Sport : Hertha BSC: Heile Füße - bestes Handwerkszeug

Michael Rosentritt

Er hat zwar nicht die größten Füße, aber mit die begabtesten Berlins. Schon deswegen hofft der Anhang von Hertha BSC, dass diese Füße in einer Reihe spielen mit denen der Herren Deisler und Wosz, die auch nicht schlecht bestückt sind. Schließlich geht es am Sonnabend gegen den FC Bayern. Berlins Neuzugang Stefan Beinlich ist optimistisch, was sein Dazutun in München anbelangt. "Ich gehe davon aus, dass ich spielen werde", sagt der neue Chef des Berliner Mittelfeldes.

Am Sonntag hatte er das Testspiel gegen den AS Rom wegen einer Mittelfußreizung auslassen müssen. "Dienstag oder spätestens am Mittwoch wird er wieder in das Training einsteigen und dann in München spielen können", erzählt Ulrich Schleicher. Allerdings warnt Herthas Mannschaftsarzt davor, die Mittelfußreizung zu unterschätzen: "Es ist keine gewöhnliche Verletzung, sondern eine Überlastungs-Entzündung, die sich auch ganz schnell verschärfen kann. Das ist immer eine kitzlige Geschichte."

Wie die auch ausgehen mag, die Vorbereitungsspiele zeigten deutlich, wie wertvoll ein schmerzfreier Beinlich für die Spielgestaltung sein kann. "Wenn ich ein optimales Zusammenspiel mit Wosz und Deisler nicht für möglich gehalten hätte, wäre ich doch gar nicht nach Berlin gekommen", sagt Beinlich. Vor allem Wosz hatte nach Bekanntwerden des beabsichtigten Transfers ein tiefgreifendes Gespräch mit Trainer Jürgen Röber gefordert. Eine ganz kitzlige Situation, die Manager Dieter Hoeneß schließlich mit einem Macht-Satz auflöste: "Es geht nicht darum: Wosz oder Beinlich. Es geht darum: Wosz und Beinlich."

Das Finalspiel um den DFB-Ligapokal gegen die Münchner (1:5) und das müde 0:0 gegen die Römer sind aus Beinlichs Sicht fast schon logisch gewesen. "Jede Mannschaft hat in der Vorbereitungszeit mal einen Hänger. Uns hat die Spritzigkeit gefehlt, und wenn die nicht da ist, bist du auch gedanklich nicht schnell genug". Vor allem seiner strategischen und kreativen Fähigkeiten wegen hatte sich Hertha BSC schon in der zurückliegenden Winterpause die Dienste Beinlichs gesichert. Weil er noch ablösefrei zum Saisonende zu haben war, brauchten die Berliner seinem ehemaligen Verein Bayer Leverkusen nicht einen Pfennig überweisen, was sich nicht negativ beim Aushandeln seiner jährlichen Bezüge ausgewirkt haben soll. Beinlich zählt neben Nationalspieler Marko Rehmer und Kapitän Michael Preetz zu Herthas Großverdienern.

"Ein guter Start gegen die Bayern wäre schön", erzählt Beinlich, "dann folgen nämlich zwei Heimspiele." Auf Sicht gesehen hält er es für möglich, dass Hertha BSC zur Nummer zwei in Deutschland nach den Bayern aufsteigen kann. Die Stadt und der Verein hätten ein "fast konkurrenzloses Potenzial". Doch das Wort Meisterschaft will er am liebsten überhören. "Das ist wohl noch ein bisschen zu früh, aber irgendwann sollte es ein realistisches Ziel sein."

Ein sehr viel naheliegenderes ist für ihn die deutsche Nationalmannschaft. Wenn heute Teamchef Rudi Völler sein Aufgebot für das Freundschaftsländerspiel gegen Spanien am 16. August bekannt gibt, dürfte auch sein Name fallen. "Alles andere würde mich schon sehr überraschen", sagt Beinlich, "aber das wäre ja nichts Neues." Er kennt Überraschungen dieser Art. Bekanntlich hatte Erich Ribbeck den in der vergangenen Saison torgefährlichsten deutschen Mittelfeldspieler (elf Tore) nicht für die Europameisterschaft nominiert, was im Nachhinein nicht unbedingt als Strafe anzusehen war. Oder? Beinlich widerspricht: "Oh doch. Ich wurde um die Chance gebracht, eine EM zu spielen. Viel besser wäre es wohl auch nicht mit mir gelaufen, aber ich weiß nicht, ob ich jemals noch ein großes Turnier spielen kann." Aber bitte - mit diesen Füßen ...

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