Hertha BSC heute in VfL Wolfsburg : Pal Dardai und die Achse des Neuen

Mit seinen Wechseln hat Trainer Pal Dardai der Mannschaft von Hertha BSC eine neue Statik verpasst. Erster großer Verlierer vor dem Spiel in Wolfsburg: Sebastian Langkamp.

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Auf der Suche. Herthas neuer Trainer Pal Dardai (vorne, mit Manager Michael Preetz) hat schon einiges ausprobiert und fahndet noch nach einer stabilen Achse.
Auf der Suche. Herthas neuer Trainer Pal Dardai (vorne, mit Manager Michael Preetz) hat schon einiges ausprobiert und fahndet noch...Foto: imago

Der Einsatz des Armes in Kopfballduellen zieht nach der aktuellen Regelpraxis des Deutschen Fußball-Bundes bei nachgewiesener Rücksichtslosigkeit eine Verwarnung in Form einer Gelben Karte nach sich. Sebastian Langkamp hat das vor zweieinhalb Wochen erlebt, als er sich im Heimspiel gegen Leverkusen kurz vor Schluss regelwidrig gegen Kyriakos Papadopoulos einsetzte. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn Langkamp nicht schon zuvor Gelb gesehen hätte. Gelb-Rot zieht nach der aktuellen Regelpraxis im Fußball ein Spiel Sperre nach sich. Sebastian Langkamp wäre froh, wenn das bei ihm auch so gewesen wäre. Der Innenverteidiger von Hertha BSC ist bei seinem Arbeitgeber erst einmal bis auf Weiteres vom Spielbetrieb ausgeschlossen.

Das ist insofern bemerkenswert, als Herthas Hoffnungen auf Besserung in der Rückrunde der Bundesliga nicht zuletzt auf der Rückkehr Langkamps gründeten. Der frühere Augsburger hatte fast die komplette Hinserie verletzt verpasst, nachdem er in der Vorsaison gemeinsam mit Fabian Lustenberger eine stabile Innenverteidigung gebildet hatte. Jetzt ist der 27-Jährige wieder fit – und spielt trotzdem nicht. Für das Spiel am Sonntag beim VfL Wolfsburg (17.30 Uhr, live bei Sky) steht er nicht einmal im Kader. „Sebastian hatte das Pech, dass er gesperrt war“, sagt der neue Trainer Pal Dardai – und dass seine Vertreter Jens Hegeler und John Anthony Brooks beim Sieg in Mainz einen ordentlichen Job gemacht haben. „Ich kann nicht jede Woche andere Spieler einsetzen“, erklärt Herthas Trainer. Und so werden Hegeler und Brooks auch gegen Wolfsburg wieder in der Zentrale verteidigen, obwohl sie am vergangenen Wochenende, bei der Heimniederlage gegen den SC Freiburg (0:2), ihren Job nicht mehr ganz so ordentlich erledigt haben.

Das gilt auch für Marvin Plattenhardt, der gegen Freiburg bei beiden Gegentoren nicht besonders glücklich ausgesehen hatte. Der Linksverteidiger ist so etwas wie der bisherige Gewinner des Trainerwechsels. Unter Jos Luhukay hatte Plattenhardt keine Rolle mehr gespielt, Dardai aber beförderte ihn nach positiven Trainingseindrücken gegen Mainz sofort in die Startelf, sprach ihm sein Vertrauen aus – „und das nicht nur für ein Spiel“.

Pal Dardai kann gegen den VfL Wolfsburg Angreifer Kalou nur schwer aus der Startelf nehmen

Es ist völlig normal, dass ein neuer Trainer andere Vorstellungen hat als sein Vorgänger; es ist auch legitim, dass er diese entschlossen umsetzt. Aber mit seinen – teils überraschenden – Personalentscheidungen hat Dardai erst einmal Fakten geschaffen, hinter die er nun zunächst nicht mehr zurückkann. Das gilt für Plattenhardt. Das gilt genauso für Salomon Kalou, den der Ungar gegen Freiburg gleich in die Startelf stellte, obwohl er nach mehr als sieben Wochen Abwesenheit aus Berlin gerade zwei Mal mit der Mannschaft trainiert hatte – und den Dardai nun in Wolfsburg nach einer kompletten Trainingswoche wohl nur schwer aus dem Team nehmen kann. Das gilt auch für Lustenberger respektive dessen Position. Dardai sieht den Schweizer im defensiven Mittelfeld, nicht mehr in der Innenverteidigung. „Er ist ein Spieler, der antizipieren kann, der das Tempo raus- und reinnehmen kann“, sagt er über Lustenberger.

Das alles sind Veränderungen, die massive Auswirkungen auf das Gesicht und die Statik der Mannschaft haben. Jos Luhukay hat immer auf die Bedeutung einer funktionierenden und tragfähigen Achse für ein erfolgreiches Abschneiden verwiesen – beziehungsweise die Probleme der Mannschaft in der Hinrunde auf das Fehlen einer stabilen Achse zurückgeführt. Langkamp und Lustenberger, die zentralen Verteidiger, fehlten lange verletzt, Hajime Hosogai, in der vergangenen Saison noch unumstritten im defensiven Mittelfeld, war vor der Winterpause weit von seiner normalen Form entfernt.

Dardai: "Ich beobachte jeden. Und bis jetzt bin ich mit der Einstellung von jedem zufrieden."

Alle drei spielen bei Dardai bisher keine oder eine andere Rolle als zuvor. Lustenberger wird in Wolfsburg nach Ablauf seiner Gelb-Rot-Sperre ins defensive Mittelfeld zurückkehren; Langkamp und Hosogai haben seit dem Trainerwechsel noch kein einziges Mal in der Startelf gestanden, der Japaner wurde in den beiden Spielen unter Dardai immerhin zwei Mal eingewechselt. „Jeder kann sich einbringen“, sagt Dardai auf die Frage, wie er den aktuellen Status der beiden ehemaligen Führungsspieler sieht. „Ich beobachte jeden. Und bis jetzt bin ich mit der Einstellung von jedem zufrieden.“

Wenn alles gut läuft, bildet sich in den nächsten Wochen eine neue Stammelf mit einer eigenen Achse heraus. Dass Hertha jedoch fortan immer mit derselben Elf auflaufen wird, ist eher unwahrscheinlich. Es ist gut möglich, dass Dardai schon in Kürze und immer wieder mal zu Wechseln gezwungen sein wird. Gleich sechs Spieler – John Anthony Brooks, Jens Hegeler, Peter Niemeyer, Ronny, Per Skjelbred und Valentin Stocker – sind nach der nächsten Gelben Karte gesperrt.

So könnte Hertha spielen:

Kraft – Pekarik, Hegeler, Brooks, Plattenhardt – Lustenberger, Skjelbred – Beerens, Stocker, Schulz – Kalou.

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