Hertha BSC und die Schiedsrichter : Wenn aus Zufall Pech wird

Hertha BSC leidet in der Bundesliga scheinbar besonders unter den Fehlentscheidungen der Schiedsrichter – ein anderer Grund liegt aber im Spiel der Berliner selbst.

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Mensch, Schiri! Ronny kann gar nicht glauben, was Michael Weiner und sein Linierichter (l.) im Spiel gegen Nürnberg kurz vor Schluss entschieden haben.
Mensch, Schiri! Ronny kann gar nicht glauben, was Michael Weiner und sein Linierichter (l.) im Spiel gegen Nürnberg kurz vor...Foto: Imago

Sebastian Langkamp hat sich am Montag als Schiedsrichter-Versteher zu erkennen gegeben. Der Verteidiger von Hertha BSC hat gestanden, dass er es nachempfinden könne, wenn Schiedsrichtern nicht der Sinn nach Kommunikation stehe und sie sich in gewissen Situationen hinter einer Wand aus Arroganz verschanzten. Trotzdem hat Langkamp am Sonntag, nach der 1:3-Niederlage des Berliner Fußball-Bundesligisten gegen den 1. FC Nürnberg, den Versuch unternommen, mit Michael Weiner ins Gespräch zu kommen. Als er in den Worten des Schiedsrichters allerdings einen ironischen Unterton vernahm, „hab’ ich gedacht: okay, bringt ja eh nichts mehr“.

Wenn man es böse meinte, könnte man sagen: Michael Weiner hat seine eigene Entscheidung vermutlich nur noch mit Ironie ertragen. Lachen wollte darüber bei Hertha allerdings niemand.

Zwei Minuten vor dem Ende hatte der Schiedsrichter den Berlinern die Chance genommen, gegen den 1. FC Nürnberg doch noch zum Ausgleich zu kommen. Nachdem Ondrej Petrak einen Schuss von Ronny auf der Linie mit der Hand aufgehalten hatte, entschied Weiner auf Elfmeter für Hertha und Rot für Nürnbergs Verteidiger. Kurz darauf, nach längerer Unterredung mit seinem Assistenten, revidierte Weiner sein Urteil jedoch in sämtlichen Punkten. Petrak durfte weiterspielen, und statt Elfmeter gab es Freistoß für Nürnberg. Weiner erklärte später, Adrian Ramos habe aktiv im Abseits gestanden, weil er Nürnbergs Torhüter Schäfer am Zurücklaufen gehindert habe.

Es war eine – vorsichtig ausgedrückt – unglückliche Deutung der Szene, aber „das ist ein bisschen symptomatisch“, sagte Sebastian Langkamp. „Die engen Momente sind derzeit nicht auf unserer Seite.“ Schon vor einer Woche, bei Eintracht Frankfurt, fühlten sich die Berliner benachteiligt, weil ihnen ein berechtigter Elfmeter verweigert worden war. Auch deshalb endeten die ersten beiden Spiele des Jahres 2014 für Hertha mit zwei Niederlagen und null Punkten.

Man kann sich in solchen Situationen schnell einreden, dass sich das Schicksal gegen einen verschworen habe. Vor allem die Fans von Hertha BSC neigen nach den Erfahrungen in jüngerer Vergangenheit zu solchen Interpretationen. Erst gehen die Bälle nicht ins Tor wie in der ersten Hälfte gegen Nürnberg, dann hat der Gegner Glück wie vor dem 2:1, als Josip Drmic der Ball vom Pfosten genau vor die Füße sprang, und zu schlechter Letzt kommen noch Fehler des Schiedsrichters hinzu. Jos Luhukay hält trotzdem nichts von Verschwörungstheorien, er glaubt nicht an den Einfluss höherer Mächte, an die Existenz des Fußballgottes. „Ich glaube, dass es Zufall ist“, sagte Herthas Trainer. Er habe auch nicht das Gefühl, dass die Schiedsrichter generell gegen Hertha seien. „Wir waren jetzt zweimal unglücklich betroffen. Aber das passiert.“

Hertha BSC hat mitunter Probleme in der Spielgestaltung

Man kann die ganze Sache nämlich auch so sehen: Hertha müsste sich nicht lange mit Entscheidungen des Schiedsrichters aufhalten, wenn die Mannschaft besser Fußball spielte. Gegen Nürnberg flog in der zweiten Hälfte ein einziger Ball auf das Tor des Gegners – es war Ronnys Fern- und Kunstschuss in der 88. Minute, der durch Weiners Intervention nicht mal in die Wertung einging. Wie schon in Frankfurt zeigte sich, dass Hertha gegen defensive und gut organisierte Mannschaften Probleme mit der Spielgestaltung hat. Die besten Momente besaßen die Berliner vor der Pause, als sie die Nürnberger durch entschlossenes Gegenpressing zu Ballverlusten zwangen und anschließend zielstrebig umschalteten.

In der zweiten Halbzeit fehlte es Hertha an Ideen, Überraschungsmomenten und Gedankenschnelligkeit. „Wir haben noch nicht die Leichtigkeit im Ballbesitz“, sagte Luhukay. Die Schwierigkeiten verwundern ihn nicht – weil sie das Resultat dessen sind, was er tagtäglich im Training sieht. Luhukay sehnt deshalb die Rückkehr von Tolga Cigerci herbei, den er als „Denker und Lenker“ bezeichnet. Am Mittwoch soll Cigerci wieder mit der Mannschaft trainieren, am Samstag könnte er beim Spiel gegen den Hamburger SV schon wieder in der Startelf stehen.

Der HSV ist für Hertha im dritten Spiel des Jahres der dritte Gegner aus der Abstiegsregion. Dass sich die Hamburger freudig am Spiel beteiligen werden, ist eher nicht zu erwarten. „Wir dürfen nicht den Glauben verlieren“, sagt Jos Luhukay. Den Glauben, dass der Erfolg vor allem vom eigenen Tun abhängt. Nicht vom Einfluss fremder Mächte.

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