Hertha BSC : Sandro Wagner, der Zurückschrauber

Herthas Stürmer Sandro Wagner muss sich trotz seines jüngsten Tores zum 3:2-Sieg beim FC St. Pauli bei Hertha weiterhin gedulden.

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Jubeln als Teilzeitjob: Sandro Wagner muss sich bei Hertha wieder hinten anstellen.
Jubeln als Teilzeitjob: Sandro Wagner muss sich bei Hertha wieder hinten anstellen.Foto: dpa

Sandro Wagner hat es sich abgewöhnt, etwas auf das zu geben, was sich über ihn so erzählt wird oder geschrieben steht. Sind eben nicht die tollsten Geschichten. Für die einen ist der 25 Jahre alte Angreifer von Hertha BSC die Nummer drei der internen Stürmerhierarchie, andere sehen ihn auf Rang vier. „Darauf gebe ich nichts“, sagt Sandro Wagner. In seinen kurzen Ausführung ist eine gewisse Patzigkeit unüberhörbar. Selbst sein Tor zum späten 3:2-Sieg im wilden Spiel am Sonntag auf St. Pauli hat seine Stimmung nicht erhellen können. Und seit gestern deutet auch nicht viel daraufhin, dass sich daran in der kommenden Saison so viel ändern wird.

Jos Luhukay wird auch in der Bundesliga an seinem Spielsystem mit nur einem echten Stürmer festhalten. Und diese Stelle ist fest vergeben an Adrian Ramos. „An Adrian gibt es keinen Zweifel bei uns“, sagt Herthas Trainer. Zehn Tore und neun Torvorlagen sind harte Fakten. Zumal der Kolumbianer schon seine Bundesligatauglichkeit nachgewiesen hat.

Sandro Wagner wird sich also weiterhin einzuordnen haben – jedenfalls hinter Ramos, bestenfalls neben Pierre-Michel Lasogga, Sami Allagui und Ben Sahar. Durchaus denkbar, dass einer der Kandidaten die Nerven verliert und im Sommer den Verein wechselt.

Sandro Wagner schiebt solche Gedanken für sich beiseite. Der Trainer habe ihm versichert, dass zwischen den Spielzeiten die Karten neu gemischt werden. Bisher habe er sich auf das, was der Trainer sagte und tat, immer verlassen können. „Sandro ist ein Spieler, der sich viele Hoffnungen gemacht hat, aber seine Rolle als Wechsler gut annimmt“, sagt Luhukay. Wagner steht bei fünf Saisontreffern, eine Quote, die nicht systemumwerfend ist.

Wagner sagt, dass es darauf ankomme, dass die Mannschaft gewinne und man sein persönliches Ego zurückschraube. Der Trainer wird es gern hören, aber wie lange kann ein Stürmer so denken?

Die härteste Probe hatte Wagner vor einer Woche im Spiel gegen Sandhausen zu überstehen. Als wenn es nicht schon Strafe genug wäre, den Spielbeginn auf der Ersatzbank zu erleben, erlebte Wagner nach seiner Einwechselung dann nicht mal das Spielende auf dem Platz. Er wurde wieder ausgewechselt – die Höchststrafe für einen Fußballer. Für ihn war Lasogga gekommen, der dann auch noch den Siegtreffer erzielte. Dass aber selbst das nicht viel zu bedeuten hat, musste Lasogga auf St. Pauli erleben, als Luhukay nicht ihn einwechselte, sondern wiederum Wagner brachte.

Jos Luhukay nimmt die Brisanz im Sturm gelassen zur Kenntnis. „Man hat immer wieder Spieler im Kader, die durch die Fans oder durch die Medien größer gemacht werden“, doch am Ende habe der Trainer die besten Eindrücke und entscheide, was für die Mannschaft das Beste sei.

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