Hertha BSC : Lohn der Geduld

Herthas Präsident Werner Gegenbauer erwartet in der neuen Saison einen Schritt nach vorne. Währenddessen kauft Hoeneß in Brasilien ein. Zahlt sich am Ende der langsame Aufbau der Mannschaft aus?

Claus Vetter[Stegersbach]
Werner Gegenbauer
Werner Gegenbauer besucht die Mannschaft im Trainingslager. -Foto: Wende

Der Präsident gibt sich volksnah. Leger gekleidet und mit Hertha-Käppi behütet verfolgt Werner Gegenbauer am Mittwochmorgen, wie die Profis des Berliner Fußball-Bundesligisten im Stadion von Stegersbach unter hektischen multinationalen Aufforderungen ihres Trainers Lucien Favre Angriffe üben.

Gegenbauer: Favres Fußball muss 90 Minuten auf dem Rasen  zu sehen sein

"Go, come on“, brüllt der Schweizer und "allez, allez“. Als der Ball dann im Tor landet, entfleucht ein langes "Jaaaa“ den Trainerlippen. Gegenbauer mag die Arbeitsweise und den von Favre favorisierten Spielstil, sagt er. Der Trainer lasse einen "anderen Fußball“ spielen. Der sei attraktiv, nur leider von Hertha in der vergangenen Saison oft nur über "15 oder 20 Minuten“ gezeigt worden. "Das muss uns auch mal über 90 Minuten gelingen, das ist der Schritt, den wir unbedingt brauchen.“

In der abgelaufenen Spielzeit hat das Berliner Spiel in der Bundesliga noch nicht dazu geführt, die Marke Hertha als Garant für offensiven und erfolgreichen Spaßfußball zu etablieren. Vorne passierte zu wenig, hinten zum Glück für die Berliner auch, so dass nach 34 Spieltagen ein Torverhältnis von 39:44 stand und Hertha mit 44 Punkten erneut auf dem mauen 10. Mittelfeldplatz landete. "Aber das war ja auch eine Übergangssaison“, sagt Gegenbauer. Die Stimme des großen, kräftigen Mannes bekommt ein sanfteres Timbre. "Und das wurde von unseren Anhängern auch mit viel Verständnis verfolgt.“ Natürlich müsse die Geduld nun belohnt werden, mit einem frischen Kurs.

Hoeneß ist auf Einkaufstour in Brasilien

Kleinere Änderungen gibt es ja schon. Der Präsident, am 23. Mai von der Mitgliederversammlung zum neuen Chef von Hertha gewählt, schaut schon mal im österreichischen Trainingslager vorbei. Um seine Philosophie zu erläutern, wie er sagt, und natürlich um Nähe zu Mannschaft und vor allem zum Trainer zu zeigen. Denn Gegenbauers Vertrauen in die sportliche Leitung ist "uneingeschränkt“. Auch an der Verwirklichung des Dreijahresplans von Dieter Hoeneß – der Hertha-Manager ist zurzeit in Brasilien auf Spielereinkaufstour – hat Gegenbauer keine Zweifel. Einstelliger Tabellenplatz, Uefa-Cup-Qualifikation und dann Champions League – das waren die drei Schritte, die Hoeneß vergangene Saison versprochen hatte.

Punkt eins haben die Berliner knapp verpasst, dafür Punkt zwei schon erreicht. Zumindest in der Uefa-Cup-Qualifikation dürfen sie ja nun als Sieger der Fairplay-Wertung der Bundesliga und Gewinner aus dem internationalen Lostopf mitspielen. Gegenbauer sagt: "Bei aller Häme, die da ausgeschüttet wurde, sollte man respektieren, dass es diesen Weg gibt und dass die Mannschaft die Nummer eins in der Fairplay-Wertung war.“

Neun Millionen für den Spielereinkauf

Herthas fairer Weg nach oben, wie soll er weitergehen? Der Präsident will, dass sein Klub mehr Profil bekommt. Erfolge seien eine Voraussetzung. "Die Mannschaft muss sich etwa in einem Pokal-Viertelfinale auch mal mit einer guten Leistung und einem großen Erfolg nachhaltig in Erinnerung bringen.“ Nur: Stimmen eigentlich auch die Voraussetzungen dafür? Neun Millionen Euro hat der Klub für neue Spieler zur Verfügung. Das ist nicht wenig, aber auch nicht viel, gemessen an der nationalen Spitze.

Manager Hoeneß will nun in den kommenden Tagen noch Spieler verpflichten, die Hertha voranbringen können. Denn bislang hat sich der Kader noch nicht so verändert, dass man künftig eine höhere Qualität erwarten kann. Gegenbauer sieht es anders. Favre betreibe schließlich Aufbauarbeit. Stars müsse man nicht unbedingt einkaufen, findet der 58 Jahre alte Unternehmer. "Spieler zu Stars aufbauen, das ist es, was wir auch wollen.“ Dann wird der Präsident nachdenklich und sagt, die Stimmung bei Herthas Heimspielen sei ja vergangene Saison "teilweise auch okay gewesen – bei dem was wir anbieten konnten, ist ein Zuschauerschnitt von 45.000 respektabel, da haben viele ein Herz für Hertha“.

Wie viel davon hat die neue Mannschaft? Sie muss viel Herz haben, denn die Forderung des Präsidenten ist klar. "Wir müssen diese Saison einen Schritt vorankommen“, sagt Werner Gegenbauer.

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