Hertha BSC : Salomon Kalou: Verlaufen im Sturm

Hertha BSC und Salomon Kalou haben noch nicht zueinander gefunden.

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Wer kann schon nach vorne schauen? Salomon Kalou würde gerne in die Zukunft blicken, denn die Gegenwart bei Hertha ist für ihn weniger schön.
Wer kann schon nach vorne schauen? Salomon Kalou würde gerne in die Zukunft blicken, denn die Gegenwart bei Hertha ist für ihn...Foto: imago/Bernd König

Die Farben der Fußballschuhe schreien bisweilen zum Himmel. Hoch im Kurs stehen neonfarbene, gern auch rechts wie links unterschiedlich kombiniert. Salomon Kalou trägt jetzt Fußballschuhe im zarten Pink. Das hat sich bei Hertha BSC sonst noch niemand rausgenommen. Ein wenig Extravaganz muss schon sein, wird sich Kalou gedacht haben. Doch von allein spielen auch diese Schuhe nicht.

Wenn man es gut meint mit dem 29 Jahre alten Ivorer, dann verhält es sich mit seiner Leistungskurve wie der des Klubs – beide verlaufen unter Schnitt. Das Bemühen ist sichtbar, die Tauglichkeit für die Bundesliga nur bedingt gegeben. Seine vier Tore, die Kalou für Hertha erzielt hat, liegen ein Weilchen zurück. In den beiden vergangenen Spielen zählte er nicht mehr zur Startelf. Kalou hat seinen Platz in der Startelf verloren. An Julian Schieber. Das will was heißen.

Derzeit deutet nichts darauf hin, was Jos Luhukay umstimmen könnte. Der Trainer kritisierte seinen prominentesten Neuzugang scharf. „Salomon muss daran arbeiten, dass er für das Team wertvoller wird und nicht nur situativ ein Tor erzielt“, sagte Luhukay. Herthas Trainer appellierte an den Teamgedanken in Kalou. Zumindest diese Botschaft scheint beim Angezählten angekommen zu sein. „Ob mit mir oder ohne mich, Hauptsache wir gewinnen“, sagte Kalou gestern.

Zu offensichtlich fremdelt er. Kalou ist längst noch nicht eins mit seinen Mitspielern, er kriegt auf dem Platz keine Bindung hin, vielmehr wirkt er wie ein Fremdkörper. Kleine disziplinarische Vergehen außerhalb des Platzes, wie das Zuspätkommen zum Training, befrieden die Sache nicht. Womöglich fühlt sich da einer als Star, als einer, der aus einer anderen, einer größeren Fußballwelt kommt. Der 2012 mit dem FC Chelsea die Champions League gewonnen und deswegen Allüren hat.

Die Berliner Realität ist grau wie das Wetter. Kalous Zweikampfquote ist unterirdisch. Bisher gewann er lediglich 20 Prozent seiner Zweikämpfe. Ligaweit liegt der Durchschnittswert für Angreifer bei 40 Prozent. Und auch seine Laufleistung lässt zu wünschen übrig. Hinzu kommt, dass Kalou oft eigensinnig handelt. Zwar wird von einem Stürmer ein gesunder Egoismus erwartet, aber wenn er mehrfach deutlich besser postierte Mitspieler ignoriert, ist das bedenklich.

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Luhukay die Qualitäten des Ivorers in den höchsten Tönen lobte. Er sei ein Ausnahmespieler, er sei jemand, der die Extraqualität habe, die man sich bei Hertha erhoffe. „Er ist sehr beweglich, unberechenbar, schnell, technisch beschlagen und hat ein gutes Kopfballspiel“, hatte Luhukay anfangs gesagt. Davon ist immer weniger zu sehen. Vielmehr fällt auf, dass Kalou kein Zielspieler in der Offensive ist, also keiner, der einen vertikalen Pass verarbeiten, mindestens aber behaupten kann. Kalou kann keine Bälle festmachen. Herthas Spiel braucht aber an der Front einen solchen Zielspieler.

Nun lässt sich trefflich über die Qualität der Zuspiele streiten. Hertha hat ein allgemeines Problem mit der Passgenauigkeit im letzten Drittel des Feldes, aber von einem Spieler der Preisklasse Kalous darf ein wenig mehr erwartet werden.

Bisweilen wirkt Kalou vom Tempo und der Zweikampfhärte der Bundesliga überrascht bis überfordert. Vielleicht hat der Ivorer die Liga unterschätzt, wenig hilfreich waren zudem die Strapazen der langen Reisen zu den Qualifikationsspielen zum Afrika-Cup. Auch deshalb warb die sportliche wie administrative Leitung des Verein um Geduld, was die Integration des prominenten Zugangs anbelangt. Dass dieser Prozess schleppender erfolgt, wenn sportliche Erfolgsgeschichten ausbleiben, ist auch klar. Doch scheint die Geduld endlich zu sein.

Im Moment ist Salomon Kalou nicht in der Lage, den Weggang seines Vorgängers Adrian Ramos zu kompensieren, so wenig, wie dieser bei Borussia Dortmund den Weggang Robert Lewandowskis zum FC Bayern vergessen machen kann. Und so halten sich im Fan-Anhang der Berliner weiterhin die Zweifel, die bereits im Sommer den Drei-Millionen-Transfer begleiteten. Hat Hertha tatsächlich einen guten Stürmer eingekauft oder nur einen mit prominenter Vergangenheit?

„Wir brauchen einen starken und guten Salomon“, sagte Herthas Trainer Jos Luhukay, der weiterhin darauf hoffen will, dass sich der Stürmer „zu 100 Prozent“ auf Hertha konzentrieren möge. Um das zu zeigen, müssen es ja nicht gleich blau-weiße Schuhe sein.

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