Sport : Hertha BSC: Im zweiten Anlauf auf den Chefsessel

Klaus Rocca

Die Abstimmung bei der außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats auf der Geschäftsstelle von Hertha BSC dauerte gestern Nachmittag nur Sekunden. Dann war Bernd Schiphorst, der zuvor von seinem Amt als Mitglied des Aufsichtsrates formal zurückgetreten war, mit einem Votum von 6:0 zum Präsidenten des Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC bestellt worden. "Bernd Schiphorst ist ein äußerst kompetenter Mann. Wir sind glücklich, ihn für das Amt gewonnen zu haben", kommentierte der Aufsichtsratsvorsitzende Rupert Scholz. Nach dessen heftiger Kritik an Walter Müller war der als Präsident zurückgetreten.

Bernd Schiphorst kennt sich aus bei Hertha BSC. Schon in den Sechzigerjahren besuchte er die Spiele des Vereins, dem er jetzt vorstehen soll. Damals hieß das Hertha-Idol nicht Michael Preetz, sondern Helmut Faeder, und Schiphorst studierte an der FU Volkswirtschaftslehre, Politologie und Publizistik. Sport, speziell Fußball, war seine große Leidenschaft. Sein Berufswunsch: Sportjournalist. Bei der "Nordwest-Zeitung" daheim in Oldenburg volontierte er auch. Doch Sportjournalist wurde er nie, dafür gleich Chefredakteur des in Hamburg erscheinenden "märkte & medien"-Verlages. Später bekleidete Schiphorst in der Medienbranche so viele Ämter, dass selbst Insider zwischenzeitlich den Überblick verloren.

Hertha BSC ließ ihn nicht los. 1994, damals noch Chef der Ufa, fädelte Schiphorst jenen Deal ein, der dem finanziell schwer angeschlagenen Klub das Überleben garantierte. Die Ufa steckte Millionen in Hertha BSC, allerdings nicht uneigennützig. Dass sich die Bertelsmann-Tochter vertraglich 40 Prozent der Vermarktungserlöse sicherte, wurde damals fast schon als sittenwidrig angesehen. "Was sollten wir denn machen? Uns stand doch das Wasser bis zum Hals", sagt Manfred Zemaitat, der in jener Zeit Präsident des dicht vor dem Konkurs stehenden Vereins war.

Als Zemaitat am 15. September 1998 von seinem Amt zurücktrat, sprach alles für Schiphorst als Nachfolger. Als Vorsitzender des Hertha-Wirtschaftsrates schien der Wirtschafts- und Medienexperte für den Job prädestiniert zu sein. Vielleicht gab sein Hauptwohnsitz Hamburg den Ausschlag gegen ihn. Der Aufsichtsrat berief jedenfalls Walter Müller zum Präsidenten.

Dass Schiphorst ungewöhnlich vielseitig ist, zeigt sich auch darin, dass er so ganz nebenbei auch im Veraltungsbeirat von Bayern München saß. Am 30. Juni dieses Jahres stieg er dort aus. Einen Tag später trat er sein Amt als Medienbeauftragter von Berlin und Brandenburg an. Für eine Übergangszeit wird er weiter als Vorstandsmitglied der Bertelsmann Multimedia tätig sein, dort auch noch auf der Gehaltsliste stehen.

Schiphorst, zwischenzeitlich auch bei Gruner + Jahr tätig, auch beim Fernsehsender Vox, luchste Ende der 80-er Jahre den öffentlich rechtlichen Sendern die Rechte für Wimbledon, später auch die für die Fußball-Bundesliga ab. Anschließend verkaufte er die Rechte den Sendern wieder. Als graue Eminenz der Medienbranche war er geachtet und gefürchtet.

Kritiker melden bereits Zweifel daran an, ob Bernd Schiphorst als Medienbeauftragter Berlin/Brandenburgs und weiterhin Bertelsmann-Mitarbeiter genügend Zeit aufbringen kann, das Amt des Hertha-Präsidenten voll auszufüllen. Schon Walter Müller war als Leiter der Berliner Mercedes-Niederlassung nicht dazu in der Lage. Immerhin hat Schiphorst inzwischen neben Hamburg einen zweiten Wohnsitz in Berlin.

Andere Zweifel scheinen ausgeräumt zu sein: Der DFB, der das Mitwirken von Wirtschaftsunternehmen in Vereinsgremien untersagt, hat bereits seine Zustimmung zur Berufung Schiphorsts gegeben.

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