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Hertha BSC feiert ersten Sieg 2017 : 1:0-Verwaltungsakt gegen den FC Ingolstadt

Hertha BSC trifft in der ersten Minute zum 1:0 – und hält den Vorsprung gegen den FC lngolstadt bis zum Schluss. Schön anzusehen ist das Spiel allerdings nicht.

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Kopf hoch, Julian Schieber. Auch für ein 1:0 gibt es drei Punkte.
Kopf hoch, Julian Schieber. Auch für ein 1:0 gibt es drei Punkte.Foto: dpa

Pal Dardai steuerte zielsicher den Mittelkreis an. Hände schütteln, applaudieren, abklatschen, was man eben so macht kurz nach dem Abpfiff. Auf dem Weg dorthin ließ sich der Trainer von Hertha BSC zu einer Geste hinreißen, die aus Berliner Sicht symbolisch stand für den Samstagnachmittag im Olympiastadion: Dardai pustete die Backen auf und ließ die Luft wie im Zeitraffer wieder raus. Puuuhhh!

Hertha BSC kann nach dem 18. Spieltag und einer kleinen Ergebniskrise – vier der letzten fünf Begegnungen waren verloren gegangen – erst einmal wieder durchschnaufen. Trotz einer durchschnittlichen Leistung in einem unterdurchschnittlichen Bundesliga-Spiel gegen den FC Ingolstadt reichte es für die Berliner mit dem 1:0 (1:0)-Erfolg zum ersten Sieg im Kalenderjahr 2017.

Im Hertha-Lager interessierte das aber niemanden, die positive Erkenntnis lautete: Die Mannschaft von Pal Dardai kann sehr wohl noch gewinnen, obwohl sie sich gegen nicht minder biedere Ingolstädter reichlich mühen musste. „Wir haben nicht viel Fußball gespielt, es war ein bisschen wie Krieg“, sagte Torhüter Rune Jarstein. „Es war sehr wichtig für uns, zu gewinnen“, befand Salomon Kalou, „diese drei Punkte sind sehr wertvoll.“

Im Idealfall tragen sie dazu bei, dass die Berliner Profis in den nächsten Wochen nicht mehr so planlos und verunsichert auftreten wie vor 33 425 Zuschauern gegen Ingolstadt. „Wir haben 20 Minuten gut gespielt, dann sind wir in ein Loch gefallen“, sagte Dardai. „In der zweiten Hälfte haben wir gut verteidigt, die Mannschaft war da. Wir haben vorbildlich gekämpft.“

Haraguchi erzielte das schnellste Hertha-Tor seit 15 Jahren

Dardai hatte seine Anfangsformation im Vergleich zur Vorwoche gegen Freiburg auf drei Positionen verändert: Innenverteidiger Sebastian Langkamp ersetzte den gesperrten Niklas Stark, Maximilian Mittelstädt rückte für den grippekranken Marvin Plattenhardt hinten links in die Viererkette, und für Per Skjelbred durfte Genki Haraguchi beginnen. Vor allem letztere Entscheidung sollte sich zeitnah als zielführend erweisen. Nach handgestoppten 60 Sekunden, die Fans in der Ostkurve hatten Hymnen-Erfinder Frank Zander soeben ein Ständchen anlässlich seines 75. Geburtstags gewidmet, stand es bereits 1:0.

Salomon Kalou hatte den Ball auf dem linken Flügel erobert und von der Strafraumgrenze ins Zentrum gepasst, wo der Japaner lauerte und zur frühen Führung traf. Für Haraguchi, der beim 2:0-Hinspielsieg in Ingolstadt beide Treffer vorbereitet hatte und seitdem ohne Assist und Tor geblieben war, war es der erste Treffer der laufenden Saison – und obendrein das schnellste Hertha-Tor seit 15 Jahren.

Peter Pekarik (r) läuft mit Ingolstadts Anthony Jung und dem Ball um die Wette.
Peter Pekarik (r) läuft mit Ingolstadts Anthony Jung und dem Ball um die Wette.Foto: dpa

Was die beiden Teams nach dem frühen Aufreger anboten, war dann allerdings nicht vergnügungssteuerpflichtig. Hertha brachte bis zur Pause keinen einzigen weiteren Torschuss zustande, die Gäste erarbeiteten sich zwei Chancen. „Das Tor war für uns schwer zu verkraften, das hat man meiner Mannschaft deutlich angemerkt“, sagte Ingolstadts Trainer Maik Walpurgis. Die bis dato beste Aktion der Gäste schloss Pascal Groß nach 41 Minuten ab, sein Versuch verfehlte das Berliner Tor aber um einige Meter. Wiederum drei Minuten später kam der ehemalige Herthaner Alfredo Morales in aussichtsreicher Position an den Ball, seine scharfe Hereingabe flog aber ins Seitenaus.

Nach dem Seitenwechsel verlagerte Hertha das Geschehen zusehends in des Gegners Hälfte und versuchte, die Kontrolle über das Spiel an sich zu reißen und den Ball möglichst weit von der Gefahrenzone vor dem eigenen Tor fernzuhalten. In der Hoffnung auf mehr Durchschlagskraft im Angriff wechselte Dardai nach 65 Minuten erstmalig und brachte Julian Schieber für den engagierten, aber weitestgehend glücklosen Valentin Stocker. Wirklich ansehnlicher oder besser wurde es durch die Personalrochade aber nicht.

In der Schlussphase besaß Alexander Esswein noch zwei große Chancen, allerdings schlug er dabei so viele Haken, dass er sich selbst und nicht seine Gegenspieler aus dem Gleichgewicht brachte. „Wenn wir hier 2:0 oder 3:0 gewinnen, ist alles in Ordnung“, sagte Dardai, „aber so ist es natürlich auch okay.“

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