Hertha BSC : Spielen wie Spanien

Für Herthas Aufstieg setzt Markus Babbel auf ein 4-2-3-1-System. Darin wäre auch Platz für Ramos und Kacar.

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Training am Ball: Adrian Ramos (l) und Fabian Lustenberger.
Training am Ball: Adrian Ramos (l) und Fabian Lustenberger.Foto: dpa

Hertha will spielen wie die Spanier? Markus Babbel lacht. Nun ja, das sei vielleicht ein etwas gewagter Vergleich, eine Zweitliga-Mannschaft und der Weltmeister. Und doch: 4-2-3-1, das System ist im Weltfußball derzeit en vogue. Joachim Löw lässt so spielen, José Mourinho und Louis van Gaal auch. Babbels Team will in dieser Formation die Zweite Liga dominieren, mit nur einem Stürmer zwar, aber einer sehr offensiven Grundausrichtung. Denn in den meisten Begegnungen wird Hertha das Spiel machen müssen, „deshalb brauchen wir ein offensives System“, sagt Manager Michael Preetz.

Offiziell hatte Trainer Babbel vor Beginn der Vorbereitung versichert, er sei noch auf kein System festgelegt und wolle erst die Trainingseindrücke abwarten. Doch intern scheint Preetz und Babbel bei der Zusammenstellung des Kaders schon früh klar gewesen zu sein, in welcher Ordnung ihre Mannschaft spielen soll. Herthas neuer Stürmer Rob Friend erzählt, wie der Manager ihm den Wechsel damit schmackhaft gemacht habe. „Die sehr offensiven Außen im Mittelfeld werden mich mit Flanken versorgen, genau das hatte mir in Mönchengladbach zuletzt gefehlt“, sagt der 1,95 Meter große Kanadier. „In the box“, also im Strafraum, fühle er sich am wohlsten, dort könne er seine 94 Kilogramm schließlich am effektivsten einsetzen – deshalb brauche er viele hohe Zuspiele.

Wie alle Positionen in Herthas Kader ist auch die von Friend doppelt besetzt: Pierre-Michel Lasogga ist 18 Jahre alt, 1,88 Meter groß und machte bisher einen guten Eindruck. Beim 4:0 im Testspiel gegen den SSV Ulm am Samstagabend erzielte der aus Bayer Leverkusens A-Jugend geholte Angreifer allein in der zweiten Halbzeit drei Tore. Patrick Ebert erlebte den Hattrick seines Kollegen nicht mehr mit, der Mittelfeldspieler wurde nach seinem Zusammenprall mit dem Torwart noch während des Spiels ins Uni-Klinikum von Ulm gefahren. Nach der Röntgenuntersuchung am späten Abend war klar: Eine Fraktur hat Ebert nicht erlitten, die genaue Diagnose aber wird erst am heutigen Montagnachmittag erstellt, nach einer Kernspintomografie in Berlin. Gestern kehrte Ebert mit der Mannschaft aus dem Trainingslager im Allgäu zurück, am Nachmittag landete das Team in Tegel.

So bitter ein Ausfall des zuletzt so engagierten Ebert wäre, Alternativen auf der rechten Außenbahn gibt es reichlich: Der Österreicher Daniel Beichler von Sturm Graz, der in dieser Woche in Berlin vorgestellt werden soll, kann dort spielen. Auch Waleri Domowtschiski oder Nikita Rukavytsya haben Chancen. Für Trainer Babbel ist eben dieser Konkurrenzkampf im Kader „sehr wichtig“.

Nach vierzehn Abgängen und zehn Zugängen wollte sich Babbel im Trainingslager im Allgäu zunächst einen Überblick verschaffen: Wie weit sind die jungen Spieler? Babbel hatte neun Talente mitgenommen, die 20 Jahre alt oder jünger sind. Der erst 17 Jahre alte Nico Schulz habe ihn „sehr beeindruckt“. Wie verhält es sich mit der Hierarchie in der Mannschaft? Einen Kapitän will der Trainer im zweiten Trainingslager Anfang August bestimmen. Lewan Kobiaschwili hat gute Chancen, vielleicht auch der Brasilianer Raffael. Wen wird Babbel aus dem Kader streichen? Vor dem zweiten Camp in Linz werden mindestens vier Spieler heruntergestuft in die U 23. Babbel gilt nach seiner ersten Trainerstation in Stuttgart als Fan von jungen Spielern, trotzdem werden es die ganz frischen wohl schwer haben. Hat die Mannschaft den nötigen Willen, um die Zweite Liga zu meistern? Nach seiner Schlampig-und-faul-Rede vor zwei Wochen ist Babbel nun sehr zuversichtlich. Trotz des harten Programms im Trainingslager habe „die Einstellung bei den Spielern gestimmt“.

Nur zwei große Fragen sind bei Hertha vor dieser so wichtigen Saison noch offen: Adrian Ramos und Gojko Kacar. Manager Preetz kann sich das Lachen nur selten verkneifen, wenn er von den neuen Angeboten hört, die über die Boulevardzeitungen kolportiert werden. Noch liegen ihm keine seriöse Offerten vor. Preetz verlangt für Kacar etwa 7,5 Millionen Euro, für Ramos will er zehn. Sollten der Hamburger SV oder die TSG Hoffenheim ihm das nicht bieten, behält Preetz beide Profis.

Im 4-2-3-1 würde sich Ramos sehr gut auf der linken Seite machen, Kacar könnte sein Talent auf der anspruchsvollen Position im defensiven Mittelfeld entfalten. Ohne die beiden lesen sich die Namen in Herthas möglicher Aufstellung allerdings auch nicht schlecht, gerade für die Zweite Liga: Aerts im Tor, Lell, Hubnik, Mijatovic und Kobiaschwili in der Viererkette, Dardai und Lustenberger vor der Abwehr, Ebert (oder Beichler), Raffael und Ronny in der offensiven Dreierreihe und Friend als einzige Spitze.

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