Hertha BSC : Gut genug für Brasilien, aber nicht für Berlin

Etwas, dass vor der Saison niemand erwartet hat, wird zum Luxusproblem: Hertha spielt gut. So gut, dass Trainer Favre in seiner Elf zurzeit keinen Platz für Mineiro findet.

Claus Vetter
Mineiro
Mineiro ist Stammspieler in der brasilianischen Nationalelf, aber nicht bei Hertha. -Foto: AFP

Berlin13 Länderspiele für Brasilien hat Carlos Luciano da Silva dieses Jahr schon absolviert. Der Mann, der unter dem Künstlernamen Mineiro firmiert, ist sozusagen mit den höchsten Weihen des internationalen Fußballs gesegnet. Doch das will nichts heißen, wenn sich ein Spieler im Bundesligaalltag bei Hertha BSC verdingt: Bei den Berlinern hat der brasilianische Nationalspieler Mineiro von fünf Punktspielen bislang nur das gegen den VfB Stuttgart über die volle Distanz absolviert, am dritten Spieltag in Bielefeld wurde er eingewechselt. Macht 105 von 450 Spielminuten, die Hertha mit neun Punkten erfolgreich hinter sich gebracht hat. Und genau da liegt Mineiros Problem: Es lief zuletzt zu gut in Herthas Mittelfeld, Trainer Lucien Favre sah keinen Grund für grundlegende Änderungen.

In den kommenden Tagen allerdings, sagt der Trainer von Hertha BSC, werde er etwas ändern müssen. Beginnend mit dem Samstagspiel gegen Borussia Dortmund haben die Berliner dann mit Hansa Rostock am Dienstag und dem Auswärtsspiel bei Schalke 04 am Freitag drei Spiele innerhalb von sechs Tagen vor sich. „Da brauche ich jeden Spieler“, sagt Favre. Wegen des Kräfteverschleißes werde er „sicher nicht alle drei Spiele mit denselben elf Spielern beginnen“. Das heißt aber nicht, dass Mineiro seine Chance von Beginn an bekommen wird. Im Berliner Mittelfeld war zuletzt vor allem Pal Dardai gesetzt, er hat alle fünf Bundesligapartien durchgespielt. Der Ungar glaubt, sich das erkämpft zu haben. „Ich habe die Fähigkeit, nie aufzugeben, daher halte ich mich so lange bei Hertha.“ Favre sieht sogar noch andere Qualitäten, die für Dardai sprechen. „Er ist als Mensch sehr, sehr wichtig für die Mannschaft, weil er immer positiv auftritt.“

Also muss Mineiro da noch Mentalitätstraining betreiben? Nein, sagt sein Klubtrainer. „Er bleibt positiv, arbeitet hart, als Mensch ist er perfekt.“ Eine Erklärung dafür, dass er bislang weitestgehend auf die Dienste des brasilianischen Nationalspielers verzichten konnte, hat Favre aber trotzdem: „Mineiro ist spät von der Copa America zurückgekommen, erst eine Woche vor dem ersten Punktspiel in Frankfurt. Da aber hatten wir schon ein paar Automatismen im Trainingslager einstudiert.“ Letzteres erklärt das Schicksal des Brasilianers wohl am besten: Auch in seiner Nationalmannschaft ist er eher ein Rollenspieler denn ein Kreativspieler. Einen Ronaldinho würden sie bei Hertha wohl kaum auf die Bank setzen.

Zwei Siege ohne Mineiro in Folge – das 2:1 gegen Wolfsburg und das 2:1 in Duisburg – hat Hertha nun hinter sich, Manager Dieter Hoeneß stimmt es zufrieden. „Da sieht man schon die gute Arbeit des Trainergespanns“, sagt er. Nach dem Sieg in Duisburg habe die Kartennachfrage für das Spiel gegen Dortmund am Samstag im Olympiastadion (15.30 Uhr) „deutlich angezogen“, berichtet Hoeneß. „Ich hoffe auf 55 000 Zuschauer, vielleicht erleben wir sogar die ganz große Überraschung.“

Natürlich hofft Favre auf keine bösen Überraschungen: Drei Siege hintereinander, das ist Hertha in der vergangenen Saison nicht einmal gelungen. „Dazu kommt, dass wir zwei Heimspiele hintereinander haben. Das ist schwierig, da macht eine Mannschaft selten sechs Punkte“, sagt der Berliner Trainer. Auch daher gelte es, von Spiel zu Spiel etwas zu verändern. Der zuletzt nur eingewechselte Tobias Grahn werde mehr spielen und auch der in Duisburg – trotz seiner Tore gegen Stuttgart und Wolfsburg – verschmähte Nigerianer Solomon Okoronkwo. Und Mineiro? „Der bekommt seine Chance“, sagt Favre. „Es ist nur eine Frage der Zeit.“ Eine Frage der Zeit? Wenn Hertha weiter so erfolgreich spielt, wird es die Antwort auf diese Frage nicht so schnell geben.

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