Sport : Hertha BSC: Unangenehm wie Unterhaching

Klaus Rocca

Jürgen Röber muss in diesen Wochen Nachhilfestunden in Geographie nehmen. Erst wurde er mit Moldawiens Ort Chisinau konfrontiert, gestern mit Wronki. Zimbru Chisinau war der erste Gegner im Fußball-Uefa-Pokal, Amica Wronki ist es der in der zweiten Runde. "Sportlich schwer, wenig attraktiv", lautete Röbers erster Kommentar. Er hätte auch sagen können - unangenehm wie Unterhaching. Da hatte er sich schon sachkundig gemacht, wusste, dass die Kleinstadt Wronki in Polen liegt, rund 40 Kilometer nordwestlich von Poznan. Hertha BSC muss im Rückspiel am 9. November rund 250 Kilometer reisen. Das Hinspiel findet am 26. Oktober in Berlin statt.

Allzu glücklich war man beim gesetzten Berliner Bundesligisten über die Auslosung im schweizerischen Nyon natürlich nicht. Nicht nur, dass Hertha zuerst Heimrecht hat, was als Nachteil anzusehen ist. Zudem dürfte der Gegner, wie schon Chisinau, Zuschauer kaum in Scharen anlocken. Gegen Zimbru waren höchstens 15 000 Besucher auf der Baustelle Olympiastadion.

Amica Wronki ist international bislang kaum in Erscheinung getreten. Schon deshalb nicht, weil der Verein erst 1992 gegründet wurde. Vier Jahre später stieg er in die erste polnische Liga auf und wurde auf Anhieb Fünfter. Besonders im Pokal machte Amica Furore. So wurde es in den letzten drei Jahren Pokalsieger des Landes. 1998 zog GKS Belchatow (0:1) den Kürzeren, in diesem Jahr Wisla Krakau (2:2/0:3). Im Vorjahr scheiterte Wronki in der ersten Runde des Europapokals der Cupsieger am niederländischen Vertreter SC Heerenveen (1:3/0:1), in diesem Jahr in der zweiten Runde des Uefa-Pokals an Atletico Madrid (0:1/1:4), nachdem es zuvor Bröndby Kopenhagen ausgeschaltet hatte. Die zweite Runde des laufenden Wettbewerbs erreichten die Polen durch Erfolge (3:0/2:0) über den russischen Klub Alania Wladikawkas.

Trainiert wird Amica Wronki von Stefan Majewski, der früher beim 1. FC Kaiserslautern als Profi spielte, dort und beim SC Freiburg später als Trainer der Amateure arbeitete. In der laufenden Meisterschaft Polens nimmt Wronki hinter Pogon Sczeczin, Wisla Krakau und Legia Warschau den vierten Platz ein. Das "Glowny"-Stadion in Wronki weist gerade mal 3500 Sitzplätze auf. 600 Plätze könnten Hertha-Anhänger einnehmen. Diese Zahl wurde jedenfalls dem Berliner Klub zugestanden. Der freie Ticket-Verkauf beginnt am 12. Oktober.

Für Hertha heißt es heute jedoch erst einmal, Wiedergutmachung zu betreiben. Nach der 2:5-Klatsche auf dem Sportplatz in Unterhaching ist die Situation sehr angespannt. "Nach der Katastrophe von Unterhaching ist es wichtig, dass wir das gegen Köln jetzt gut machen. Die Gespräche mit der Mannschaft verliefen sehr konstruktiv", sagte Jürgen Röber. Vom ehemaligen Aufsichtsrats-Boss Robert Schwan war er wieder mal infrage gestellt worden. "Das ist sehr schön, dass der Herr Schwan immer noch an uns denkt", sagte Manager Dieter Hoeneß, "aber hier schläft keiner ein." Schwan hatte in seiner jüngsten Botschaft aus den Bergen um Kitzbühel genau dies bezweifelt. "Wir halten es im Verein so, dass dort die Probleme gelöst werden, wo sie gelöst werden können, und von den Leute, die dafür bezahlt werden", hatte Hoeneß unter der Woche gekontert.

Gegen den 1. FC Köln will Röber im Prinzip die "Versager-Elf" von Haching aufbieten: "Die Spieler haben ein schlechtes Gewissen. Gegen Köln können sie das alles gerade rücken", sagte der Trainer. Jetzt hofft er, dass Marko Rehmer, der zusammen mit Sebastian Deisler, Stefan Beinlich und Dariusz Wosz für das Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel in England in einer Woche eingeladen wurde, wieder zu 100 Prozent fit ist.

Verschnaufen darf dagegen Ali Daei. Der momentan erfolgreichste Torschütze Herthas, der in der Bundesliga und im Uefa-Cup fünfmal traf, kam erst gerade von einem Länderspieleinsatz zurück. Am Mittwoch hatte der Iraner beide Tore beim 2:1-Sieg über Katar erzielt. Für ihn wird Röber den Brasilianer Alex Alves aufbieten. "Köln hat zuletzt gut gegen Lautern und gegen die Bayern gespielt", sagte Röber. Aber das wollte wirklich niemand hören.

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