Hertha BSC vor der Augsburg-Partie : Alexander Esswein: Einschlag erwartet

Im vergangenen Sommer kam Alexander Esswein vom heutigen Gegner Augsburg zu Hertha BSC. Überzeugt hat der Offensivspieler – wie auch andere Transfers – aber noch nicht.

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Verstärkung mit Anlaufschwierigkeiten. Alexander Esswein (Mitte) hat noch nicht beweisen können, dass er Herthas Offensive wirklich beleben kann.
Verstärkung mit Anlaufschwierigkeiten. Alexander Esswein (Mitte) hat noch nicht beweisen können, dass er Herthas Offensive...Foto: Imago

Den Berliner Boulevardzeitungen ist zu entnehmen, dass Alexander Esswein im Frühjahr erstmals Vaterfreuden entgegenfiebert. Dem Boulevard ist das schon deshalb wichtig, weil Esswein seit dem Sommer für Berlins größten Fußballklub Hertha BSC spielt. In seinem Kerngeschäft hat sich der 26 Jahre alte Offensivspieler aber noch nicht ins kollektive Gedächtnis der Berliner gespielt. „Er hat bei uns gut angefangen, dann wollte er zu viel auf einmal lernen, in seinen letzten beiden Spielen hat er gewackelt“, sagt Pal Dardai. „Er sollte das machen, was er kann.“

Strenge gehört auf den Fußballplatz wie das lobende Wort. Gerade Herthas Trainer ist ein Freund davon. Dass Alexander Esswein, den Hertha in diesem Sommer unter großen Mühen und dem Einsatz von 2,5 Millionen Euro vom FC Augsburg losgeeist hat, nach einem Drittel der Spielzeit noch nicht als große Verstärkung aufgefallen ist, macht Michael Preetz an den besonderen Umständen fest. Wegen einer Verletzung im Frühjahr habe Esswein für Augsburg kaum noch Spiele bestreiten und die dortige Saisonvorbereitung eben auch nicht vollumfänglich absolvieren können. „Es ging auch darum, ihn an unsere Spielweise zu gewöhnen“, sagt Preetz.

Im September, beim 3:3 bei Eintracht Frankfurt, erzielte Esswein sein erstes Tor für Hertha und bereitete einen weiteren Treffer vor. Das war es bisher. In den beiden jüngsten Spielen gegen Köln und Hoffenheim zählte er für die Mehrheit der Fans zu den schwächeren Spielern im Team, zuletzt gegen Mönchengladbach hatte ihn Dardai ganz draußen gelassen.

Herthas Einkäufe dieses Sommers haben nicht eingeschlagen

Das Schöne am Fußball ist, dass man schon im nächsten Spiel eine Wende herbeiführen kann. Für Hertha findet das am Sonnabend beim FC Augsburg (15.30 Uhr, live bei Sky) statt, der bisherigen Heimat Essweins. Gelegentlich setzen beim betroffenen Spieler solche Konstellationen besondere Kräfte frei. Darauf setzt auch Pal Dardai. „Zu 90 Prozent spielt er von Anfang an, er wird besonders motiviert sein“, sagt der Trainer.

Was im Besonderen für Esswein gilt, trifft im Allgemeinen auch auf Hertha zu. Bei aller erfreulichen, weil sportlich bisher sehr erfolgreichen Entwicklung ist in den Hintergrund geraten, dass die Einkäufe und Zugänge dieses Sommers nicht eingeschlagen haben. Während die Transfers des vergangenen Sommers – allen voran die von Vladimir Darida, Mitchell Weiser, Niklas Stark und Vedad Ibisevic – die Hauptfiguren des Aufschwungs waren und immer noch sind, bleiben die Neuen dieses Sommers hinter den Erwartungen.

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Zum Beispiel Allan Rodrigues de Souza. Den Brasilianer hat Hertha vom FC Liverpool ausgeliehen. Zuvor war der 19-Jährige in die belgische und finnische Liga ausgeliehen. „Er ist ein Talent und ein Mittelfeldspieler, den wir so nicht haben“, sagt Preetz. Zweimal stand er in der Startelf, beide Spiele (München, Hoffenheim) gingen verloren. Allan hat gute Anlagen, Dynamik und Spielwitz, doch seinem Spiel fehlt es noch an Klarheit und Stringenz, zudem muss er sein Positionsspiel verbessern. Doch seine Ausleihe stellt für Hertha kein wirtschaftliches Risiko dar. Etwas anders sieht es bei Ondrej Duda aus, seine Situation gestaltet sich fast schon ein wenig tragisch. Der 21 Jahre alte Slowake, für den Hertha im Sommer einen Sockelbetrag von 4,2 Millionen Euro an Legia Warschau überwies, hat noch nicht ein Spiel für die Berliner absolviert.

Im Sommer will Hertha einen Rekordtransfer tätigen

Schon während der Vorbereitung hatte der Offensivspieler bei einem Schlag auf das rechte Knie ein Knochenödem erlitten. Kurz nach seiner Rückkehr ins Mannschaftstraining in der Vorwoche kam es für ihn zu einem Rückschlag. „Für uns ist es ärgerlich, weil wir gutes Geld bezahlt haben, um uns zu verstärken“, sagte Dardai. Völlig unklar ist nun, wann er wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist.

„Das ist für uns alle traurig, aber er ist ein sehr junger Spieler, dem wir gerne Zeit zugestehen“, sagt Preetz. Der Manager möchte seine Sommertransfers differenziert betrachtet wissen. So sei es in diesem Sommer auch darum gegangen, Verträge mit Bestandsspielern, die von anderen Klubs umworben waren, zu verlängern. Das ist bei Mitchell Weiser, John Anthony Brook und Marvin Plattenhardt gelungen. Vor dem Hintergrund knapper finanzieller Mittel sei das als Erfolg zu werten.

Wie der Tagesspiegel erfuhr, beabsichtigt Hertha im kommenden Sommer einen neuen Rekordtransfer zu tätigen. Teuerster Einkauf bis heute ist der von Alex Alves, den Dieter Hoeneß zur Jahrtausendwende für umgerechnet 7,5 Millionen Euro aus Brasilien zu den Berlinern holte. Möglich, dass bis dahin ein neuer Investor an Bord ist. Daran arbeitet Hertha gegenwärtig. Sicher ist, dass aus dem neuen Fernsehvertrag der Bundesliga auch Hertha jährlich 30 oder gar 40 Prozent mehr erhalten dürfte als die diesjährigen 28 Millionen Euro. Im Frühjahr wissen alle mehr, nicht nur Alexander Esswein.

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