Sport : Hertha BSC: Mal was anderes: Cottbus oder Istanbul

Michael Rosentritt

Sixten Veit ist ein etwas anderer Fußballprofi. Das Leben als Angestellter mit Bezügen eines Managers hat er sechs Jahre lang bei Hertha BSC genossen. Von Beschwerlichkeiten, die Berufskollegen gern anführen, wollte er noch nie etwas wissen. "Segen und Fluch unseres Berufs sollte jeder mal in Relation sehen. Wer das nicht will oder kann, hat ein Problem, oder wird eins nach dem Fußball bekommen." Veit hat das vor einem halben Jahr gesagt. Vor einem Monat hat ihm sein Trainer Jürgen Röber gesagt, dass es für einen Spieler wie ihn nicht leichter wird in Zukunft bei Hertha BSC. "Wenn man nach oben will ist Fluktuation dabei", sagte Röber.

Zum Thema Saisonrückblick: Das Hertha-Konzentrat bei Tagesspiegel Online Sixten Veit ist 31 Jahre alt und lange genug dabei, um Sätze wie diese exakt zu deuten. "Man muss sich Herausforderungen stellen. Aber manchmal ist es wohl klüger zu gehen." Das sagte Veit, und tat es. Gestern landete Veit in Istanbul, zusammen mit seinem Berater Jörg Neubauer. Damit war auch klar, dass Veit nicht als Tourist in die türkische Metropole reiste. Veit bastelt am Bosporus an einer neuen Herausforderung. Gestern führte er Gespräche mit verantwortlichen Herren des dort ansässigen Fußballklubs Besiktas. Gespräche mit Trainer Christoph Daum, der das Team auf Platz vier der türkischen Liga führte, fanden längst statt. "Gestern hat der Sixten seine Vorstellungen geäußert", sagt Neubauer, "wir warten nun auf die Reaktion der Türken." In den vergangenen Tage hatte Veit auch Gespräche mit Energie Cottbus geführt. Der Bundesligist hatte Veit einen Dreijahresvertrag angeboten. "Sixten wird sich beide Angebote noch einmal durch den Kopf gehen lassen und sich dann entscheiden", sagt Neubauer.

Sechs Jahre lang war Veit bei Hertha. 1995 war er vom damaligen Trainer Herthas, Karsten Heine, aus Chemnitz geholt worden. Ein halbes Jahr später kam Jürgen Röber und der führte den damaligen Zweitligisten bis hinein in die Zwischenrunde der Champions League. Veit kennt die Gesetzmäßigkeiten der Branche, weil auch er seinen Stammplatz in der vergangenen Saison verlor. Sein Vertrag mit Hertha hätte sich automatisch dann um ein weiteres Jahr verlängert, wäre er auf 20 Pflichtspieleinsätze gekommen. Das erreichte Veit nicht ganz. Er kam auf 17.

Seine Zukunft hat Veit fest geplant. Es ist eine Zukunft in Berlin. "In einer anderen Stadt werde ich keine großen Freundschaften mehr aufbauen können. Aber ein Vereinswechsel kann einem ganz gut tun." Die Nähe zu Berlin spricht für Cottbus, etwas mehr für Istanbul.

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