Hertha BSC : Sich auswärts zu Hause fühlen

Bislang ist Hertha auf gegnerischem Platz noch ohne Punkt – das soll sich heute in Duisburg ändern.

Claus Vetter
André Lima
Hoffnungsträger: Herthas Neuzugang André Lima. -Foto: ddp

BerlinAn der Heimstärke des FC Basel gab es keine Zweifel. 59 Punktspiele lang war der Klub im eigenen Sankt Jakob Stadion ungeschlagen, als am 13. Mai 2006 der FC Zürich am letzten Spieltag der ersten Schweizer Liga vorbeikam. Ein Unentschieden hätte Basel, Tabellenführer seit dem sechsten Spieltag, zum Meistertitel gereicht: Es lief auch gut, Basel führte lange, dann stand es 1:1. Die dritte Minute der Nachspielzeit lief, 33 000 Zuschauer feierten schon den neuen Meister – und dann traf Iulian Filipescu für Zürich, das nervenstarke Team von Trainer Lucien Favre holte in letzter Minute den Titel: Spätestens an jenem Tage hatte Favre mit seiner Mannschaft den Ruf weg, besonders gern auswärts anzutreten.

2006 und 2007 war Favre mit dem FC Zürich nicht nur Schweizer Meister, sondern auch die erfolgreichste Mannschaft auf des Gegners Platz in der Liga – eine Marke, von der der 49 Jahre alte Schweizer mit seinem neuen Arbeitgeber Hertha BSC noch ein Stück weit entfernt ist. Zweimal traten die Berliner in der Bundesliga bislang auswärts an, beide Male (0:1 in Frankfurt, 0:2 in Bielefeld) verloren sie. Heute treten sie zum dritten Mal auswärts an, beim Aufsteiger MSV Duisburg (17 Uhr) und Favre sagt: „Auswärts oder zu Hause, das muss uns endlich egal sein. Unsere Spiele in Frankfurt und Bielefeld waren nicht so schlecht, aber es haperte an Details und Toren.“ Und: „Wir müssen auch endlich mal zu null spielen.“ Ein Spiel ohne Gegentor ist Hertha in dieser Saison noch nicht gelungen, Manager Dieter Hoeneß glaubt aber, dass es heute schon so weit sein könnte. „Auswärts haben wir bisher zumindest gut organisiert gespielt“, sagt er, „das ist der erste Schritt, um auswärts auch erfolgreich zu sein.“

Tatsächlich scheiterte Hertha in den ersten Auswärtsspielen in den entscheidenden Momenten, war im Abschluss vor des Gegners Tor zu ideen- und harmlos. Ein typisches Phänomen im Profifußball, sagt Sportpsychologe Markus Flemming. „Auswärts schaffen es Fußballspieler oft nicht, ihren Plan abzurufen. So etwas passiert unbewusst.“ Wichtig sei daher besonders auswärts die Fitness im Kopf, sagt Flemming. Die lasse sich für den Trainer auch mit psychologischen Tricks erreichen. Man müsse Situationen simulieren, in denen sich die Spieler wohlfühlen.

Was die mentale und psychische Fitness seiner Spieler betrifft, hat Favre vor dem Spiel in Duisburg allerdings keine Zweifel. Besonders der neue Brasilianer André Lima überzeugte ihn im Training während der Länderspielpause. Heute wird Lima erstmals für Hertha auswärts auflaufen. „Er hat eine sehr positive Ausstrahlung“, sagt Favre. „Und vor dem Tor ist er sehr gut.“ Genau da zeigte sich auf des Gegners Platz der Pole Lukasz Piszczek als Sturmpartner des launigen Marko Pantelic überfordert, auch Solomon Okoronkwo überzeugte auswärts noch nicht so wie im Berliner Olympiastadion, wo ihm zwei Treffer gelangen. Der Schwede Tobias Grahn wird wie Piszczek und Okoronkwo zunächst das Spiel nur von der Auswechselbank verfolgen – und könnte damit das Schicksal des Duisburger Stürmers Ailton teilen. Der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig spielt auch heute nicht von Beginn an. „Er gönnt sich auf dem Platz seine Auszeiten und pumpt dann wie ein Maikäfer“, sagt Trainer Rudi Bommer über den Brasilianer.

Mangelnde Fitness ist nicht das Problem beim Personal von Lucien Favre, Angst vor dem Entstehen eines Auswärtskomplexes gibt es angeblich auch nicht. „Es würde uns sehr helfen, wenn wir auswärts auch mal erfolgreich sind“, sagt Manager Hoeneß. Das sollte kein Problem sein, seit jenem Saisonfinale mit dem FC Zürich steht Trainer Favre ja für Nerven- und Auswärtsstärke. Der 13. Mai 2006? Natürlich, sagt Favre: „Ich habe ihn in guter Erinnerung. So etwas vergisst man nie.“ Dem Siegtorschützen Iulian Filipescu wird es ähnlich gehen. Nach dem heutigen Spiel können Favre und der Rumäne übrigens ihre Erinnerungen austauschen: Filipescu spielt seit dieser Saison beim MSV Duisburg.

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