Hertha BSC vor dem Spiel beim VfL Wolfsburg : Wehren gegen die Wucht

Hertha BSC sieht sich am Sonntag beim VfL Wolfsburg der aufregendsten Offensive der Bundesliga gegenüber. Das bedeutet, dass die Berliner vor allem in der Defensive zulegen müssen - so wie im Hinspiel.

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Ball- und Torjäger. André Schürrle (Mitte) und Kevin de Bruyne treiben und prägen das Offensivspiel des VfL Wolfsburg. Sonntag muss Hertha BSC mit Trainer Pal Dardai (unten) beim Tabellenzweiten antreten. Foto: dpa
Ball- und Torjäger. André Schürrle (Mitte) und Kevin de Bruyne treiben und prägen das Offensivspiel des VfL Wolfsburg. Sonntag...Foto: dpa

Neulich im Training gab es eine hübsche Übung. Herthas Assistenztrainer Rainer Widmayer ließ vier offensive Spieler gegen zwei Innenverteidiger plus Torwart spielen. „Noch drei Tore“ rief Widmayer, dann sei die Übung beendet. Nur, es fielen keine drei Tore in den folgenden zehn Minuten, ja, nicht mal eins. Dann gab Cheftrainer Pal Dardai das Kommando: „Noch drei Spielzüge“, sollte dann kein Tor gelingen, wären 20 Liegestütze für die Angreifer fällig. Genau so kam es.

Die Quintessenz der Geschichte ist zweigeteilt. Beschränken wir uns einfach auf den Teil, wonach es Herthas Abwehrreihe gelungen ist, gut zu verteidigen. Für das kommende Spiel am Sonntag in Wolfsburg nicht die schlechteste Ausgangslage. Denn der VfL ist derzeit der Bundesligist mit der aufregendsten Offensive. Weltmeister André Schürrle, der eben vom FC Chelsea losgeeist worden ist, ergänzt die beiden überragenden Offensiven Kevin de Bruyne und Bas Dost. Letzterer hat gerade in der Europa League beide Treffer beim 2:0 gegen Sporting Lissabon erzielt. Der 25 Jahre alte Niederländer ist in der Form seines Lebens. In den zurückliegenden fünf Pflichtspielen erzielte er neun Tore. Allein in der Bundesliga-Rückrunde waren es sieben; zwei beim 4:1 über den FC Bayern, eins beim 3:0 über Hoffenheim und vier beim 5:4-Sieg in Leverkusen. Und auch de Bruyne hat fünf seiner acht Tore in der noch frischen Rückrunde erzielt. „Das ist eine Mannschaft, die fantastisch spielt und in hervorragender Form ist. Wir werden eine Topleistung bringen müssen“, sagt Herthas Manager Michael Preetz.

Bas Dost ist in der Form seines Lebens

Dieser Einschätzung ist nicht zu widersprechen, interessanter ist, was Hertha der Angriffswucht des VfL Wolfsburg, der in elf Heimspielen bei neun Siegen und zwei Unentschieden ungeschlagen ist, ernsthaft entgegenzusetzen gedenkt? Pal Dardai ist gefragt. Es ist die zurückliegende Trainingswoche, aus der Herthas Trainer Kraft und Glaube schöpft, wie er sagt: „Die Mannschaft lebt, es ist Spannung drin, die Körpersprache stimmt – aber wir müssen das auch am Sonntag umsetzen. Das ist die einzige Chance in Wolfsburg einen Punkt oder Punkte zu holen.“

Ein Rückgriff auf das Hinspiel im Olympiastadion, das Hertha nach aufopferungsvollem Kampf und einem Kopfballtor Salomon Kalous 1:0 gewinnen konnte, taugt wohl nur bedingt. Damals war der VfL längst nicht in der Form von heute, außerdem bildeten Nicklas Bendtner und Ivica Olic den Sturm.

Vor allem wird Hertha die eigene Defensive stärken müssen. 40 Gegentore, der drittschlechteste Wert der Liga, sprechen eine deutliche Sprache. Das zurückliegende 0:2 gegen den SC Freiburg hat vielen die Sprache ganz verschlagen.

Das Hinspiel gewann Hertha noch 1:0 gegen Wolfsburg

Das Spiel in Wolfsburg werde viel leichter für Hertha, sagt Pal Dardai kühn. Klar, beim Champions-League-Anwärter verlangt niemand einen Sieg vom Abstiegskandidaten aus Berlin. Allerdings ist die Dardaische Logik dahinter etwas eigenwillig. „Schlimmer als gegen Freiburg kann es nicht sein“, sagte der Ungar. Das Spiel sei so schlecht gewesen, „das kann ja nicht noch mal sein“. Vielleicht ist das eine Logik, die seinen Spielern eingänglich ist und sie tatsächlich zu einer Leistungssteigerung animiert.

„Als Trainerstab haben wir der Mannschaft eine Richtung vorgegeben und uns in der Woche etwas erarbeitet“, sagt der 38-Jährige. Man habe Respekt vor den Wolfsburgern, rechnet sich dennoch etwas aus. „Entscheidend sind der erste Zweikampf, die Körpersprache, die ersten zwanzig Minuten.“ Wenn es seinem Team gelinge, Wille und Wehrhaftigkeit an den Tag zu legen, wäre das ein Anfang.

Blieben noch Kevin de Bruyne und Bas Dost, die es irgendwie auszuschalten gilt. Im Eins-zu-eins sei es schwierig, gab Dardai zu. Hertha wolle sie doppeln und die beiden – wenn’s geht – mit einem guten Mittelfeld-Pressing erst gar nicht ins Spiel kommen lassen. Im Training hat es geklappt, allerdings war es gegen die eigene Offensive.

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