Hertha BSC : Lima tönt schon von Champions League

Große Erwartungen lasten auf der neuen Stürmerhoffnung von Hertha BSC und der tut sein Übriges um diese noch zu schüren. Mit dem Toptorschützen André Lima nimmt Hertha bereits den vierten Brasilianer unter Vertrag.

Frank Thomas[dpa]
Lima
Brasilianer mit breiter Brust: "Ich will Hertha mit meinen Toren in die Champions League schießen", sagt André Lima. -Foto: dpa

BerlinAndré Lima hatte am späten Sonntagabend kaum seinen Fuß aus dem Airbus 318 der Air France gesetzt, da tönte der Brasilianer schon auf dem Flughafen Tegel voller Selbstbewusstsein: "Ich will Hertha mit meinen Toren in die Champions League schießen." Die großen Worte des 22 Jahre alten Torjägers von Botafogo Rio de Janeiro hört man in Berlin allerdings noch mit Zurückhaltung. Trainer Lucien Favre, der mit der Verpflichtung des Südamerikaners seine Samba-Fraktion nun bis auf Wunschstürmer Raffael vom FC Zürich komplett hat, hielt den Ball vorerst flach: "Jeder junge Brasilianer braucht erst mal Zeit, wenn er nach Europa kommt."

Nachdem der 22-Jährige am Morgen den Medizin-Check bei Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher bestanden hatte, stand der Verpflichtung nichts mehr im Wege. Die letzten Formalien für den Vierjahresvertrag bis 2011 wurden im Anschluss erledigt. Nach den Copa-America-Gewinnern Mineiro und Gilberto sowie Neuzugang Lucio, der für 1,75 Millionen Euro von Porto Alegre kam, ist Lima der vierte Spieler aus dem Land des Rekordweltmeisters in den Reihen der Herthaner.

Hertha und die Samba-Fraktion

Zwölf Tore in 17 Ligaspielen ließen Lima an die Spitze der Torschützenliste der brasilianischen Liga vorschnellen und brachten ihn bei europäischen Vereinen nachdrücklich ins Bewusstsein. Hertha, das durch die unverhofft hohen Einnahmen aus dem Transfer von Kevin-Prince Boateng zu Tottenham Hotspur (7,4 Millionen Euro) ein wenig aus dem finanziellen Engpass herausgekommen ist, muss an Botafogo und den Drittligisten Sampaio Correa, der noch Rechte an dem Jungstar besitzt, rund 3,5 Millionen Ablöse zahlen.

Wie schwierig die Integration von Brasilianern ist, hat Hertha in den zurückliegenden Jahren selbst schmerzhaft erfahren müssen. Alex Alves, der in der Saison 1999/2000 für die Rekordsumme von 15 Millionen Mark in die Hauptstadt wechselte, fiel mehr durch seine Eskapaden, denn seine Vollstrecker-Qualitäten auf. Sein Landsmann Luizao war auf dem Spielfeld gleichfalls eine Riesen-Enttäuschung. Einzig der extrovertierte Marcelinho spielte sich in die Herzen der Fans und war seine Ablöse von 14 Millionen Mark wirklich wert. Durch eigenwillige Urlaubsverlängerungen fiel er aber bei den Hertha-Verantwortlichen in Ungnade, so dass der heutige Wolfsburger 2006 für 2,5 Millionen Euro an Trabzonspor abgeschoben wurde.

Stürmer Raffael noch nicht abgeschrieben

So richtig will Lucien Favre noch nicht wahrhaben, dass der Wechsel seines Wunschstürmers Raffael in dieser Transfer-Periode nicht mehr zu Stande kommen soll. "Wir haben verschiedene Optionen", ließ Favre noch alles offen. Doch nach dem siebten Neuzugang dürften den Herthanern, die angeblich 6,1 Millionen Euro für Raffael geboten haben, die Mittel für eine Sofort-Verpflichtung vor dem 31. August fehlen.

Voraussichtlich wird man in der Winterpause oder nach der laufenden Saison neu mit dem FC Zürich-Präsidenten Ancillo Canepa ("Wir geben Raffael für keinen Preis ab") verhandeln, der inzwischen neben Favre und dessen Assistenten Harald Gämperle auch schon Innenverteidiger Steve von Bergen an die Berliner verloren hat.

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