Hertha BSC : Folklore und Rotation

Das Pokalspiel in Kaiserslautern soll Hertha BSC neues Selbstvertrauen für die Bundesliga geben. Dennoch will Trainer Jos Luhukay in der Aufstellung rotieren.

von
Berlins Trainer Jos Luhukay muss wegen einer angeschlganer Spieler rotieren.
Berlins Trainer Jos Luhukay muss wegen einer angeschlganer Spieler rotieren.Foto: dpa

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze, und einige Klassiker gibt es dabei natürlich auch. „Haben Sie vorher Elfmeterschießen üben lassen?“, ist im Vorfeld eines Pokalspiels eine absolute Pflichtfrage an jeden Trainer. „Hoffen Sie auf Zusatzeinnahmen?“, muss zwingend jeder Manager gefragt werden, auch wenn es das Regelwerk nicht explizit vorschreibt. Die Antworten sind dabei ebenso Pokalfolklore wie die Fragen, etwa wenn Jos Luhukay sagt: „Der Druck lässt sich nicht im Training simulieren.“ Oder Michael Preetz antwortet: „Der Pokal bietet die Möglichkeit außerplanmäßiger Einnahmen.“ Mindestens 500 000 Euro würde Hertha BSC übrigens am Einzug ins Achtelfinale verdienen.

Was das Zweitrundenspiel beim Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern am Mittwoch (19 Uhr/Sky) für die Berliner aber jenseits aller Klassikerphrasen besonders macht, ist eher die Auswirkung auf die Liga. Denn nach nur einem Punkt aus drei Spielen könnte bei Hertha die gute Stimmung des Saisonbeginns ins Gegenteil kippen. „Jeder Erfolg ist wichtig, um das Selbstvertrauen zu stärken“, sagt Trainer Luhukay, „eine Runde weiterzukommen wäre ein gutes Omen für das Spiel am Samstag gegen Mainz.“ Das wird jedoch nicht einfach für die Berliner. Also bemüht der Trainer rhetorisch einige Pokal-Klassiker, als da wären: 1. Favoritenrolle ablehnen („Wir sind nicht der Topfavorit“) 2. K.-o.-Spiel-Rhetorik („Auch gegen tieferklassige Klubs kommt nur der weiter, der alles abruft“) 3. Atmosphäre beschwören („Auf dem Betzenberg kann eine Mannschaft über sich hinauswachsen“) 4. Kampfgeist fordern („Wir müssen die Ärmel hochkrempeln, mit Schönspielerei kommen wir nicht weiter“).

Erschwert wird die Aufgabe dadurch, dass sich neben den länger Verletzten Ndjeng, Baumjohann und Brooks auch Pekarik und Kluge mit Fußblessuren plagen, sie stehen ebenso wenig im Kader wie Langkamp und van den Bergh. Denn Luhukay will auch freiwillig rotieren. „Das ist die ideale Gelegenheit für einige Spieler, sich für die Bundesliga zu empfehlen“, sagte er. Mit Augsburg habe er einmal zehn neue Spieler im Pokal aufgestellt. Ganz so weit wird es nicht kommen, „sonst heißt es nachher, der Trainer nimmt den Pokal nicht ernst“.

Maik Franz, der sich bei seinen letzten beiden Auftritten in Kaiserslautern jeweils monatelang verletzte, hat sich übrigens nicht vom Spiel befreien lassen. Der zuletzt zur U 23 abkommandierte Verteidiger steht im Aufgebot, obwohl die Vergangenheit „mental mitspielen könnte“, wie Luhukay sagte. Dominik Bardow

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar