Hertha BSC : Malik Fathi : Und wieder geht ein Stück Berlin

Für vier Millionen Euro Ablöse wechselt Malik Fathi mit sofortiger Wirkung von Hertha BSC zu Spartak Moskau.

Stefan Hermanns,Jan Mohnhaupt
Malik Fathi
Malik Fathi zieht es Richtung Osten. -Foto: ddp

Berlin - Der Berliner Fußball-Bundesligist Hertha BSC hat in dieser Saison einfach kein Glück mit seinen Werbekampagnen. Am Anfang der Spielzeit warb der Hauptsponsor des Klubs mit Christian Gimenez für die Bahncard – doch als die Anzeigen in den Zeitungen erschien, war der Argentinier bereits nach Mexiko verkauft. In diesen Wochen nun betreibt Hertha eine Imagekampagne in eigener Sache, unter anderem mit dem gebürtigen Potsdamer Patrick Ebert und den beiden Berlinern Sofian Chahed und Malik Fathi. „Zehlendorfer mögen Ausflüge“, steht auf den Motiven mit Herthas Linksverteidiger Fathi. „Besonders in die gegnerische Hälfte.“ Gestern wurde bekannt, dass der Zehlendorfer Fathi einen besonders langen Ausflug unternimmt: Mit sofortiger Wirkung wechselt er von Hertha BSC zum russischen Erstligisten Spartak Moskau.

Herthas Manager Dieter Hoeneß gab den überraschenden Transfer am Vormittag bekannt. Die Russen hatten zunächst 1,5 Millionen Euro für Fathi geboten; jetzt zahlen sie rund vier Millionen Euro für den Linksverteidiger, der im Jahr 2006 zwei Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft bestritten hat. „Das ist wirtschaftlich so attraktiv, dass wir letztlich zugestimmt haben“, sagte Hoeneß. Auch Trainer Lucien Favre habe gesagt: „Das müssen wir machen.“

Das Interesse Moskaus bestand schon länger, konkret wurde es aber erst in dieser Woche. „Ich konnte nicht lange nachdenken“, sagte Fathi. Am Ende habe er sich für die neue Herausforderung entschieden, für „ein neues Land, eine neue Sprache, eine neue Kultur“. Schon am Sonntag, im Auswärtsspiel beim Meister Zenit St. Petersburg, könnte Fathi sein erstes Spiel für seinen neuen Klub bestreiten. In der russischen Liga, deren Saison an diesem Wochenende beginnt, endete die Transferperiode erst gestern Nacht.

Mit Fathi verliert Hertha ein weiteres Stück Berlin. Er ist nach Alexander Madlung, Oliver Schröder, Thorben Marx, den Brüdern Kevin-Prince und Jerome Boateng, Ashkan Dejagah, Robert Müller, Nico Pellatz, Christopher Schorch und Christian Müller innerhalb von zwei Jahren bereits der elfte Spieler aus der eigenen Jugend, der Hertha verlässt. Und im Sommer folgt Chinedu Ede.

Hertha hatte Fathis Vertrag erst in der vergangenen Woche per Option um ein Jahr bis 2009 verlängert. „Malik ist in dieser Saison wieder zum Leistungsträger geworden“, hatte Hoeneß damals gesagt. „Man hat gesehen, dass er immer wieder an sich arbeiten will.“ Fathis Berater Eckar Wassong will den Wechsel nicht „als Affront gegen Berlin“ verstanden wissen, aber auch nicht als Flucht. Zwar hat Hertha für die neue Saison Marc Stein vom FC Hansa Rostock verpflichtet, der Fathis Position links in der Viererkette besetzen kann. „Aber wir hatten nie den Eindruck, dass Malik in den Planungen von Lucien Favre keine Rolle mehr spielt“, sagt Wassong.

Fathi verabschiedete sich gestern von der Mannschaft und flog am Abend nach Moskau, um die letzten Details zu klären. Nach Aussage seines Beraters war der 24-Jährige anfangs etwas überrascht von der Idee, nach Moskau zu gehen. Aber so exotisch, wie es manchen erscheint, ist ein Wechsel nach Russland längst nicht mehr. „Das ist keine Diaspora“, sagt Wassong. „Die sind an die Welt angeschlossen.“ Bei den größeren russischen Klubs seien die Bedingungen besser als bei manchem Bundesligisten. Auch die Gehälter haben längst Westniveau. Mindestens. „Das Angebot ist gut“, sagte Fathi, der bei seinem neuen Klub einen Vierjahresvertrag erhält.

Die russische Liga zähle nicht unbedingt zu den stärksten der Welt, sagte Fathi, aber mit Spartak habe er die Chance, international zu spielen. Im Sommer nimmt der Klub an der Qualifikation für die Champions League teil. Selbst eine Rückkehr in die Nationalmannschaft hat Fathi nicht abgeschrieben. Zwar rückt er nun ein wenig aus dem Blickfeld des Bundestrainers Joachim Löw, doch Stanislaw Tschertschessow, sein neuer Coach bei Spartak, hat ihn in dieser Hinsicht beruhigt. Er hat ihm gezeigt, dass er Löws Telefonnummer in seinem Handy gespeichert hat. Beide kennen sich, seitdem Tschertschessow unter Löw beim FC Tirol gespielt hat.

Bei Spartak trifft Fathi unter anderem auf den ehemaligen Stuttgarter Martin Stranzl. Der österreichische Nationalspieler ist vor zwei Jahren vom VfB nach Moskau gewechselt. Bei ihm holte Fathi Erkundungen über seinen künftigen Arbeitgeber ein. Stranzl habe ihm gesagt: „Da stimmt alles.“

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