Hertha BSC : Gespielte Gelassenheit

Öffentliche Kritk von Josip Simunic, Vertragspoker mit Marko Pantelic. Vor dem vorletzten Heimduell der Saison gegen den Karlsruher SC hat sich Hertha mit lästigen Themen zu beschäftigen. Die sportlichen Belange verschwinden bei der Hertha einmal mehr im Hintergrund.

Michael Rosentritt
Pantelic
Bleibt er oder geht er? - Die Zukunft von Hertha-Stürmer Marko Pantelic ist weiterhin offen. -Foto: dpa

Berlin - Dieter Hoeneß wollte gestern große Gelassenheit demonstrieren. Was soll der Manager eines Fußballvereins auch anderes tun, wenn derzeit gar nicht der Fußball im Vordergrund steht? Das Spiel heute im Berliner Olympiastadion gegen den Karlsruher SC, das vorletzte Heimspiel der sich neigenden Saison, ist alles andere als ein Stadtgespräch. Der Berliner Bundesligist spielt seit Wochen schon so, als sei die Spielzeit abgehakt. Man muss schon ein detailversessener Liebhaber sein, um positive Ansätze in den Darbietungen der Mannschaft von Trainer Lucien Favre zu sehen. Für den Geschmack der meisten Fußballfans gilt das Spiel der Berliner generell als wenig anregend, weshalb andere Themen leicht in den Vordergrund drängen, die Hoeneß allerdings als lästig und störend empfindet.

Da ist beispielsweise die Endlos-Story um Marko Pantelic. Der Serbe, der als einziger Stürmer im Team eine ansehnliche Torquote aufweist, fordert seit Monaten einen neuen, finanziell stark aufgemotzten Vertrag über 2009 hinaus. Hoeneß, der sich weitgehend aus diesem Thema herausgehalten hat, kriegt es genau deswegen von vielen Medien beinahe täglichen zur Wiedervorlage auf den Tisch. „Wir haben ihm ein sehr, sehr gutes Angebot gemacht“, sagte Hoeneß gestern leicht genervt. Solange aber Pantelics Stürmerkollegen nicht treffen, wird er dieses Thema nicht loswerden.

Noch heftiger überfiel Hertha ein anderes Thema. Unter der Woche hatte Josip Simunic einem Boulevardblatt ein Interview gegeben und ein paar Dinge angesprochen, die Hoeneß überhaupt nicht gefallen haben dürften. „Es gibt so viele Leute, für die Hertha das ganze Leben bedeutet. Die tun mir leid. Die werden verarscht.“ Der Kroate hatte beklagt, dass Hertha zu viele Talente verkauft habe, und von bitteren Enttäuschungen in dieser Saison gesprochen. „Für Fehler muss ich als Profi auch kritisiert werden. Nur werden bei uns immer die Gleichen kritisiert und damit auch von anderen, entscheidenden Problemen abgelenkt“, hatte Simunic gesagt, ohne aber die entscheidenden Probleme zu benennen. Der Manager warf dem Kroaten anderntags „vereinsschädigendes Verhalten“ vor und wird nun wohl mit einer empfindlichen Geldstrafe kontern. Zwar mochte Hoeneß das gestern nicht bestätigen („Das wird intern geregelt“), aber so einfach auflösen wird er auch dieses Thema nicht können. Wie es heißt, ist es nicht zum Besten bestellt um das Verhältnis zwischen Hertha und dem Verteidiger.

Nein, Dieter Hoeneß ist derzeit nicht zu beneiden. Das Saisonziel „einstelliger Tabellenplatz“ ist außer Reichweite geraten, weshalb seit Wochen nur noch von der Entwicklung der Mannschaft gesprochen wird. Hertha BSC ist zwar seit acht Bundesligaspielen sieglos, dennoch heben Favre und Hoeneß hervor, die Mannschaft sei nur schwer zu schlagen. Das mag so sein, allerdings fällt es Hertha derzeit mindestens genauso schwer, einen Gegner zu bezwingen. Vielleicht gelingt Hertha ja heute ein Sieg. Ein anregendes Erfolgserlebnis könnte für ein paar Tage weniger erfreuliche Themen in den Hintergrund drücken.

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