Sport : Hertha BSC: Röber kennt seinen Wert

Klaus Rocca

Jürgen Röber macht sich nichts vor. Wenn es schief läuft, ist beim Fußball immer der Trainer schuld. Das hat Herthas Trainer nicht erst nach der Schlappe gegen Cottbus erkannt. Bislang ist aber zumindest von offizieller Seite noch keine Kritik an seiner Person laut geworden. Auch nicht vom Präsidium, das bekanntlich das Recht hätte, den Trainer abzusetzen. Bernd Schiphorst, Präsident des Fußball-Bundesligisten, gibt sich sibyllinisch: "Natürlich haben wir uns intern beraten. Aber im Augenblick gibt es weder Anlass zu Solidaritätsbekundungen noch zu irgendwelchen anderen Äußerungen."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Wenn Jürgen Röber Gegenwind zu spüren bekommt, dann vor allem von der Boulevardpresse. Nun aber kam von dort sogar - vielleicht unfreiwillig - Unterstützung. Die "Bild"-Zeitung hat gerade eine Umfrage gestartet, ob er noch der Richtige sei. 62,8 Prozent sprachen sich für Röber aus. Nach wie vor darf er sich demnach der Unterstützung durch die Fans sicher sein. "Geht Röber, gehen wir auch", taten die Fans im Stadion schon mal auf einem Riesenplakat kund. Eine Warnung an die Vereinsoberen. Die hätten ihn 1997 wohl trotzdem gekippt, wäre nicht der 3:1-Sieg über den Karlsruher SC als Rettung rechtzeitig gekommen. Dass ihn Robert Schwan ein Jahr später entließ, obwohl er dazu als Vorsitzender des Aufsichtsrates gar nicht befugt war, wird von Röber heute nur noch belächelt. Allerdings gab es auch damals im Präsidium unterschiedliche Auffassungen über seine Person.

Über das Verhältnis Röbers zu Dieter Hoeneß, mit dem er bekanntlich 1995 beim VfB Stuttgart gemeinsam entlassen wurde, wird weiter heftig spekuliert. Offenbar ist es nicht mehr das beste. Inzwischen gilt Hoeneß als der starke Mann bei Hertha, nicht zuletzt durch seine Tätigkeit als Geschäftsführer der neuen Kommanditgesellschaft auf Aktien. Als Röber dieser Tage aus dem Amtszimmer von Hoeneß kam, war das für eine Zeitung Beweis genug zur Annahme, Röber sei vom Manager herbeizitiert und abgewatscht worden. Röber: "So ein Schmarren. Ich habe selbst um das Gespräch gebeten."

Den immer wieder zu hörenden Vorwurf, er habe sich in den langen Jahren seiner Trainertätigkeit seit seinem Amtsantritt im Januar 1996 abgenutzt, lässt Röber nicht gelten: "Wenn ich merke, dass ich der Mannschaft nichts mehr vermitteln kann, weiß ich, was ich zu tun habe." Er habe sich in der jetzigen Situation jedenfalls nichts vorzuwerfen. Natürlich sei man bei der einen oder anderen Auswechslung hinterher immer klüger. Und wer "unbedingt nach Fehlern bei mir sucht, wird sie auch finden". Die Ursachen für die augenblickliche Misere sieht er nicht bei sich, sondern bei der Mannschaft. "Weil einige nicht im Kopf frei sind. Und in den entscheidenden Momenten keiner da ist, der Verantwortung übernehmen will oder kann." Michael Preetz und Stefan Beinlich könnten sich angesprochen fühlen.

Röbers Vertrag, der mehrmals, zuletzt auf Wunsch Röbers nur noch um ein Jahr, verlängert wurde, läuft noch bis Juni 2002. Vor einer vorzeitigen Kündigung ist ihm nicht bange: "Ich kenne meinen Wert, egal, ob ich nun hier in Berlin oder anderswo tätig bin." Soll wohl heißen: Ich kann auch ohne Hertha leben.

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