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Hertha BSC und die Kapitänsfrage : Luhukay bestimmt Lustenberger

Für sich selbst hatte Hertha-Trainer Jos Luhukay die Frage nach dem Kapitän in der neuen Saison schon beantwortet, am Freitag tat Übungsleiter der Berliner dies nun auch öffentlich. Wie reagiert Ex-Kapitän Peter Niemeyer?

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Im Dialog. Jos Luhukay benannte Fabian Lustenberger gestern zum neuen Kapitän.
Im Dialog. Jos Luhukay benannte Fabian Lustenberger gestern zum neuen Kapitän.Foto: dpa

Die heimliche Botschaft des Tages trug Fabian Lustenberger auf der Brust. „Everbody’s Darling“ stand auf dem T-Shirt, das der Fußballer von Hertha BSC trug, als ihn der Vereinssprecher mit der offiziellen Botschaft begrüßte: „Guten Tag, Herr Kapitän“. Dass Lustenberger am Freitag mit diesen Worten vorgestellt wurde und nicht Peter Niemeyer, das war schon ungewohnt. Da hat sich einiges geändert bei Hertha. Auch wenn Lustenberger, den Hut, den er künftig auf hat, am Freitag jugendlich umgedreht trug. So hält er es gerne mit Baseballkappen.

„Peter hat vergangene Saison einen super Job gemacht, deswegen war ich schon überrascht“, sagte der neue Kapitän, „aber ich freue mich auch, dass mir der Trainer das Vertrauen gibt und mir das zutraut.“ Die Überraschung war nicht nur für Lustenberger gelungen, der von Luhukay am Mittwochmorgen eingeweiht worden war. Die Mannschaft erfuhr davon am Freitagmorgen. Dass der bisherige Kapitän Niemeyer nicht mehr Luhukays Darling ist, sondern Liebling Lustenberger, damit hatte kaum jemand gerechnet.

„Es ist nicht der alte, sondern ein neuer Kapitän geworden“, hatte Luhukay gesagt, als er seine lange erwartete Entscheidung am Freitagmittag öffentlich bekannt gab. Kaum war der Name Lustenberger genannt, lobte Luhukay auch schon: Nach einem Klassejahr in der Zweiten Liga habe er einen hohen Stellenwert in der Mannschaft, mit 25 Jahren und im siebten Jahr im Verein sei er bereit für den Schritt zur Führungsperson, wo er doch gerade seinen Vertrag bis 2017 verlängert habe. „Er hat die individuelle Qualität und steht für die Zukunft von Hertha BSC.“

Dafür steht im Umkehrschluss Peter Niemeyer wohl nicht mehr. Dabei, würdigte Luhukay, „hat er das vorbildlich gemacht, er war der Antreiber, der motiviert und korrigiert hat – aber das war im letzten Jahr.“ Mittlerweile hat sich aber die Situation geändert, sportlich zumindest. Niemeyer hat seinen Stammplatz verloren. Der 29-Jährige ist kampfstark, aber hat Probleme mit dem von Luhukay geforderten Passspiel. Ohnehin sprach der Trainer zuletzt davon, in dieser Saison einen Mannschaftskern aufzubauen, der Hertha in den kommenden Jahren prägen soll. Niemeyer gehört offenbar nicht dazu.

„Sportlich gesehen ist schon ein Stück Zweifel da“, sagte Luhukay, „im letzten Jahr war er als Kapitän gesetzt, das ist er für die neue Saison nicht mehr.“ Es könne aber sein, dass Niemeyer zum Bundesligastart in einer Woche gegen Frankfurt von Beginn an spielt, schickte er hinterher.

Wahrscheinlich scheint das nach der Entscheidung nicht. Lustenberger wird dagegen wohl auflaufen als Kapitän, wie schon im Pokalspiel am Sonntag in Neumünster. Würde Luhukay Niemeyer noch eine größere Rolle zubilligen, dann hätte er ihm die Binde nicht abschnallen müssen. Denn selbst Lustenberger sprach der Trainer keine Garantien aus. „Es ist nicht so, dass der Kapitän gesetzt ist“, sagte er.

Spielt der Schweizer aber vor der Abwehr, hätte er Niemeyer nicht nur die Kapitänsbinde, sondern auch die Position auf dem Feld abgenommen. Das könnte die bisher gute Beziehung zwischen beiden belasten, sollte man meinen. „War ja klar, dass da Konflikt gesucht wird“, sagte der neue Kapitän auf Nachfrage, „da sehe ich überhaupt kein Problem, Peter ist ein Teamspieler, ich bin ein Teamspieler.“

Als Stellvertreter benannte Luhukay erneut Peer Kluge. Auf einen Mannschaftsrat verzichtet er weiter. Und hofft, „dass Peter Niemeyer seine Charaktereigenschaften so beibehält wie im letzten Jahr. Auch ohne Binde ist er nach wie vor sehr hilfreich.“ Manager Michael Preetz sagte: „Wenn es hierarchische Verschiebungen gibt, erwarten wir, dass jeder Spieler professionell damit umgeht. Gutes Klima und Homogenität haben uns zuletzt ausgezeichnet.“ Nun ist die Frage, ob das so bleibt, wo die erste Niederlage für einen Spieler noch vor dem Saisonstart kam.

Auf die Frage, wie Niemeyer die Entscheidung aufgenommen habe, wurde Luhukay ungehaltener: Da müsse man den Spieler selber fragen. Und ohnehin: „Ich werde mich in Zukunft nicht mehr äußern zum Gemütszustand einzelner Spieler.“ Vergangene Saison war er für seinen Geschmack zu oft angesprochen worden auf Reservisten wie Pierre-Michel Lasogga. Das wird er vorerst nicht mehr: Der Stürmer zog sich einen Teilriss des Außenbandes zu und fällt vier bis sechs Wochen aus.

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