Hertha BSC : Favres kleine Fußballwelt

Das Uefa-Cup-Spiel gegen Bayer Leverkusen hat der FC Zürich mit dem Stürmer-Talent Raffael sehr deutlich verloren. Warum Hertha BSC um den Brasilianer ringt.

Claus Vetter
Raffael
Eingeklemmt. Raffael zwischen den Leverkusenern Kiesling und Sarpei. -Foto: dpa

Berlin - Dieter Hoeneß mag sich in den vergangenen Tagen auf der falschen Bühne gewähnt haben. Ein Erfolgsstück wollte Herthas Manager auf seiner Reise in Zürich initiieren, den tristen Alltag des in der Hinrunde enttäuschenden Berliner Fußball-Bundesligisten aufhellen. Raffael, einen talentierten brasilianischen Stürmer, wollte Hoeneß vom FC Zürich verpflichten. Doch dann kam der Mittwoch mit dem Uefa-Cup-Spiel der Schweizer gegen Bayer Leverkusen. In den ersten Spielminuten der Partie fingen die Fernsehkameras noch einen auf der Tribüne fröhlich frierenden Hoeneß ein. Doch spätestens mit Spielschluss hatte der Gast aus Berlin keinen Grund noch zu lächeln: Überforderte Züricher verloren 0:5, Raffael wurde kurz vor Schluss ausgewechselt.

Dass Herthas vermeintlicher Starzugang also bei seinem „Abschiedsspiel“ – so hatte sich der Brasilianer im Vorfeld geäußert – enttäuscht hatte, sollte die Mission von Hoeneß noch nicht gefährden. Der Manager verhandelte am Donnerstag in Zürich. Doch waren beide Parteien wohl so weit auseinander wie im Sommer bei den ersten Verhandlungen. Schon damals hatte der Schweizer Meister den 22 Jahre alten Brasilianer nicht nach Berlin ziehen lassen wollen. Auch diesmal gab es keine Einigkeit über die Höhe der Ablösesumme für den Stürmer, der noch bis 2011 in Zürich einen Vertrag hat: Hertha BSC wollte 4,5 Millionen Euro zahlen, die Schweizer wollen 6 Millionen.

Kommende Woche soll weiter verhandelt werden, „die Chancen auf eine Einigung stehen weiter bei 50:50“, sagt Zürichs Präsident Ancillo Canepa. „Aber wir müssen unseren besten Torschützen nicht unbedingt verkaufen.“ Zürichs Sportchef Fredy Bickel wird noch deutlicher. Er sagt: „Wenn Raffael bleibt, dann wäre das auch ein Zeichen gegenüber unseren anderen Spielern.“ Die Berliner hätten sich ja auch schon genug bei seinem Klub bedient. So sieht es aus: Trainer Lucien Favre kam mit seinem Kotrainer Harald Gämperle nach Berlin, Verteidiger Steve von Bergen holte Favre später von seinem ehemaligen Klub nach. Es ist auffällig, dass der Schweizer Trainer vor allen auf Spieler setzt, die er aus seiner ehemaligen, kleinen Fußballwelt kennt: Raffael wäre nach von Bergen und Fabian Lustenberger bereits der dritte Spieler, der unter Trainer Lucien Favre aus dieser sicher in Europa nicht erstklassigen Liga zum Berliner Bundesligisten wechseln würde.

Der Klassensprung könnte für den Stürmer mit dem Vorbild Ronaldinho ein Problem in sich bergen: In der Schweizer Liga hat Raffael in dieser Saison in 15 Spielen 12 Tore erzielt, im europäischen Wettbewerb traf er dagegen kaum. Nur ein Tor – und das per Elfmeter – hat Raffael in sechs Uefa-Cup-Spielen erzielt. Was passiert, wenn ihm ein schneller Gegner wenig Platz lässt, ließ sich im Spiel gegen Bayer Leverkusen beobachten: Gegen eine gute Bundesligamannschaft trifft es sich eben nicht so einfach wie etwa gegen den FC Thun 1898.

Vielleicht sollte Dieter Hoeneß deshalb gar nicht so böse darüber sein, dass nun angeblich auch der PSV Eindhoven an Raffael interessiert ist. Denn bislang verspricht das lange Gezerre um den Brasilianer aus der Schweiz kein glückliches Ende für die Berliner.

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