Sport : Hertha BSC: Sprechen ja, meckern nein

Stefan Hermanns

Ach, hätte Alex Alves doch sein Trikot ausgezogen! Als er vorigen Samstag im Ligapokalfinale das 3:1 für seine Mannschaft erzielt hatte, entschied sich Herthas brasilianischer Stürmer für die falsche Form des Jubels: Er lief in die Fankurve und kletterte dort auf den Zaun. Schiedsrichter Alfons Berg zeigte ihm dafür die Gelbe Karte. Hätte sich Alves hingegen das Trikot vom Leib gezogen, wäre er ungestraft davongekommen. Diese Regel ist neu in der kommenden Saison, die für Hertha in drei Tagen mit dem Spiel beim FC St. Pauli beginnt.

Weil es sonst keine gravierenden Änderungen gegeben hat, war der Berlin-Besuch von Schiedsrichter Florian Meyer aus Braunschweig gestern vergleichsweise rasch beendet. Schon seit Jahren informieren die Schiedsrichter vor Saisonbeginn alle Erstligavereine über neue Regeln. Meyer referierte am Mittag vor Herthas Spielern, nach gut einer Stunde gab es keinen weiteren Gesprächsbedarf. Der 32-Jährige zählt zu den umgänglichen Vertretern seines Fachs. "So sind die eigentlich alle ganz nett", sagt Stefan Beinlich. Nur auf dem Feld kommt es gelegentlich zu atmosphärischen Störungen. Die zu verhindern - auch dazu dient der Erfahrungsaustausch von Spielern und Schiedsrichtern. Herthas Profis wissen jetzt, dass sie auch auf dem Platz mit dem Schiedsrichter reden dürfen, dass gestenreiches Meckern über vermeintliche Fehlentscheidungen jedoch weiterhin mit einer Verwarnung geahndet wird.

Aber in der neuen Saison soll es für Hertha ohnehin wenig zu meckern geben. Die Mannschaft hat Großes vor, Rang drei gilt als halboffizielles Saisonziel. "Wenn ich Dritter werden kann, kann ich auch Zweiter oder Meister werden", sagt Stefan Beinlich, der als Erster bei Hertha von der Meisterschaft gesprochen hat. "Ich habe das nicht als Ziel der Mannschaft ausgegeben", sagt er, "sondern als mein persönliches Ziel." Um einen guten Spruch ist Beinlich selten verlegen. Nur gestern, nach dem Vormittagstraining, "fiel mir fast keine Antwort ein". Ein Fernsehreporter hatte ihn nach den Verhandlungen über eine Meisterschaftsprämie befragt, von der eine Boulevardzeitung berichtet hatte. Angeblich bekommt jeder Spieler für den Titel 200 000 Mark. Beinlich ist dann doch noch etwas eingefallen: "Die Schale wäre doch schon Prämie genug." Gute Antwort.

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