Hertha BSC : Luhukay und die Aufregung

Jos Luhukay protestiert pustend und wirkt angefasst – aber nicht ratlos

Jos Luhukay.
Jos Luhukay.Foto: dapd

Jos Luhukays Stimme ist so etwas wie der Seismograph seiner Emotionen. Ist der Trainer von Hertha BSC aufgewühlt, wird der sonst so freundliche deutsch-niederländische Singsang immer schneller, schneller und schneller und immer höher, höher und höher. Ob direkt nach dem Pokal-Aus am Sonntag oder am Montag beim Auslaufen: Erst beginnt Luhukay gefasst und ruhig, dann überschlagen sich innere Aufwallung und Stimmbänder. „Nach zehn Spieltagen kann man sagen, ob der Start misslungen ist“, sagt der 49-Jährige, schnell und hoch. Luhukay wirkt angefasst in diesen Tagen, schon nach dem Spiel, als er gegen eine Frage pustenden Protest an einem Mikrofon übt.

Er macht gerade die ersten negativen Erfahrungen mit dem Berliner Aufgeregtheitslevel nach Misserfolgen. „Ich verstehe, dass Zweifel und Negativismus da sind“, sagt er, in eigenwilliger Substantivierung. „Aber mir war klar, dass es ein steiniger Weg wird.“ Nur die Größe der Steine scheint den Geduldprediger unerwartet zu treffen.

Die Blamage gegen Worms

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Berlins Elias Kachunga bekommt den Kopf gewaschen - allerdings nicht für die miserable Leistung seiner Mannschaft, sondern wegen der Temperaturen von über 30 Grad, die die Spieler an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit brachten.Alle Bilder anzeigen
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19.08.2012 17:14Berlins Elias Kachunga bekommt den Kopf gewaschen - allerdings nicht für die miserable Leistung seiner Mannschaft, sondern wegen...

Die Mannschaft hat ihn dazu dumm dastehen lassen, weil sie nach seiner Wutrede keine wirkliche Reaktion zeigte.

Aber: Luhukay wirkt nicht ratlos. „Es liegt nicht am Schiedsrichter, es liegt nicht am Gegner, es liegt an uns“, sagt Luhukay in einer offenen Selbstkritik, die erfrischend in Berlin ist. „Wir müssen den Negativismus aus der letzten Saison herausbringen.“Erfrischend ebenfalls, dass er keine Allheilmittel verspricht. „Es geht nicht um Psycho-Tricks, sondern um mehr Ballsicherheit und höheres Tempo“, sagt er und will weiter daran arbeiten. „Der Gegner geben uns die Initiative und wir wissen nichts damit anzufangen.“

Angesprochen auf die vielen Personalwechsel – in acht Vorbereitungs- und drei Pflichtspielen spielte er nie zweimal mit der gleichen Elf –, argumentiert er mit Gesperrten, Verletzten und Profis, die Spielrhythmus brauchen. Die Stimme? Hoch und schnell. dob

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