Sport : Hertha BSC: Spaghetti statt Lokalrunde

Was man nicht so alles über die Spieler von Hertha BSC erfährt. Da kickt Thorben Marx Woche für Woche in der viertklassigen Oberliga, reist als Jugendnationalspieler tapfer durch die Provinz und versucht als Spielmacher der Hertha BSC Amateure im Gegensatz zu vielen anderen Oberligakickern zumindest ein bisschen Fußball zu spielen. Nun hat der 19-Jährige zur kommenden Saison einen Profivertrag bei Hertha BSC unterschrieben. Sein Platz im Bus nach Eberswalde bleibt ab Sommer vermutlich leer. Stattdessen geht es mit dem Flieger durch Europa. Das muss Marx natürlich ausgelassen feiern. "Na klar, der Mannschaft gebe ich einen aus", sagt er. Eine Lokalrunde? Oder eine Stripteasetänzerin in der Kabine? Nein, Herthas Profis scheinen echte Langweiler zu sein. "Ich lasse Spaghetti kommen", sagt Marx. "Das geht ganz schön ins Geld. Aber so etwas kommt ja auch nicht alle Tage vor."

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Marx wird ab 1. Juli Profifußballer in der Bundesliga sein. In dieser Saison hat Marx bereits seinen Einstand gegeben: In Frankfurt, für ganze vier Minuten. Mit Norbert Pflippen hat Marx denselben Spielerberater wie einst Lothar Matthäus. Ein paar tausend Mark wird Marx nun auch mehr verdienen. Aber Bundesligaprofi? Das ist er deshalb noch lange nicht. "Klar, ich bin überzeugt davon, dass ich es schaffe", sagt Marx. "Aber bei den Profis ist das wesentlich härter und schneller als bei den Amateuren." Sebastian Deisler hat übrigens ihm gerade Hilfe angeboten, erzählt Marx, "weil ich meinen linken Fuß noch verbessern muss."

Marx wird in Zukunft nicht der einzige Nachwuchsspieler sein, der den Sprung über die Amateure zu den Profis wagt. Fünf Millionen Mark steckt Hertha BSC jährlich in den eigenen Nachwuchs. Eine Garantie für den Erfolg ist das nicht - weder für den Verein, noch für die Spieler. Vor vier Jahren hat beispielsweise Nachwuchsstürmer Yaw Donkor einen Profivertrag bekommen. Gespielt hat er nie. Marx hat es nicht gerade einfacher auf der Position des Spielmachers. Da stehen Sebastian Deisler und Stefan Beinlich vor ihm. "Er kann keine Ansprüche bei den Profis stellen", sagt sein Amateur-Trainer Frank Vogel. "Er muss immer beständig gute Leistungen bringen." Vor allem, wenn Röbers Kotrainer Bernd Storck vorbeischaut. Wie gestern im Kreuzberger Katzbachstadion. Da erzielte Marx das entscheidende 2:0 gegen Türkiyemspor. Gelächelt hat Storck übrigens nicht. Vermutlich hat er von der exzessiven Party gehört.

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