Hertha BSC : Genki Haraguchi, der schnelle Japaner

Flügelangreifer Genki Haraguchi hat sich bei Hertha BSC und in der Bundesliga etabliert – auch an diesem Freitag soll der Japaner gegen Hannover 96 in der Startelf stehen.

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Immer hilfsbereit. Genki Haraguchi wird von den Kollegen gelobt.
Immer hilfsbereit. Genki Haraguchi wird von den Kollegen gelobt.Foto: dpa

Die erste Reihe im Amateurstadion auf dem Olympiagelände war schnell überzeugt. Kopfnickend saßen einige Anhänger von Hertha BSC auf der Tribüne und beobachteten mit besonderem Interesse den jungen Mann, der wie ein Duracellhase die linke Seite des Platzes bearbeitete. Genki Haraguchi lief und lief und lief. Linie rauf, Linie runter. Zur offiziellen Saisoneröffnung, also dem Tag, an dem naturgemäß die Zugänge im Fokus stehen, folgten die Blicke vor allem dem Japaner. Links, rechts, links, rechts. Es war ein bisschen wie beim Tennis. Am Ende seines ersten Arbeitseinsatzes für Hertha BSC hatte sich Haraguchi die höchste Auszeichnung verdient, die der Berliner Fan- und Volksmund für solche Fälle bereithält: Kannste nicht meckern.

Zehn Monate später hat sich Genki Haraguchi etabliert beim Berliner Bundesligisten. Vor vier Wochen, beim 2:2 gegen den FC Schalke, erzielte der 23-Jährige sein erstes Pflichtspieltor für Hertha, auch am Freitag beim Auswärtsspiel der Berliner in Hannover (Beginn 20.30 Uhr, live bei Sky) dürfte der Flügelspieler wieder in der Startformation stehen. Das hängt einerseits mit dem neuerlichen Ausfall des verletzten Änis Ben-Hatira zusammen, andererseits sagt es auch einiges über Haraguchi selbst aus. In seiner ersten Auslandssaison hat sich der junge Mann fernab der Heimat zurechtgefunden. Gerade im Umgang mit der neuen Sprache hakt es zwar noch ein wenig, zumal Haraguchi auch kaum Englisch spricht. Deshalb sind, abgesehen von der Erkenntnis, dass die Umstellung von der J-League in die Bundesliga „gewaltig“ gewesen sei, auch kaum Aussagen von Haraguchi überliefert. Bei seinen Mitspielern und seinem Trainer hat er trotzdem nachhaltig Eindruck hinterlassen. Menschlich wie fußballerisch.

"Man merkt, dass sich Genki immer besser zurechtfindet"

„Genki ist ein sehr angenehmer Zeitgenosse“, sagt Fabian Lustenberger. „Zurückhaltend, unkompliziert, hilfsbereit – wenn man ihn morgens um drei Uhr anrufen und um Hilfe bitten würde, dann würde er kommen“, ergänzt der Kapitän. Lustenbergers Eindrücke decken sich mit denen, die in den vergangenen Jahren zur Verpflichtung zahlreicher asiatischer und insbesondere japanischer Spieler beigetragen haben. Arbeitsethos und Fleiß eilen ihnen voraus: Mit zwölf Akteuren stellen die Japaner in der Bundesliga mittlerweile die viertgrößte Fraktion unter den Legionären hinter den Schweizern, Österreichern und Brasilianern. Lustenberger sagt: „Man merkt, dass sich Genki immer besser zurechtfindet und, ganz wichtig, dass er sich wohl bei uns fühlt.“

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Schon in der Vorbereitungsphase unter Ex-Trainer Jos Luhukay machte Haraguchi auf sich aufmerksam, im ersten Heimspiel der Saison gegen Werder Bremen durfte er sogleich beginnen – und machte direkt Bekanntschaft mit der mitteleuropäischen Härte. In einem Zweikampf zog er sich eine Schulterverletzung zu, die ihn wochenlang vom Training befreite. „Genki ist super gestartet, nach seiner Verletzung hatte er ein paar Probleme, aber das ist normal“, sagt Lustenberger, „in den letzten Spielen haben wir gesehen, wozu er in der Lage ist.“

Genki Haraguchi lebt von seiner Schnelligkeit

Als Flügelspieler lebt Haraguchi in erster Linie von seiner Schnelligkeit, aber auch im spielerischen Bereich hat der Linksfuß erkennbar Fortschritte gemacht. „Er ist ein unangenehmer Spieler für den Gegner“, sagt Trainer Pal Dardai, „als sogenannter Ersatzspieler hat er uns immer geholfen.“ Mittlerweile bringt es Haraguchi immerhin auf 14 Einsätze in dieser Saison. Und Dardai ist überzeugt, „dass er noch bessere Leistungen zeigt, wenn er regelmäßig spielt“. Lustenberger sieht das ähnlich: „Er bringt alles mit, was man als junger Spieler auf seiner Position mitbringen kann: Tempo, Kreativität, Einsatzbereitschaft“, sagt er, „sein erstes Jahr in Deutschland war sehr ordentlich.“

Beim Zurechtfinden hat Haraguchi von einem Landsmann profitiert, auf den sie bei Hertha BSC ebenfalls große Stücke halten: Hajime Hosogaj. Bei den Urawa Red Diamonds bildeten Hosogai, damals noch als Außenverteidiger, und Haraguchi schon vor Jahren ein Gespann auf dem linken Flügel. In Berlin bekleidet Hosogai mittlerweile zwar eine zentralere Position, trotzdem ist er Haraguchis Fixpunkt geblieben. „Es ist gut, dass die beiden einander als Ansprechpartner haben“, sagt Lustenberger. Erst recht nach einer der ersten Amtshandlungen von Dardai. Die bestand darin, den Dolmetscher zu entlassen, den Vorgänger Luhukay seinem japanischen Duo zur Seite gestellt hatte. „Ich war als Spieler auch Ausländer und musste die deutsche Sprache lernen“, sagt der Ungar, „das geht am schnellsten, wenn man im direkten Kontakt mit den Kollegen ist.“

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