Sport : Hertha BSC: Kommentar: Hertha im Herbst

Franz Beckenbauer ist oft zitiert worden mit seinem Satz vom schlafenden Riesen in Berlin, der am ehesten in der Lage sei, seinen FC Bayern München als Nummer eins im deutschen Fußball abzulösen. Seitdem das Medienunternehmen Ufa vor sechs Jahren damit begann, mittels millionenschwerer Investitionen einen der deutschen Hauptstadt angemessenen Klub aufzubauen, hat sich Hertha BSC stetig entwickelt: 1997 Aufstieg in die Bundesliga, ein Jahr Konsolidierung, seit 1999 kontinuierlich im internationalen Geschäft. Hertha BSC schien auf dem Weg zur kalkulierbaren Größe. Und jetzt, nach sieben Bundesliga- und zwei Europapokalspielen der Saison 2001/2002, steht auf einmal alles infrage.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Es ist den handelnden Personen anzumerken, wie schwer wie sich mit ihrer momentanen Situation tun. Das Berliner Krisenmanagement im Herbst 2001 sieht ungefähr so aus: Die Mannschaft verweist auf ein richtungweisendes (und verlorenes) Spiel gegen Energie Cottbus. Der Manager schimpft über den von Fans und Medien aufgebauten Druck. Der Trainer beschwört das Prinzip "Augen zu und durch". Im Mannschaftsbus werden Videos mit gelungenen Aktionen vorgeführt (der Effekt hält sich in Grenzen, vielleicht auch deshalb, weil Hertha in dieser Saison noch nicht so viel gelungen ist, dass sich eine ganze Videokassette davon füllen ließe).

Es fällt schwer, in all dem Gewurschtel eine Strategie zu erkennen, die von der Größe des Fußball-Unternehmens Hertha BSC kündet. Klubs wie der FC Bayern München verdanken ihren Status nicht allein sportlichen Erfolgen, sondern der Fähigkeit, mit Misserfolgen, Rückschlägen und Kritik, kurzum: mit Krisen umzugehen. Nur so hat sich der FC Bayern München als deutsche Fußball-Hegemonialmacht etabliert, nur deswegen hat er die vergangene Saison als die erfolgreichste seit 27 Jahren beenden können. Im Umkehrschluss legt das Berliner Krisenmanagement eine Vermutung nahe: dass Hertha BSC trotz großer Investitionen eben noch kein großer Verein ist.

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