, Anm. d. R.) müssen und werden wir bereit sein.

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