• Hertha BSC nach dem 3:0 gegen den Hamburger SV: Änis Ben-Hatira ist Herthas Charakterkopf

Hertha BSC nach dem 3:0 gegen den Hamburger SV : Änis Ben-Hatira ist Herthas Charakterkopf

Die Berliner wollten Änis Ben-Hatira schon loswerden – inzwischen gehört er zu den Leistungsträgern von Hertha BSC. Trainer Jos Luhukay lobt den Offensivspieler - der gegen Hamburg aber Pech hatte...

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In Topform: Änis Ben-Hatira bejubelt das erste seiner zwei Tore zum 3:0-Sieg der Berliner gegen den Hamburger SV.
In Topform: Änis Ben-Hatira bejubelt das erste seiner zwei Tore zum 3:0-Sieg der Berliner gegen den Hamburger SV.Foto: imago

Eine dicke graue Wolkendecke hing über dem Trainingsgelände am Berliner Olympiapark. Neblig und nasskalt war es, also ein ziemlich tristes Ambiente für das Auslaufen der Hertha-Profis am Sonntagvormittag. Doch die Spieler hatten trotzdem ihren Spaß. Sie plapperten laut, kicherten und glucksten, während sie um den Platz joggten. Sie waren bester Laune, kein Wunder nach dem souveränen 3:0-Heimsieg gegen den Hamburger SV am Samstag. Auch Trainer Jos Luhukay war noch immer ganz selig ob des Auftritts seiner Mannschaft. Alles sei so „schön“ gewesen, sagte der Niederländer. Die Teamleistung, die Atmosphäre, die Fans. Schön, schön, schön.

Nur einmal senkte Luhukay kurz seine Stimme: als es um Änis Ben-Hatira ging. „Es ist natürlich ärgerlich“, sagte er und meinte damit die Muskelverletzung im vorderen Oberschenkel, die sich der Offensivspieler kurz vor Ende der Partie zugezogen hatte. Bis dahin hatte Ben-Hatira dem Trainer und den Hertha-Fans wieder einiges geboten: vergebene Großchancen in der ersten Halbzeit, wunderbare Aktionen in der zweiten. Der Deutsch-Tunesier schoss zwei Tore und leitete das dritte von John Heitinga mit seinem Eckball ein.

"Er hat sich in Form gearbeitet"

Am Dienstag (19 Uhr) in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim Drittliga-Tabellenführer Arminia Bielefeld und am Sonntag in Paderborn wird Ben-Hatira ausfallen – genauso wie Nico Schulz, der sich gegen den HSV die gleiche Verletzung zuzog. Das gefällt Luhukay natürlich nicht. Weil er seine Stammelf der vergangenen drei Spiele nun umstellen muss. Aber vor allem, weil Ben-Hatira zuletzt immer stärker geworden ist.

„Er hat sich regelrecht in Form gearbeitet“, sagte Luhukay. „Und ein Änis Ben-Hatira in Topform ist für uns richtig gut.“ Weil der Flügelstürmer mit der Irokesenfrisur zu Beginn dieser Saison noch zu wechselhaft gespielt hatte, wechselte Luhukay ihn in den ersten sechs Partien nur zweimal kurz vor Schluss ein. Doch der 51-Jährige sah, dass sich Ben-Hatira eben wieder hineinarbeitete und hineindrängte in die Stammformation. „Unglaublich fleißig“ sei er während der täglichen Trainingseinheiten gewesen, lobt ihn Luhukay. Seit dem 3:2-Sieg gegen Stuttgart Anfang Oktober gehörte Ben-Hatira zur ersten Elf, und in seinen drei Auftritten von Beginn an war der Trainer mit ihm zufrieden: „Denn er ist unberechenbar und sorgt für Unruhe beim Gegner.“

Letztes Ben-Hatira-Tor vor fast einem Jahr

Ben-Hatira bekam von den mündlichen Streicheleinheiten am Sonntag nichts mit. Wegen seiner Verletzung fehlte er beim Auslaufen. Aber viel gesagt hätte er vermutlich sowieso nicht. Mit öffentlichen Äußerungen gegenüber der Presse hält sich der 26-Jährige seit einigen Monaten zurück. Er fühlt sich von manchen Medien ungerecht behandelt. Und so äußerte sich Änis Ben-Hatira auch am Samstag nur kurz vor den Fernsehkameras und beim Stadionsprecher. Er freue sich, wieder getroffen zu haben, sagte er. Dass es nun gegen den HSV geklappt habe, seinen ehemaligen Verein, spiele dabei keine Rolle. Und: „Ich hoffe, dass der Knoten endlich geplatzt ist.“

Sein letztes Tor in der Bundesliga hatte Ben-Hatira vor fast einem Jahr geschossen – am 9. November 2013 beim 3:2-Sieg gegen Hoffenheim. Danach konnte der gebürtige Berliner jedoch kaum mehr überzeugen. Darunter litt auch seine Wertschätzung bei den Hertha-Verantwortlichen. Luhukay und Manager Michael Preetz verpflichteten im Sommer für die Linksaußen-Position den Schweizer Valentin Stocker und den Japaner Genki Haraguchi. Im Trainingslager vor der Saison in Österreich ließ Preetz dann auch durchblicken, dass sie Ben-Hatira eventuell ziehen lassen würden, wenn sich ein Abnehmer fände. Galatasaray Istanbul war offenbar interessiert, aber daraus wurde nichts.

Mittlerweile wollen beide Seiten von einem Wechsel selbstverständlich nichts mehr wissen. Im Gegenteil. Bei Hertha dürften sie äußerst froh sein, dass Ben-Hatiras Vertrag noch bis 2016 läuft. „Änis ist ein starker Charakter. Er hat sich immer wieder zurückgekämpft“, betont Luhukay, der auf dessen schnelle Rückkehr hofft. Und darauf, dass Ben-Hatira bald wieder seinen Teil zu einem fröhlichen Auslaufen beisteuert.

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