Sport : Hertha BSC: Gegenangriff

Klaus Rocca

Ob denn dieser Tage der neue Mentaltrainer eingegriffen habe, wurde Dieter Hoeneß gefragt. Der konnte sich eines Lächelns nicht erwehren, nahm die Frage offensichtlich nicht ernst. Was ihn nicht daran hinderte, eine Antwort zu geben. "Der Mentaltrainer", so Hoeneß, "habe nur die Aufgabe, einzelne Spieler weiterzubringen." Unausgesprochen blieb dabei, ob die gesamte Mannschaft eines mentalen Zuspruchs bedarf. Jene Hertha-Mannschaft nämlich, die mit so großen Erwartungen in die Saison gestartet war, nach zwei Spieltagen aber nur einen einzigen Punkt von sechs möglichen Zählern geholt und noch kein einziges Tor erzielt hat. Was Hoeneß, den Manager des Berliner Fußball-Bundesligisten, kürzlich zu der Aussage veranlasste, in Berlin werde "der Baum brennen", wenn es morgen beim brisanten Spiel in Freiburg die zweite Niederlage gäbe. Da dachte er offensichtlich an das dann drohende Medienecho.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Wie stets in solch prekären Situationen heißt das Motto bei den Verantwortlichen "Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" oder "Angriff ist die beste Verteidigung". Dass Boulevardzeitungen, den Extremen zugeneigt, von "Horrorstart" und "Krisengipfel" schreiben, stößt ihnen natürlich unangenehm auf. So geißelt dann Hoeneß auch die "Polemiken", spricht selbst Fachjournalisten das nötige Wissen ab. Wer über Fußball spreche und schreibe, müsse genau hinschauen. So habe Bart Goor gegen Dortmund seine taktische Rolle gegen Evanilson "hervorragend gelöst" und bekomme trotzdem schlechte Kritiken. Sein Rat: sich mit den Dingen fußballspezifisch auseinandersetzen.

Die Mannschaft, so Hoeneß und Trainer Jürgen Röber unisono, hätte sich - welch Gegensatz zu den Medien - mit der misslichen Situation ganz ruhig und sachlich auseinandergesetzt. Dabei wurde bestätigt, dass Management, Trainer und Spielerrat bei gemeinsamen Gesprächen in diesen Tagen wiederholt die Schwachpunkte angesprochen haben: unzureichendes Spiel über die Flügel, Defizite bei der Abstimmung im Mittelfeld, nicht genügende Gegenwehr beim Rückstand. Und natürlich auch Alex Alves. Dass Röber dem Brasilianer, bei aller Kritik ("Scheißspiel") an seiner Leistung in der zweiten Halbzeit gegen Dortmund, eine "erhebliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr" attestiert, musste überraschen. Doch wie hatte Röber schon vorher gesagt: "Ich werde den Teufel tun, alles schlecht zu reden." Überhaupt: Jetzt könne doch nicht alles schlecht sein, was vor Wochen noch hoch gelobt wurde.

Dennoch, dass Hertha morgen im Freiburger Dreisamstadion unter Zugzwang steht, wird nicht verhehlt. "Wir sind alle unter gehörigem Druck", bekennt der Trainer. Man werde sich aber durch den Druck nicht vom Weg abbringen lassen. Hoeneß: "Wir werden am Ende da stehen, wo wir hin wollen und hingehören." Dass Marko Rehmer und Bart Goor gestern erstmals wieder mittrainierten und - im Gegensatz zu Kostas Konstantinidis - wohl im Breisgau dabei sein werden, verbesserte die Stimmung gestern Nachmittag. Vielleicht brennt der Baum am Wochenende doch nicht.

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