Hertha BSC : Trainer Pal Dardai verschärft den Ton

Vor dem Testspiel gegen Liverpool wird der Umgang ein wenig rauer bei Hertha BSC. Trainer Pal Dardai zählt öffentlich Ondrej Duda an.

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Nicht nur auf den Ball konzentrieren. Ondrej Duda musste sich am Donnerstag im Training ordentlich was anhören von seinem Trainer.
Nicht nur auf den Ball konzentrieren. Ondrej Duda musste sich am Donnerstag im Training ordentlich was anhören von seinem Trainer.Foto: Michael Hundt/imago

Der Übergang verlief recht fließend, dafür knallte es wenige Augenblicke später – und zwar so richtig. Herthas Profis waren während der Vormittagseinheit am Donnerstag gerade vom Neben- auf den Hauptplatz gewechselt, als Pal Dardai öffentlichkeitswirksam ausrastete. „Du bist jetzt ein Jahr hier und spielst immer noch so einen Mist“, brüllte der Cheftrainer des Fußball-Bundesligisten mit einer Vehemenz über den Platz, dass der Spruch selbst die größten Schlafmützen unter den geschätzt 150 Trainingskiebitzen auf dem Schenckendorffplatz erreichte.

Adressat der Kritik war Mittelfeldspieler Ondrej Duda, also jener junge Mann, den Hertha vor der letzten Saison für viel Geld und mit großen Erwartungen von Legia Warschau verpflichtet hatte, die der 22-Jährige – nicht zuletzt wegen Verletzungen – bis heute nie wirklich erfüllen konnte. „Ich habe lange gewartet, jetzt musste ich deutlicher werden“, sagte Dardai nach der Trainingseinheit, „das gehört zum Profi-Fußball dazu.“

Im konkreten Fall hatte sich Duda des Tatbestands eines schlampigen Querpasses schuldig gemacht, der unter Wettkampfbedingungen vermutlich eine Kettenreaktion ausgelöst und die Berliner Hintermannschaft in arge Bedrängnis gebracht hätte. „Auf diesen Ball lauern alle Bundesliga-Mannschaften, genau deshalb darf man ihn niemals so leichtfertig spielen“, erklärte Dardai. Immerhin erfüllte die Ansprache des Coaches vor versammelter Mannschaft für den Moment ihren Zweck: Duda wirkte in der Folge deutlich aggressiver, konzentrierter und zielstrebiger als zu Beginn.

Dardai will, dass sein Team das Tempo anzieht

Wenn es noch eines Beispiels dafür bedurfte, dass Herthas Betreuerteam zwei Tage vor dem ersten seriösen Testspiel der Vorbereitung gegen den FC Liverpool und dem Start des Trainingslagers im österreichischen Schladming am Montag den Ton verschärft, war es besagte Szene am Donnerstagvormittag. Dardai fordert unmissverständlich, dass sich sein Kader mit dem näher rückenden Saisonstart auch dem körperlichen und mentalen Idealzustand annähert. Der englische Traditionsverein, der am Samstag im Olympiastadion gastiert, kommt dem Trainer deshalb gerade recht.

„Das ist ein richtig guter, international erfahrener Gegner, der uns richtig fordern wird“, sagt Dardai, „da müssen wir uns schon systematischer und besser bewegen als in den bisherigen Testspielen.“ Dardai rechnet mit etwa 50.000 Besuchern, „da wollen wir uns natürlich gut verkaufen, auch wenn das Ergebnis noch nicht so wichtig ist.“ Die aus Berliner Sicht gute Nachricht vor dem Anpfiff lautet: In Rune Jarstein steht zumindest einer der drei Torhüter zur Verfügung, die zuletzt allesamt angeschlagen waren.

Dardai wird 18 Spieler und zwei Torhüter für den Test nominieren. Für alle, die nicht zum Einsatz kommen, soll ein alternativer Test organisiert werden, denkbar ist zum Beispiel ein Einsatz im Reserve-Team. Gegen Liverpool will Dardai – vergleichbar zu Punktspielen – nach etwa 70 Minuten mit Ein- und Auswechslungen beginnen.

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