Sport : Hertha BSC - Inter Mailand: Das böse Spiel des Roberto Boninsegna

Klaus Rocca

Längst hat er Roberto Boninsegna verziehen. Bei der Oldie-Weltmeisterschaft vor zehn Jahren in Santos reichten sie sich die Hände und sprachen sich aus. "Damit ist alles vergessen", sagt Ludwig Müller. So ganz natürlich nicht. Dazu hat Boninsegna dem Ludwig, den alle nur "Luggi" nennen, zu böse mitgespielt.

Damals, am 20. Oktober 1971, fing alles an. Da rangelte Boninsegna mit Rainer Bonhof und eben Luggi Müller an der Außenlinie um einen Einwurf. Plötzlich sank Boninsegna, wie vom Blitz getroffen, zu Boden. Es war nicht der Blitz, es war eine 55 Gramm schwere Cola-Dose. Boninsegna mimte den sterbenden Schwan. Müller erinnert sich: "Als ihm das dann doch zu lächerlich vorkam und er sich erheben wollte, kam Sandro Mazzola und drückte ihn wieder runter."

Die Sache hatte für Bonhof, Müller, Vogts, Netzer, Heynckes und Kollegen Folgen. Der Borussia wurde in Genf von der Uefa der fantastische 7:1-Sieg über Inter Mailand aberkannt, ein Wiederholungsspiel angesetzt. Das fand am 1. Dezember 1971 in Berlin statt. Das Olympiastadion stand für einen Tag im Mittelpunkt des europäischen Fußballs. 100 Charter-Flugzeuge flogen Berlin an. Die Gladbacher waren im Hotel Schweizerhof von den Medien umlagert. Der Barkeeper servierte Cocktails mit Namen "Borussia" und "Inter". Der Inter-Cocktail soll besonders bitter geschmeckt haben, was der Barkeeper bestritt. Klaus Sieloff verschoss einen Elfmeter, das Spiel endete 0:0. Gladbach war nach dem 2:4 in Mailand im Achtelfinale des Europapokals der Landesmeister ausgeschieden.

Das Ausscheiden traf auch Luggi Müller schwer. Noch schwerer aber, dass ihn eben dieser Boninsegna im Olympiastadion in der 88. Minute Schien- und Wadenbein brach. "Es war ein Foul. Aber das kommt in diesem Geschäft manchmal vor", sagt Müller. Damals war er weniger gelassen. Zehn Monate lang konnte er nicht gegen den Ball treten. Danach kehrte Müller nach Berlin zurück. Für 60 000 Mark heuerte er bei Hertha BSC an, bestritt hier von 1972 bis 1975 immerhin 97 Bundesligaspiele und führte die Berliner in seinem letzten Jahr in der Bundesliga auf Platz zwei. Seine Karriere beendete der sechsfache Nationalspieler beim FC Haßfurt in der Bayern-Liga. Da war er 39 Jahre alt.

Jetzt ist er 59. Im Vorjahr, als der damaliger Trainer Georg Kessler die alte Mannschaft nach Berlin rief, war auch Müller dabei. "Berlin lässt einen so schnell nicht los", sagt er. Und dass er heute den Fernseher einschaltet, wenn Hertha BSC auf Inter trifft - Ehrensache. Da wird auch wieder die Erinnerung an alte Zeiten hochkommen. Sicher auch an Boninsegna.

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