Hertha BSC : Torlos glücklich

Hertha BSC Berlin schafft in einem Testspiel vor 51.641 Zuschauern ein 0:0 gegen den FC Liverpool - Torwart Fiedler pariert dabei einen Elfmeter.

Sven Goldmann
Woronin
Wieder abflugbereit? Kacar (rechts, gegen Liverpools Woronin) soll zurück nach Berlin.Foto: dpa

BerlinTorlose Spiele erfreuen sich unter Fußballfans eher eingeschränkter Beliebtheit. Gestern aber waren die 51 641 Zuschauer im Berliner Olympiastadion ganz zufrieden mit dem, was ihnen Hertha BSC bot. Ein 0:0 im Testspiel gegen den FC Liverpool, das kann sich sehen lassen. Mit freundlichem Applaus wurden die Berliner Spieler in Richtung Kabine verabschiedet.

Der in der vergangenen Woche verpflichtete Brasilianer Cicero durfte eine halbe Stunde lang mitspielen, er fiel mit einem Hang zu kreativ-unorthodoxen Lösungen auf und bekam einmal sogar Szenenapplaus. Kein schlechter Einstand, aber der Berliner Held des Abends war gestern ein anderer. Er trug die Nummer zwölf und hatte in der vergangenen Saison kein einziges Mal gespielt. Torhüter Christian Fiedler, zur zweiten Halbzeit für Jaroslav Drobny eingewechselt, parierte in der 50. Minute einen Elfmeter des früheren Leverkuseners Andrej Woronin und bescherte Hertha damit den Anerkennungserfolg. „Ich habe auf die Ecke spekuliert – und Glück gehabt“, sagte Fiedler.

Bei allem Respekt vor der Berliner Leistung sollte aber nicht vergessen werden, dass Testspiele aus dem harten Trainingsbetrieb heraus nur begrenzte Aussagekraft haben. Und dass der Gegner nur bedingt hielt, was sein großer Name versprach. Die Liverpooler trugen schmucklose rote Trikots ohne Spielernamen auf dem Rücken. Liverpool steht eben nur drauf, wenn auch Liverpool drin ist. Ohne die noch urlaubenden spanischen Europameister Torres, Alonso, Arbeloa und Reina sowie den verletzten Kapitän Gerrard stand da nur eine Lightversion des englischen Rekordmeisters auf dem Rasen.

Das war zwar nicht dem Niveau des Spiels zuträglich, wohl aber Herthas Selbstvertrauen. Nach ein paar schüchternen Anfangsminuten erkannten die Berliner schnell, dass ein großer Klubname allein kein gutes Argument in der sportlichen Auseinandersetzung ist. Erst gestaltete Hertha das Spiel offen, später sogar überlegen. Erst in der Schlussphase, als Herthas Trainer Lucien Favre das jugendliche Element zur Bewährung ins Spiel schickte, gewann Liverpool die Rasenhoheit zurück.

Zwischendurch fiel allerlei Positives auf. Zum Beispiel, dass der oft kritisierte Patrick Ebert ganz vernünftig Fußball spielen kann, wenn er sich auf seinen Job im offensiven Mittelfeld konzentriert und nicht jeden zweiten Ball mit der Ferse oder Hacke spielt. Auch der Brasilianer Raffael hatte ein paar schöne Szenen, der Pole Lukasz Piszczek ist mittlerweile ein ernsthafter Kandidat für die Stammelf, und der oft eigenwillige Serbe Marko Pantelic bereitete selbstlos Herthas größte Chance in der ersten Halbzeit vor. Sofian Chahed vergab sie nach einer guten halben Stunde mit einem Schuss ans Außennetz aus zugegeben sehr spitzem Winkel. Später hatte auch Cicero das Führungstor auf dem Kopf, als er nach Marc Steins Flanke Liverpools Torhüter Cavalieri zur Parade zwang.

Eher bescheiden fällt die Zwischenbilanz nach dem bisher wichtigsten Vorbereitungsspiel für die neu erworbenen Defensivkräfte aus. Der frühere Rostocker Marc Stein bekam immer dann Probleme, wenn das Spiel schnell wurde, was sich nicht ganz mit der Philosophie von Herthas Trainer Lucien Favre verträgt. Und der Brasilianer Kaka zeigte bei aller Zweikampfstärke, dass der genaue Pass in die Vertikale nicht seine Sache ist. Dazu verschuldete er mit anfängerhaftem Textilzerren gegen Woronin den Elfmeter kurz nach der Pause.

Zur Strafe für den verschossenen Strafstoß musste Woronin bis zum Abpfiff auf dem Platz bleiben, und das, obwohl Trainer Rafael Benitez munter durchwechselte, wie übrigens auch sein Berliner Kollege Favre. In der Schlussphase durften auch die vier gerade der A-Jugend entwachsenen Shervin Radjabali-Fardi, Lennart Hartmann, Sascha Bigalke und Florian Riedel mitspielen. So viel Jugend wie gestern Abend war selten bei Hertha.

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