Hertha BSC spielt im Jahnsportpark : Wo die schönen Siege wohnen

Vor dem Duell zwischen Hertha und Bröndby: Ein Rückblick auf denkwürdige Spiele im Jahnsportpark.

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Hertha gegen Bröndby im Jahnsportpark? Gab es schon einmal vor sieben Jahren. Hier rechts im Bild: Arne Friedrich. Foto: picture-alliance/ dpa
Hertha gegen Bröndby im Jahnsportpark? Gab es schon einmal vor sieben Jahren. Hier rechts im Bild: Arne Friedrich.Foto: picture-alliance/ dpa

Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, benannt nach dem großen Pädagogen und Turnvater, mitten im heute hippen Prenzlauer Berg gelegen, hat schon so manch außergewöhnliches Sportevent erlebt. 1984 etwa schleuderte ein gewisser Uwe Hohn den Speer auf die unglaubliche Weite von 104,80 Metern. In Folge dessen wurde sogar der Schwerpunkt des Speeres verlagert, um ähnliche Weiten in Zukunft zu verhindern. Der Jahn-Sportpark, über Jahrzehnte Heimstätte des DDR-Vorzeigeklubs BFC Dynamo, war allerdings auch Austragungsort einiger denkwürdiger Fußballspiele im Europapokal. Vor dem Duell zwischen Hertha BSC und Bröndby am Donnerstag (20.15 Uhr) in der Qualifikation zur Europa League erinnern wir uns an dieser Stelle an vier von ihnen.

Dienstag, 6. September 1988:

BFC Dynamo – Werder Bremen 3:0

Im Achtelfinale des Europapokals der Landesmeister treffen aufeinander: der (Serien-)Meister aus dem Osten, geliebt und in jedweder Form gefördert von Stasi-Minister Erich Mielke, und der Meister aus dem Westen, Werder Bremen. Vor 21 000 Zuschauern blamieren sich die von Otto Rehhagel trainierten Bremer bis auf die Knochen, nach Toren von Thomas Doll, Andreas Thom und Frank Pastor unterliegen sie mit 0:3 – eine Sensation. Um das Worst-Case-Szenario doch noch abzuwenden, greift Werders damaliger Manager Willi Lemke vor dem Rückspiel tief in die Trickkiste: Lemke lädt die Dynamo-Spieler wenige Stunden vor dem Anpfiff zu einem Stadtbummel durch Bremen ein – die vollen Schaufenster sollen die DDR-Kicker auf andere Gedanken bringen und ihnen die Konzentration rauben. Lemkes Plan geht voll und ganz auf, Werder gewinnt das Rückspiel mit 5:0 – und erweitert die Serie „Wunder von der Weser“ um ein weiteres Kapitel.

Mittwoch, 1. November 1989:

BFC Dynamo – AS Monaco 1:1

Ja, damals gibt es noch den Pokal der Pokalsieger – und nein, an diesem 1. November kann noch kein Mensch absehen, welch historische Worte acht Tage später in der denkwürdigsten Pressekonferenz des Jahres fallen sollen („Das trifft nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich“). Alles andere als unverzüglich ist das Achtelfinal-Rückspiel zwischen dem BFC Dynamo und AS Monaco. Wie schon im Hinspiel sind nach regulärer Spielzeit keine Tore gefallen, die Entscheidung wird in die Verlängerung vertagt. Dynamos Trainer Helmut Jäschke denkt irgendwann über eine Auswechslung seines Mittelfeldspielers Eike Küttner nach, der einen ziemlich gebrauchten Tag erwischt hat. Kurz vor dem entsprechenden Signal bringt Küttner die Berliner allerdings mit 1:0 in Führung, die vermeintliche Vorentscheidung. Ach, denkt sich sein Trainer, lass ich den Jungen mal doch weiterspielen – eine fatale Entscheidung: drei Minuten vor dem Abpfiff grätscht Küttner den Argentinier Ramon Diaz um, der mit einem direkt verwandelten Freistoß zum 1:1 trifft und die Monegassen ins Viertelfinale bringt. Unverzüglich, wenn man so will.

Werder Bremens Torwart Oliver Reck greift im Duell mit dem Berliner FC Dynamo zu. Foto: imago/WEREK
Werder Bremens Torwart Oliver Reck greift im Duell mit dem Berliner FC Dynamo zu.Foto: imago/WEREK

Donnerstag, 27. September 2001:

1. FC Union Berlin – Haka Valkeakoski 3:0

Die meisten der 12112 zahlenden Zuschauer, die es mit dem 1. FC Union halten, sind nach dem Abpfiff völlig aufgelöst und feiern trotzdem äußerst humorvoll. „Auswärtssieg, Auswärtssieg“, skandieren sie – und das hat einen einfachen Grund. Die Köpenicker, die sich durch eine Niederlage im DFB-Pokalfinale gegen Schalke 04 als erster und bis heute einziger deutscher Drittligist für den Europapokal qualifiziert hatten, erspielen sich den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte gewissermaßen auf feindlichem Boden, im Stadion des verhassten Erzrivalen BFC Dynamo. In der Alten Försterei durften die Berliner, sehr zum Ärger ihrer Fans, nicht antreten, weil sie seinerzeit nicht die Auflagen für Europapokalspiele erfüllten. Nach dem 3:0-Erfolg (Hinspiel: 1:1) gegen den finnischen Meister Haka Valkeakoski (Tore: Bozidar Djurkovic, Ferdinand Chifon und Hristo Koilow) interessiert das allerdings niemanden mehr. Als finanzielle Prämie nehmen die Unioner die nette Summe von 1,5 Millionen Mark mit.

Donnerstag, 27. August 2009:

Hertha BSC – Bröndby Kopenhagen 3:1

Ja, richtig gelesen. Das Duell zwischen Hertha und Bröndby gab es schon einmal, vor ziemlich genau sieben Jahren, auch damals ging es um die Qualifikation zur Europa League, auch damals fand das Spiel im Jahnsportpark statt – und es sah lange Zeit so aus, als würde es kein gutes Ende für die von Lucien Favre betreuten Berliner nehmen. Nach einer 1:2-Niederlage im Hinspiel gerät Hertha auch im Rückspiel in Rückstand, nach 51 Minuten heißt es 0:1. Zum Glück können sich die Berliner an diesem Tag auf den Kopf eines gewissen Gojko Kacar verlassen. Eine Viertelstunde vor Schluss trifft der Serbe mit besagtem Körperteil zum Ausgleich, wenig später nagelt Herthas heutiger Trainer Pal Dardai den Ball per Distanzschuss ins Netz, immerhin Verlängerung. Oder etwa doch nicht? Kurz vor dem Abpfiff trifft erneut Gojko Kacar, übrigens wieder per Kopf, und Hertha steht in der Gruppenphase. „Gojko hätte an diesem Tag wahrscheinlich jeden Gegenstand ins Tor geköpft“, sagt Pal Dardai heute, „das waren wunderschöne Tore.“

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