Hertha BSC : Großes im Sinn

Auf Herthas Trainer Lucien Favre wartet im DFB-Pokal die erste Bewährung.

Claus Vetter
Lucien Favre
Blick nach vorne - Lucien Favre. -Foto: ddp

Berlin Im November dieses Jahres wird Lucien Favre 50 Jahre alt. Kaum zu glauben. Denn der Mann mit dem markanten Grübchen im Kinn wirkt noch sehr jugendlich. Erst recht, wenn er sein breites Lächeln aufsetzt. Das macht der Schweizer aber nicht nur, wenn er gute Laune hat. Nein, der Fußballlehrer bemüht schon mal freundlich-bedeutsame Mimik, wenn er Wichtiges zu sagen hat. So wie kürzlich, als der neue Trainer von Hertha BSC gefragt wurde, ob einer seiner Profis noch Potenzial nach oben habe, da philosophierte Favre: „Der Mensch kann sich immer verbessern, bis zum Tod kann sich der Mensch verbessern.“

Lucien Favre ist auch ein Mensch, der sich verbessern will. Das hat er mit seinem Wechsel vom FC Zürich in die Bundesliga erst einmal geschafft. Richtig angekommen in Deutschland ist er aber erst heute. Hertha tritt im DFB-Pokal beim Regionalligisten SpVgg. Unterhaching an, es ist die erste Bewährungsprobe für den neuen Trainer. Darauf angesprochen reagiert Favre relativierend. „Der Cup ist immer speziell.“ Und schließlich sei der Kader ja noch nicht komplett. Was auch am Trainer liegt, immerhin hat er seine Vorstellungen schon durchgesetzt – was die Abgänge betrifft. Sollte nun Jerome Boateng zum Hamburger SV wechseln, hätte schon der zwölfte Profi Hertha BSC verlassen.

Wunschspieler hat Favre natürlich auch. Ihm eilt aber der Ruf voraus, dass er bei der Verpflichtung neuer Spieler ein schwieriger Typ sei und sich oft nicht entscheiden könne. In Berlin hat Favre schon häufig mit Manager Dieter Hoeneß über Kandidaten diskutiert, bislang allerdings gibt es nur mit dem Brasilianer Lucio einen Zugang nach des Trainers Gusto. Manager Dieer Hoeneß verweist darauf, dass für Neuverpflichtungen bis zum Ende der Transferperiode am 31. August Zeit sei. Doch Favre hat kaum so viel Geduld. Warum sonst hat er wiederholt darauf hingewiesen, dass seine Mannschaft noch nicht die gewünschte Qualität hat?

Immerhin hat der Trainer Qualität. Für Herthas Kapitän Arne Friedrich ist der Schweizer ein Mann mit viel Fußballverstand, Mitspieler Patrick Ebert ist beeindruckt von Favres Fußballwissen. Privat sei Favre „sehr freundlich“, sagt Friedrich, „aber als Trainer kann er auch anders.“ Das wird von seinen Schweizer Stationen berichtet, dort fiel Favre schon mal aus der Rolle, hat sich mit Schiedsrichtern angelegt und nach Niederlagen Verschwörungstheorien konstruiert.

Doch bislang ging es in der Trainerkarriere des 24-maligen Schweizer Nationalspielers Favre meist nach oben. „Ich hatte überall Erfolg“, hat der Mann aus dem französisch-sprachigen Teil der Schweiz einmal unbescheiden gesagt. In seiner Heimat konnte er kaum noch mehr Erfolg haben. Mit dem FC Zürich war er Pokalsieger und zuletzt zweimal Meister. „Wenn ich jetzt nicht wechseln würde, dann bliebe ich wohl immer beim FC Zürich“, hat Favre nach der vergangenen Saison festgestellt. Die Bundesliga war von jeher eines seiner Ziele, da kam das Angebot eines Dreijahresvertrages von Hertha recht. Die Berliner kannten ihn besonders gut, waren sie doch Zeugen von Favres bislang größtem internationalen Erfolg: Im November 2001 scheiterte Hertha in der dritten Runde des Uefa-Cups nach einem 0:0 im Hinspiel mit einer 0:3-Heimniederlage an Servette Genf unter Trainer Favre.

Was Hertha BSC optimistisch stimmen sollte, ist, dass der Offensivfan Favre in Berlin so angefangen hat wie bei seiner ersten, erfolgreichen Trainerstation. Bei Yverdon-Sports wechselte der Jungtrainer Favre vor zehn Jahren binnen sechs Monaten 14 von 18 Spielern aus und setzte auf Brasilianer. 1999 stieg der Klub in die erste Liga auf. Auch bei Hertha hat Favre schon heftig aussortiert, hat immerhin schon drei Brasilianer im Team – wartet allerdings noch auf Ersatz für die Aussortierten. Aber erst einmal hat Lucien Favre heute seinen ersten größeren Auftritt im deutschen Fußball, beim Pokalspiel in Unterhaching: Dort, wo Hertha vor zehn Jahren in die Bundesliga aufgestiegen ist, soll auch der Aufstieg des Klubs mit Lucien Favre beginnen.

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