Sport : Hertha BSC: Trikottausch

Klaus Rocca / Gunnar Sohn

Die Verwirrung war gestern groß: Steigt die zum Vodafone-Konzern gehörende Arcor-Gruppe, die die Marke Otelo demnächst vom Markt nehmen will, als Hauptsponsor von Hertha BSC ganz aus oder nicht? Auf einer Pressekonforenz in Köln erklärte Klaus Thiemann, Vorstand Privatkunden der Muttergesellschaft Arcor, den überraschten Journalisten: "Wir wollen aus dem Vertrag mit Hertha kurzfristig aussteigen." Zur selben Zeit gab Harald Stöber, der Vorstandsvorsitzende der Arcor AG, auf einer Pressekonferenz bei der Internationalen Funkausstellung in Berlin bekannt: "Wir stehen auch weiterhin zu Hertha." Was nun? Kein Wunder, dass Dieter Hoeneß, Manager des Berliner Fußball-Bundesligisten, von "Irritationen" sprach. Die würden aber schnell beseitigt werden.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Zur Begründung für den angeblich beabsichtigten Ausstieg des Telekommunikationsunternehmens gab Thiemann in Köln an, die Trikotwerbung passe nicht mehr ins Konzept, weil Arcor "mittlerweile eine Markenbekanntheit von 70 Prozent hat". Und weiter: "Wir wollen die Arcor-Gruppe stärker mit Produktinhalten aufladen. Deshalb werden wir versuchen, kurzfristig aus dem laufenden Vertrag mit Hertha rauszukommen." Der Vertrag ist bis Mitte 2003 befristet. Nach Ansicht Thiemanns sei es "kein Problem", aus dem Kontrakt rauszukommen, weil bei dem "hervorragenden Ansehen des Vereins genügend alternative Sponsoren auf der Matte stehen".

Eingeweihte Kreise glauben zu wissen, dass Thiemann wegen seiner Äußerung in Köln erhebliche Schwierigkeiten bei dem Unternehmen bekommen hat. Sie haben die Vermutung, er habe die Absicht der Telefonmarke richtig wiedergegeben, sei aber ohne Absprache mit dem Gesamtvorstand vorgeprescht.

Stöber, der Vorstandsvorsitzende von Arcor, betonte dagegen in Berlin, Hertha brauche sich keinen neuen Sponsor zu suchen. Es habe zwar noch keine offiziellen Gespräche mit dem Verein gegeben, man wolle aber eine einvernehmliche Lösung finden. Auf derselben Linie befand sich Dieter Hoeneß. "Das Vertragsverhältnis wird fortgesetzt. Es bedarf aber noch einiger Gespräche."

Der Vertrag wird mit rund zwölf Millionen Mark pro Saison angegeben. Allerdings ist er - wie in der Branche üblich - nach Leistung gestaffelt. Erreicht Hertha BSC die Champions League, werden höhere Sponsorenbeträge fällig, die Teilnahme am Uefa-Pokal wird geringer entlohnt. Zum Vergleich: Bayern München wird von Opel mit jährlich bis zu 30 Millionen Mark gesponsert, wobei der in Schwierigkeiten geratene Automobilhersteller allerdings sein Engagement reduzieren will.

Sicher ist, dass demnächst der Schriftzug "Otelo" von den Hertha-Trikots verschwinden wird. Ob er dann durch "Arcor" ersetzt wird oder - wie bei Manchester United - demnächst "Vodafone" auf den Leibchen steht, ist dagegen noch unklar. Mit der Umstellung auf einen anderen Namen erwachsen erhebliche Kosten, denn der Name Otelo prangt nicht nur auf den Trikots, sondern auch auf den Trainingsanzügen, den Banden im Stadion, auf den Pressemappen und anderswo. Es darf davon ausgegangen werden, dass der Sponsor auch die dabei anfallenden Kosten übernehmen muss.

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