Sport : Hertha BSC: Jetzt bloß keine Rhythmusstörung

Klaus Rocca

Eigentlich ist der Breisgau immer eine Reise wert. Für Herthas Bundesliga-Kicker diesmal nicht. Als sie im Mannschaftsbus auf dem ehemaligen Militärflughafen Lahr über eine Stunde auf die Chartermaschine warten mussten, hätte die Stimmung kaum gedrückter sein können. Da hatten sie zuvor im Freiburger Dreisamstadion einen großen Schritt Richtung Champions-League-Qualifikation machen wollen - und dann blieb es nach dem 0:1 doch wieder beim seit dem 3. März folgenden Rhythmus Heimsieg/Auswärtsniederlage. Kommentierte ein ratloser Jürgen Röber: "Ich weiß auch nicht, woran es liegt, dass wir unsere Auswärtsspiele immer wieder verlieren. Dabei waren wir am Anfang der Saison die auswärtsstärkste Mannschaft."

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Vorwürfe gegen seine Person weist der Hertha-Trainer vehement zurück: "Ich schreie mir auf der Bank die Lunge aus dem Hals, um Mängel zu korrigieren. Doch gegen individuelle Fehler kann ich nichts machen." Bei diesem Stichwort musste sich Marko Rehmer, besonders aber Andreas Schmidt angesprochen fühlen. Beide machten beim Tor des Abends durch Ramdane eine denkbar schlechte Figur. Röber hatte schon vorher gespürt, dass Schmidt "unruhig und unsicher war", ja, sogar "Angst hatte". Mit aufmunternden Rufen wollte er seinem sonst so zuverlässigen Defensivspieler Mut machen. Vergebens.

Unglücklich war später auch Kostas Konstantinidis, wenngleich er sich keiner Schuld bewusst war. Tatsache ist: Durch seine Abseitsstellung wurde das Freistoßtor Sebastian Deislers in der Nachspielzeit nicht anerkannt. Ob ihm seine Mannschaftskameraden Vorwürfe gemacht hätten, wurde der Grieche gefragt. "Vorwürfe? Was sollte man mir denn vorwerfen?", lautete seine Gegenfrage. Röber meinte, er hätte sich schneller aus dem Abseits lösen müssen, als der Freiburger Marco Weißhaupt beim Freistoß nach vorn ging. Doch als Vorwurf wollte er das nicht verstanden wissen. Schließlich sei es nur um Bruchteile von Sekunden gegangen. Kurios nur, dass Konstantinidis sich selbst zugute hält, dass der Ball überhaupt ins Tor ging: "Ich habe direkt vor Torhüter Golz gestanden und ihn irritiert." Gewiss, nur stand er dabei im Abseits.

Vielleicht fehlt am Ende dieser eine Punkt, um die Qualifikation zur Champions League zu erreichen. Vom Titel sprachen ohnehin nur jene, die sich selbst etwas vormachten. Vielleicht entscheidet am Ende aber auch das Torverhältnis, bei dem Hertha gegenüber den Mitkonkurrenten Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen erhebliche Defizite aufweist. Am Sonnabend, im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen, soll nun "die Hütte brennen" (Röber). Eine Sonderprämie wird es jedoch nicht geben. Manager Dieter Hoeneß: "Mit den Spielern ist vor der Saison ohnehin eine Prämie für die Teilnahme an der Champions League und am Uefa-Pokal vereinbart worden. Da bedarf es keiner zusätzlichen Motivation."

Für Röber wäre schon die Teilnahme am Uefa-Cup "hervorragend". Schließlich nähme Hertha dann dreimal in Folge an einem internationalen Wettbewerb teil. So spricht einer, der die Mannschaft und sich selbst nicht zu sehr unter Druck setzen lassen will. Oder der schon seinen Abgang vorbereitet? Eine Boulevardzeitung vermeldete gestern, Röber könnte Berti Vogts in Leverkusen beerben. Sein Kommentar: "Lächerlich".

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