Sport : Hertha BSC - Inter Mailand: Inter lässt Hertha-Fans kalt

Natürlich gab es mal richtig Stimmung im Stadion. Da brandete starker Jubel auf, wurde kurzzeitig gefeiert. Das war kurz vor dem Anpfiff, als Hakan Sükür vorgestellt wurde. Später gab es noch mal Stimmung. Da gellten Pfiffe durchs Olympiastadion. Laute, empörte Pfiffe. Das war, als Sükür in der 55. Minute ausgewechselt wurde. Sükür ist in der Türkei eine ganz große Nummer. Torjäger, technisch exzellenter Fußballer, jetzt bei Inter Mailand unter Vertrag. Sükur auszuwechseln, das ist eine Beleidigung. Für Türken jedenfalls. Deshalb protestierten die gestern Abend im Olympiastadion.

Das war schön. Es erinnerte daran, dass gestern im Olympiastadion nicht der VfL Bochum spielte. Dass da keine graue Maus der deutschen Fußballszene auf dem Platz werkelte. Die türkischen Zuschauer erinnerten daran, dass da eine Weltklassemannschaft mit Weltklassespielern gegen Hertha BSC auflief.

Die Hertha-Fans erinnerten nicht unbedingt daran. Sie klatschten brav, am Ende gab es ein paar Trommelschläge, Tröten jaulten auf, und als der ausgezeichnete Marko Rehmer am Spielfeldrand behandelt wurde, zogen ein paar dünne Gesänge durchs Stadion. "Maaaaarko Reeeeeeehmer". Das war nett und höflich, mehr nicht.

Es war kein aufregendes Spiel. Es gab wenig Torszenen. Es gab keinen erfrischenden Offensivfußball. Aber es war Inter Mailand. Es waren Vieri und Sükür und Zanetti, die da spielten. Und gemessen daran erledigten die Fans eine Pflichtübung. Sie pfiffen ihre Manschaft nicht aus, aber sie peitschten sie auch nicht nach vorn.

Bei Hertha machen sie ja das beliebte Spielchen mit den Zuschauerzahlen an der Videowand. Mehrere Zahlen erscheinen, dann wird eine nach der anderen gelöscht, die letzte dokumentiert die offizielle Zuschauerzahl. 39 100 waren es gestern. 39 100 gegen Mailand? Ein bisschen dürftig. Gut, es war Dienstagabend, das Spiel begann schon um 18 Uhr, zu früh für viele auswärtige Fans, aber eine größere Nummer als Inter Mailand wird in Berlin kaum geboten.

Und letztlich geht es hier ja nicht bloß um dieses Spiel. Es geht darum, ob die Berliner Fußballfans zu verwöhnt sind. Ob sie zu hohe Ansprüche stellen. Ob sie erwarten, dass Hertha gegen Manchester United oder den FC Barcelona spielen muss, damit das Stadion voll ist. Gestern erlaubte sich das Berliner Publikum eine in Europa vielleicht einzigartige Form von Luxus: Es weigerte sich, die Attraktivität von Inter Mailand zu akzeptieren. Irgendwie spielte Hertha offenbar doch gegen den VfL Bochum.

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