Hertha BSC : Und jetzt wird geshoppt

Dank Gojko Kacars Toren beginnt die Saison für Hertha BSC auch sportlich – mit einer Einkaufstour.

Sven Goldmann
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Richtungsweisend. Mittelfeldspieler Gojko Kacar zeigt der Mannschaft von Hertha BSC, wo es langgeht. Foto: City-PressCity-Press GmbH

Berlin - Ein paar Stunden vor dem Spiel hat Nemanja Pejcinovic seinem Freund Gojko Kacar gesagt, wie gern er in dieser neuen Europa League spielen würde. Kein Problem, hat Kacar geantwortet, und dass Pejcinovic einfach nur hoch vors Tor flanken solle, den Rest würde er schon erledigen.

Genauso haben es die beiden Serben von Hertha BSC dann auch gemacht, am Donnerstagabend um kurz nach acht im Jahnsportpark. Mit viel Tempo und Effet schlug Pejcinovic den Ball aus halblinker Position in den Strafraum. Nicht genau auf den Kopf von Kacar, sondern in die Zone, die sonst tief fliegenden Vögeln vorbehalten ist. Aus dem Stand drückte Kacar sich mit beiden Füßen ab, für einenen Augenblick schien er in der Luft zu stehen, er bog den Oberkörper nach hinten, ließ ihn wieder nach vorn schnellen und wuchtete den Ball mit der Stirn in die linke Ecke des Tores, dessen Hüter Stephan Andersen nicht einmal den Versuch unternahm, das Unheil für seine Mannschaft noch abzuwenden. Was für ein Tor!

Dieses 3:1 gegen Bröndby Kopenhagen stand für gleich zwei Premieren: Es bescherte Hertha die Qualifikation für die Gruppenphase der zum ersten Mal ausgespielten Europa League und war zugleich das erste Tor, das Kacar auf Vorarbeit seines Freundes Pejcinovic erzielte. Die beiden kennen sich zwar seit frühester Jugend, „aber eigentlich spielt Nemanja in der Innenverteidigung, da kommt er nicht so oft zum Flanken“, sagt Kacar. „Und ich spiele ja auch nicht so oft in der Sturmspitze.“ So stand dieses 3:1 gegen Bröndby auch für die neuen Möglichkeiten, die Hertha sich in dieser Saison erarbeiten will. Nemanja Pejcinovic soll wie der Schwede Rasmus Bengtsson die offensive Qualität des Berliner Defensivspiel anheben. Im modernen Fußball sind Verteidiger nicht mehr nur zum Verteidigen da.

Beide Neu-Berliner zählten im Frühjahr zu den auffälligsten Begabungen bei der U-21-Europameisterschaft in Schweden. So gut wie Pejcinovic hat bei Hertha von der linken Seite schon lange niemand mehr geflankt. Bengtsson hat nach nunmehr zwei Wochen Training konditionell den Anschluss geschafft. „Er ist bereit“, sagt Trainer Lucien Favre, vielleicht schon für das Bundesligaspiel am Sonntag gegen Werder Bremen.

Lucien Favre spricht gern davon, wie er seine Mannschaft entwickeln will und wie wichtig dabei gerade internationale Einsätze sind. „In solchen Spielen reifen junge Leute“, sagt der Schweizer, wohl wissend, dass seine Mannschaft rein statistisch gesehen nicht allzu reif daher kommt. Pejcinovic ist 21 Jahre alt, Bengtsson 23, und auch der Mann, um den sich bei Hertha zurzeit alles dreht, ist gerade erst 22 geworden. Gojko Kacar hat in der Bundesliga die beiden einzigen Berliner Tore in dieser Saison erzielt, und ohne die beiden am Donnerstag gegen Bröndby hätte sich Hertha kaum für die Europa League qualifiziert.

Am stärksten ist er, wenn er Raum vor sich hat und das Spiel antreiben kann. Dann ist Kacar mit seiner Dynamik und Technik für jeden Gegner das Gefahrenmoment Nummer eins. Das weiß auch Lucien Favre, aber die personelle Not hat den Trainer zuletzt zu Experimenten gezwungen. Am vergangenen Sonntag schickte er Kacar in Bochum als Verbindungsmann hinter dem einzigen Stürmer auf den Platz. Und als am Donnerstag gegen Bröndby alles für ein Ausscheiden sprach und Tore her mussten, übernahm Kacar eben den Job des Mittelstürmers. Kein großes Ding, sagt der Serbe, er spiele am liebsten dort, wo ihn der Trainer hinstellt, und natürlich könne er noch viel lernen, sonst noch Fragen?

Ja, es gibt da einige Fragen zu Herthas derzeit begehrtestem Spieler. Meist werden diese Fragen Michael Preetz gestellt, und der kann sie mittlerweile nicht mehr hören. Zuletzt hat Herthas Manager ziemlich genervt auf ein Gerücht aus Stuttgart reagiert, es besagte, dass die Berliner Kacar vielleicht doch verkaufen würden, wenn denn das Geld stimmt, bei 15 Millionen Euro sei man verhandlungsbereit. „Ich weiß nicht, woher diese Märchen kommen“, sagt Preetz. „Gojko hat bei uns einen Vertrag bis 2012, er steht nicht zur Disposition.“

Es hat erheblich zur Kränkung der Berliner Befindlichkeiten beigetragen, dass ihre Philosophie in der öffentlichen Wahrnehmung darauf reduziert wurde, möglichst viele Spieler für möglichst viel Geld zu verkaufen, um den in den Zeiten einer früheren Geschäftsführung in Schieflage geratenen Haushalt zu sanieren.

Am Donnerstag hat Preetz darauf hingewiesen, dass jetzt diese Saison erst richtig anfange, auch sportlich, und das bedeutet: „Wir wollen kaufen und nicht verkaufen.“ Spätestens am Montag zum Ende der Transferperiode will Hertha einen oder zwei neue Spieler verpflichten. Neues Personal, das für das Toreschießen zuständig sein soll, damit Gojko Kacar sich wieder beruhigt seinem Kerngeschäft widmen kann.

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