Hertha BSC : Grätschen ist verboten

Bei Hertha wird jetzt auch Futsal gespielt. Dahinter verbirgt sich eigentlich nichts anderes als Hallenfußball - einige Modifizierungen gibt es aber doch.

Matthias Sander

BerlinHertha BSC in einer Liga mit Vereinen wie SD Croatia und dem TSV Rudow? Zu dieser Konstellation kommt es nur in der Futsal-Verbandsliga. Die bisher unter dem Namen „Pro Evolution“ fungierende Berliner Futsalmannschaft schloss sich Anfang Juni Hertha BSC an. Damit bietet die Hertha neben Eintracht Frankfurt als einziger Bundesligist einen Sport an, der sich in Deutschland erst im Aufbaustadium befindet.

Hinter dem hochtrabenden Namen Futsal verbirgt sich eigentlich nichts anderes als Hallenfußball – mit leicht modifizierten Regeln. Im Gegensatz zum klassischen Kick in der Halle gibt es keine Bande, statt per Einwurf wird der Ball per „Einkick“ wieder ins Spiel gebracht. Gespielt wird mit einem kleinen, weniger springenden Ball. Grätschen ist verboten, nach dem sechsten Foul einer Mannschaft wird dem Gegner ein direkter Freistoß ohne Mauer zugesprochen.

Natürlich sind Technik und Koordination auf den kleinen Futsalfeldern besonders wichtig. Vermutlich auch deshalb ist der Sport in Südamerika so beliebt, wo seit den Fünfzigerjahren Futsal gespielt wird. Brasilien ist wie im Fußball Rekordweltmeister im Futsal, mit drei Titeln.

Der Fußball-Weltverband Fifa will dem Futsal professionelle Strukturen geben und fordert von seinen Mitgliedern mehr Engagement. Seit 1989 veranstaltet die Fifa eine Futsal-Weltmeisterschaft. Deutschland hat daran aber noch nie teilgenommen, auch nicht an einer EM. Eine Nationalmannschaft existiert ebenso wenig wie eine bundesweite Liga wie sie es etwa in Spanien gibt. Die deutsche Futsal-Meisterschaft wird unter den Meistern der fünf Regionalverbände sowie drei zweitplatzierten Teams ausgespielt. Dazu kamen beim zweiten Futsal-Cup des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dieses Jahr Gastgeber Heidenheim und Titelverteidiger Münster.

Für die Hertha-Mannschaft wird es nicht leicht, sich dieses Jahr für den DFB-Futsal-Cup zu qualifizieren. Dazu müssten die aktuell zweitplatzierten Herthaner in ihrer Achter-Liga Meister werden und sich anschließend auf regionaler Ebene gegen die Meister der anderen Landesverbände durchsetzen. Die Futsal-Saison richtet sich im Berliner Fußballverband (BFV) nach Sommer- und Wintersemestern – die „Teams kommen meist aus dem Hochschulsport“, sagt Bernd Wusterhausen, der als Leiter der Hertha-Amateurabteilung für das neue Futsal-Team zuständig ist.

Dass es noch formlos im Futsal zugeht und nicht alle Teams Vereinen angehören, sei nicht weiter schlimm, meint Wusterhausen. Seine Devise lautet: „Erst einmal spielen, alle Formalien kriegen wir dann schon hin.“

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