Hertha BSC : Friend: Da wäre noch was klarzustellen

Stürmer Rob Friend will nach einer schwachen Hinserie seinen Wert für Hertha zeigen. Das beim Hauptstadtklubs praktizierte System dürfte seiner Spielweise aber auch in Zukunft kaum entgegenkommen.

Sven Goldmann
Kämpfen für den Durchbruch. Rob Friend (vorne, mit Roman Hubnik) ist sicher, dass es in der Rückrunde besser wird.
Kämpfen für den Durchbruch. Rob Friend (vorne, mit Roman Hubnik) ist sicher, dass es in der Rückrunde besser wird.Foto: City-Press GbR

Der Fußballspieler Patrick Ebert hat unter der portugiesischen Sonne laut nachgedacht und sich eine Rückkehr von Marko Pantelic gewünscht. Irgendeiner müsse ja schließlich die Tore schießen, wenn es denn im Sommer mit einer Rückkehr in die Bundesliga klappen sollte, und wer könnte das besser als sein guter alter Freund Marko, der in 114 Spielen 45 Mal für Hertha BSC getroffen hat und jetzt in Piräus auf einen Anruf wartet. Prima, tolle Idee, findet sein Trainer Markus Babbel und verdreht die Augen, „ich bin auch sehr gut mit Lionel Messi befreundet“.

Das mit dem weltbesten Stürmer Lionel Messi ist ein gutes Stichwort für Rob Friend. Der Kanadier ist bei Hertha fürs Toreschießen zuständig, was zuletzt nicht so gut geklappt hat, sodass er Eberts Wunsch als Kritik an seiner Arbeit auffassen darf. Friend hat Banane, Joghurt und Obstsalat mitgebracht, er setzt sich auf die Terrasse des Teamquartiers in Portimao und sagt, dass er reden will. „Ich habe ein bisschen was auf dem Herzen, das muss jetzt raus!“

Das angeblich gestörte Verhältnis zu seinem Angriffskollegen Pierre-Michel Lasogga, die Probleme mit dem taktischen System, die seit Monaten anhaltende Erfolglosigkeit: Es war zuletzt nicht viel Gutes zu lesen über den Mann, den sie bei Hertha als Königstransfer bezeichnet haben, weil er das meiste Geld gekostet hat, immerhin zwei Millionen Euro.

Die Weihnachtszeit hat der 29-jährige Friend in Singapur verbracht, verdammt weit weg für einen Kurztrip, „aber manchmal muss man ans andere Ende der Welt fliegen, um den Kopf freizubekommen und zu vergessen, was war“.

Vor drei Jahren hat er Borussia Mönchengladbach mit 18 Toren zurück in die Erste Liga geschossen, „damals war ich technisch und körperlich nicht so gut wie heute“. In Berlin hat es nur zu vier Toren gereicht, das letzte liegt bald vier Monate zurück, und zurzeit kann sich Friend nicht mal mehr erinnern, „wann ich zuletzt eine Torchance hatte, ich meine: eine richtige Torchance“. Er habe nie das Gefühl gehabt, Teil der Mannschaft zu sein. Das sei zur Hälfte sein Problem, zur anderen aber auch das des bei Hertha praktizierten Spielsystems. „Ich bin nun mal kein Lionel Messi, der fünf Verteidiger ausspielt und dann noch das Tor schießt“, sagt Friend. „Ich brauche Flanken, viele Flanken!“

Über ein Scheitern in Berlin mag er nicht nachdenken, denn „Scheitern ist ein gefährliches Wort“. Immerhin sei er der zweiterfolgreichste Schütze im Team. Er hätte in Mönchengladbach bleiben oder für den Türkischen Meister Bursaspor in der Champions League spielen können. Markus Babbel aber hat ihn im Sommer begeistert mit dem Plan, als einziger Stürmer in der Mitte die vielen Flanken zu verwerten, die da ankommen würden von der offensivfreudigsten Mannschaft der Liga. Dann aber hat sich der Flankengeber Patrick Ebert verletzt, was eine umfangreiche Rochade nach sich zog, an deren Ende der Linksfuß Nikita Rukavytsya auf dem rechten Flügel landete und der Rechtsfuß Adrian Ramos auf dem linken. Es kamen also keine Flanken, weil beide Außenstürmer lieber mit dem Ball nach innen zogen. Weil er für technisch anspruchsvolles Kurzpassspiel nur bedingt taugt, vereinsamte Friend im Strafraum und musste mit ansehen, wie die Kollegen das Spiel um ihn herum organisierten.

Welches war das schlimmste Spiel der Hinrunde? „Viele!“ Kurze Pause. Vielleicht das 0:1 bei 1860 München, „da bin ich kaum an den Ball gekommen, dabei hatte ich mir so viel vorgenommen, denn ich war ja nach ein paar Wochen das erste Mal wieder in der Startaufstellung“.

Völlig unverhofft ist Friend betriebsinterne Konkurrenz erwachsen in Gestalt von Pierre-Michel Lasogga. Im November rückte der Teenager aus Leverkusen erstmals für Friend in die Startaufstellung, und weil er gleich zwei Tore schoss und so herzzerreißend schön jubelte, wurden auf dem Boulevard schnell die ersten Geschichten konstruiert über ihn und Friend. Aus Konkurrenzkampf wurde Rivalität und aus Rivalität Kleinkrieg. Gerade erst war zu lesen, dass sich die beiden im portugiesischen Trainingsquartier bevorzugt aus dem Weg gehen würden. Bullshit, zischt Friend, „ich habe mit Pierre überhaupt kein Problem. Erst gestern ist er zu mir gekommen und hat mir erzählt: Hast du gelesen, was sie über uns schreiben? Dass wir angeblich nicht miteinander reden und uns nicht mal anschauen?“

Wie es der Zufall will, sitzt Lasogga ein paar Tische weiter. Friend drückt sich aus seinem Stuhl und brüllt quer über die Terrasse: „Hey Pierre, du Idiot, was willst du hier, mach, dass du wegkommst!“ Lasogga steht ebenfalls auf, er hebt sein Glas und deutet an, was in einer zünftigen Wirtshausschlägerei enden könnte, und für die Fotografen ist es schon ein bisschen schade, dass die Szene nur gespielt ist. Nächster Akt. Friend setzt sich wieder hin und holt aus zu einem längeren Vortrag: „Ich sage Ihnen mal was: Pierre ist ein junger aufstrebender Stürmer, der seinen Weg machen wird, und ich werde ihm gern dabei helfen. Achten sie mal darauf, wer beim Training immer die Letzten auf dem Platz sind: Pierre und ich, der eine flankt, der andere schießt aufs Tor.“

Rob Friend steht auf. Banane, Joghurt und Obstsalat sind unangetastet geblieben. Zeit für ein Schlusswort in eigener Sache: „Glauben Sie mir, ich bin mein größter Kritiker, aber ich werde hart daran arbeiten, dass es in der Rückrunde besser wird“, mit einem wieder genesenen Patrick Ebert als Flankengeber auf der rechten Seite und dem Linksfuß Nikita Rukavytsya vis-a-vis. „Ich denke positiv“, sagt Friend, „das Leben eines Stürmers besteht aus Ups und Downs.“ Das gehe nicht nur ihm so, sondern auch, „verzeihen Sie die prominenten Beispiele, Leuten wie Fernando Torres oder Mario Gomez“. Zuweilen übrigens auch Lionel Messi.

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