Sport : Hertha BSC: Fluch und Ehre der Nationalmannschaft

Sven Goldmann

Sebastian Deisler und die Nationalmannschaft - das ist eine durchaus wechselhafte Beziehung. Sein oft angekündigtes Debüt hat der Mittelfeldspieler von Hertha BSC in der vergangenen Saison ebenso oft verletzungsbedingt absagen müssen. Es reichte dann doch noch zu einer Nominierung für die Europameisterschaft, doch erst nach diesem missratenen Turnier hat er den Durchbruch geschafft: mit dem ersten Länderspieltor gegen Griechenland und einem brillanten Auftritt gegen England. Jetzt, da er so richtig dazugehört, soll Deisler verzichten, jedenfalls für das nächste Spiel, am Mittwoch in Kopenhagen gegen Dänemark. Das wäre seinem Vereinstrainer wohl am liebsten. "Deisler ist müde, der braucht dringend eine Pause", sagt Röber. Zur Not will er "noch mal mit dem Rudi telefonieren, dass der Sebastian nur eine Halbzeit spielt".

Der Rudi trägt den Familiennamen Völler, und er hat für das Testspiel gegen Dänemark gleich vier Berliner nominiert. Stolz verweist der Verein auf seine Homepage im Internet darauf, dass es eine derartige Fülle Berliner Nationalspieler noch nie gegeben habe. Doch spielen wird vielleicht gar keiner der vier. Marko Rehmer hat bereits wie der Münchner Jens Jeremies abgesagt - sein Muskelfasserriss ist ein schwer zu widerlegendes Argument. Dariusz Wosz plagt sich immer noch mit einer Rückenverletzung herum und hat die letzten zwei Spiele nicht mitmachen können. Jürgen Röber wird sich nicht zu Unrecht fragen, ob einer, der im Verein fehlt, der Nationalmannschaft weiterhelfen kann. Stefan Beinlich hat am Freitag in Dortmund zwar mitgekickt, hat aber laut Röber "seit Wochen so starke Schmerzen im Fuß, dass er am Ende eines Spiels kaum noch laufen kann". Bleibt als vierter Kandidat Sebastian Deisler. Der wirkte nach auskurierter Knieverletzung in Dortmund so erschöpft, dass ihm Hertha BSC nur zu gern eine Pause gönnen würden.

"Ich gehe mal davon aus, dass Beinlich und Wosz schon vor dem Spiel wieder nach Berlin zurückfliegen werden", sagt Jürgen Röber. "Das ist ja eine schöne Sache, dass so viele unserer Spieler für die Nationalmannsch interessant sind. Aber man muss dabei auch mal unsere Situation sehen. Wir hatten fünf Spiele in zwölf Tagen. Am nächsten Wochenende kommt Schalke, drei Tage später Inter Mailand!" Da kämen ihm vier ausgeruhte Nationalspieler nicht ungelegen.

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