Sport : Hertha BSC: Na ja, Moldawien halt

Michael Rosentritt

"Wo liegt denn das?", waren seine ersten Worte. Auf dem Maifeld, da, wo die Fußballmannschaft von Hertha BSC zu trainieren pflegt, war die Botschaft an Trainer Jürgen Röber herangetragen worden. In Zürich hatten im August Abgesandte des Europäischen Fußballverbandes die Auslosung zur ersten Runde des Uefa-Cups vorgenommen. Für den Berliner Bundesligisten, der sich als Tabellensechster der vergangenen Saison für diesen Wettbewerb qualifizieren konnte, sprang dabei ein wenig attraktiver Gegner aus dem Lostopf. Cimbru Chisinau heißt die Mannschaft, die für morgen Hertha BSC zum Wettstreit geladen hat.

Röber kramte damals nur kurz in seinem Gedächtnis, ehe er den zweiten Satz sprach: "In Moldawien." Die Tonlage, in der Röber das sagte, verriet nicht zwingend Vorfreude. Röber weiß in etwa, was seine Mannschaft dort erwartet. "Das ist ja fast die gesamte moldawische Nationalmannschaft", sagte er. Von welcher Qualität die Ballkunst der Marke Moldawiens ist, weiß Röber vom Video. "Nicht unbedingt das beste Material", sagt er, aber immerhin. "Das sind ganz gute Fußballer", sagt Röber, "und vorn haben sie zwei ganz quirlige Stürmer." Viel mehr will er gar nicht wissen. Denn eines ist sicher: "Respekt muss man haben, aber Angst auf gar keinen Fall."

Als Fußballprofi hatte es ihn ja weit in den Westen bis in die kanadische Einsamkeit gebracht. Röber kickte einst für die Calgary Boomers. Weit in die Weiten des Ostens dagegen ist er nie gekommen. Nun also Chisinau. Cimbru ist zwar mit acht Meistertiteln in den vergangenen neun Jahren im eigenen Land ohne Gegner, doch noch vor kurzem nahm das Team in der Uefa-Rangliste einen bescheidenen Platz jenseits der 200 ein. "Und genau das ist nämlich das Problem", sagt Röber, "jeder sagt, na ja, Moldawien."

Das alles interessiert den Trainer von Hertha BSC herzlich wenig. Sein Antrieb lautet: Der nächste Gegner ist immer der schwerste. Dieter Hoeneß, der damals im August der Auslosungszeremonie beiwohnte, konnte in seiner Rolle als Manager dieser Paarung wenigstens ein Positivum abgewinnen. Er sprach von "einer sportlich durchaus lösbaren Aufgabe". Interessanter dürfte ohnehin sein, wie gut das kickende Personal seinen schwachen Auftritt in Wolfsburg verarbeitet hat. "Ich habe den Spielern noch einmal deutlich gesagt, dass wir in Chisinau eine andere Einstellung brauchen", sagt Röber.

Für Hertha BSC geht es schon in der moldawischen Provinz um relativ viel. Das liegt daran, weil die Mannschaft dort eigentlich gar nicht gewinnen kann. Das große Geld wird in der Champions League verdient und fürs Renommee kommt dabei auch nichts rum. "Das ist ja bekannt, dass man in der ersten und zweiten Runde im Uefa-Cup auf Gegner trifft, die unattraktiv und unangenehm sind", sagt Röber.

Rund 30 Millionen Mark hatte Hertha BSC in der Champions League eingenommen. Um so viel im Uefa-Cup zu erzielen, müsste Hertha das Finale erreichen, dieses auch noch gewinnen und auf dem Weg dorthin jede Menge attraktiver Gegner geschlagen haben. Ein mühsamer Weg.

Morgen macht sich also Hertha BSC auf den Weg in den tiefen Osten. "Wichtig ist", sagt Röber, "dass wir das Spiel kontrollieren, hinten zu null spielen und uns vorn ein rasches Führungstor gelingt."

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