Hertha BSC : Nicht ihr Typ

Simunic und Pantelic sind bei Hertha Identifikationsfiguren, jetzt wird über ihren Weggang spekuliert. Dann wäre die Mannschaft weitgehend austauschbar. Für Trainer Lucien Favre zählt in erster Linie das Zusammenspiel.

Stefan Hermanns
Simunic und Pantelic
Josip Simunic stoppt Marko Pantelic. -Foto: dpa

BerlinVermutlich war es noch nie so einfach, zum Liebling der Hertha-Fans aufzusteigen, wie in diesen Wochen. Es reicht schon, sich ein wenig kritisch gegen den Verein, dessen Personalpolitik und den dafür zuständigen Manager Dieter Hoeneß zu äußern, so wie es Josip Simunic vor einer Woche getan hat. Nachdem Hoeneß eine Reaktion des Vereins angekündigt hatte, feierten die Anhänger des Berliner Fußball-Bundesligisten den Verteidiger im Spiel gegen den Karlsruher SC mit einem eigenen Spruchband: "Simunic – Herthaner mit Leib und Seele.“ Der Kroate hat zuletzt auf dem Platz nicht immer die glücklichsten Entscheidungen getroffen, trotzdem war der Zuspruch des Berliner Anhangs für ihn selten so groß wie im Moment. Simunic gilt als Typ, und an Typen mangelt es Herthas Kader.

Derzeit geht die Sorge um, dass Simunic den Verein dank einer Ausstiegsklausel in seinem bis 2011 laufenden Vertrag bereits in diesem Sommer verlassen könnte – so wie viele andere Typen, die für Hertha standen: wie Kevin-Prince Boateng, sein Bruder Jerome und Ashkan Dejagah, die alle aus dem eigenen Nachwuchs kamen; wie der Brasilianer Gilberto, der noch vor einem Jahr als künftige Führungsfigur vorgesehen war, oder Christian Gimenez, in der vergangenen Saison verlässlicher Torschütze der Berliner. Es heißt, Trainer Lucien Favre stehe nicht auf Simunic und sein Spiel. "Das ist ein reines Medienthema“, sagt Hoeneß.

Herthas Manager arbeitet gerade an der Zusammenstellung des Kaders 2008/09. Torhüter Christian Fiedler hat seinen Vertrag verlängert, dem Brasilianer Mineiro liegt ein Angebot vor, noch zwei Jahre in Berlin zu bleiben. Innerhalb der nächsten zehn Tage soll eine Entscheidung fallen. Hoeneß glaubt, dass Hertha für den brasilianischen Nationalspieler "eine echte Option ist“. Neben einem Abwehrspieler, einem kreativen Mann fürs Mittelfeld suchen die Berliner auch noch einen Stürmer – unabhängig davon, ob Marko Pantelic bleibt oder den Verein verlässt.

Der 29 Jahre alte Stürmer besitzt in Berlin noch einen Vertrag bis zum Ende der kommenden Saison, fordert jedoch nicht nur eine deutliche Aufstockung seines Gehalts, sondern auch eine weitaus längere Laufzeit. Pantelic ist, mehr noch als Simunic, die Identifikationsfigur für Herthas Fans. Das macht die Angelegenheit für den Verein so kompliziert – weil natürlich auch der Serbe seinen Wert bestens kennt: Ginge auch er noch, wäre die Mannschaft weitgehend austauschbar.

Trainer Lucien Favre denkt nicht in solchen Marketing-Kategorien. Ein großer Freund von Pantelic und dessen Star-Getue ist er ohnehin nie gewesen, allerdings musste auch er anerkennen, dass Hertha ohne die Tore des Serben in dieser Saison erhebliche Probleme bekommen hätte. Für Favre zählt der Einzelne trotzdem wenig, entscheidend ist das Spiel der Mannschaft. Auch darin folgt der Schweizer seinem Vorbild Arsène Wenger, der den FC Arsenal ohne Sentimentalität nach seinen Vorstellungen umgebaut hat und stetig weiter umbaut. Spieler, die nicht mehr ins Konzept passen, müssen – ohne Rücksicht auf den Namen und alte Verdienste – gehen. So wie Patrick Vieira, der lange Arsenals unumstrittene Führungsfigur war und dann durch den jungen und weitgehend unbekannten Spanier Cesc Fabregas ersetzt wurde.

Herthas Manager Hoeneß sagt über die Personalie Pantelic, es sei nicht unüblich, dass zwei Verhandlungspartner zu Beginn einer Verhandlung unterschiedliche Vorstellungen hätten. Auf das Angebot des Serben hat Hertha mit einem Gegenangebot reagiert, "das steht im Moment im Raum“, sagt Hoeneß. Eine schnelle Entscheidung käme ihm zwar gelegen, Grund zur Eile aber sieht Hoeneß nicht: "Wir haben ziemlich genau noch 14 Monate Zeit.“

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