Sport : Hertha BSC: Trauer erst in ein paar Tagen

Michael Rosentritt

Die La Paloma hat ihr Ziel noch immer erreicht. Der Dampfer tourt auf dem Wannsee und wird die große weite Welt bestimmt nicht mehr sehen. Hertha BSC hatte bei der Suche nach einem Schiff für die Feierlichkeiten anlässlich des Saisonausklangs eine glückliche Hand. Das gesteckte Ziel erreichten die Fußballer. Hertha spielt im Uefa-Cup. Die La Paloma ist keine Titanic aber eben auch keine Queen Mary.

"In ein paar Tagen wird die Trauer über die verpasste Champions League kommen", sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß, aber genau da will der Verein wieder hin. Sebastian Deisler ärgerte sich öffentlich darüber, "dass wir nicht in der Champions League sind. Gerade wenn man sieht, wie einfach es in dieser Saison war, dort reinzukommen." Deislers Vertrag mit Hertha, der ursprünglich bis zum Sommer 2002 lief, hat sich mit der erneuten Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb bis 2004 verlängert. Allerdings dürfte der Nationalspieler im kommenden Sommer den Verein für eine festgeschriebene Ablösesumme von 18 Millionen Mark verlassen. Halten können Deisler nur sportliche Argumente.

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Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen "Wir hätte mehr erreichen können", sagte Jürgen Röber, "aber wenn man ehrlich ist, haben wir uns den jetzigen Platz verdient." 14 Saison-Niederlagen sind viel (Rostock, Cottbus und die drei Absteiger kassierte mehr), 52 Gegentoren sind viel zuviel. Die Defizite lagen im defensiven Bereich. In Dick van Burik wurde erst in der Rückrunde ein Nachfolger Kjetil Rekdals gefunden. Röber hatte es zu Beginn der Saison mit vier verschiedenen Abwehrchefs versucht. Und Torwart Gabor Kiraly erreichte eigentlich nie seine Form.

"Wir sind wieder im internationalen Wettbewerb, und das bereits zum dritten Mal hintereinander", sagt Hoeneß. Er war es auch, der noch vor zwei Jahren gesagt hatte: "Der Uefa-Cup bringt dich nicht wirklich weiter." Zwischen beiden Wettbewerben liegen 30 Millionen Mark - konservativ geschätzt. Zwei Punkte fehlten den Berlinern zum großen Sprung. "Wir haben während der Saison zu viele Bigpoints vergeben", analysierte der Manager. Die Ausbeute gegen Mannschaften aus unteren Tabellenregionen kann sich durchaus sehen lassen, sie führte Hertha im Herbst des vergangenen Jahres für vier Spieltage an die Tabellenspitze. Genau dagegen aber hatte die bessere Gesellschaft etwas. Herthas Bilanz gegen Spitzenteams: jeweils zwei Niederlagen gegen die Bayern und Schalke, je eine gegen Dortmund, Leverkusen und Freiburg. Demgegenüber stehen ein Sieg über Dortmund, und jeweils nur Unentschieden gegen Leverkusen und Freiburg. "Wir haben noch keine Siegermentalität", sagt Hoeneß, "wir arbeiten daran. Das wird das zentrale Thema der kommenden Saison. Dann werden wir in Spitzenspiele gehen, nicht nur, um sie nicht zu verlieren, sondern sie zu gewinnen."

Dafür braucht es Führungsnaturen. Deisler ist eine - mit 21 Jahren. Eine andere ist Stefan Beinlich. Der fiel ein halbes Jahr aus. Michael Preetz geht in seine letzte Saison. Die neuen Spieler Marcelinho und Goor kommen wohl noch nicht in Frage, aber sie werden die Qualität heben. Vielleicht kommt Hertha doch noch auf den richtigen Dampfer.

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