Hertha BSC vor HSV-Spiel : Fabian Lustenberger: Zurück zu gewohnter Stärke

Kapitän Fabian Lustenberger findet bei Hertha BSC allmählich wieder zu seiner alten Stärke - und steht damit für symbolisch für die aktuelle Form der Mannschaft vor dem Spiel gegen den Hamburger SV.

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Zurück im Zentrum: Fabian Lustenberger (r.) gehört wieder zum Stammpersonal, Keeper Kraft freut sich über die Rückkehr des Abwehrchefs - und über weniger Gegentore.
Zurück im Zentrum: Fabian Lustenberger (r.) gehört wieder zum Stammpersonal, Keeper Kraft freut sich über die Rückkehr des...Foto: dpa

Über der Schulter trug Fabian Lustenberger das einzige Netz, das überhaupt strapaziert worden war an diesem Nachmittag: das Ballnetz. Von der Symbolik passte das ganz gut, Lustenbergers Aufgabe bei Hertha BSC besteht ja in erster Linie darin, Gegentore zu verhindern und Ordnung herzustellen. So gesehen war die letzte öffentliche Übungseinheit des Berliner Bundesligisten vor dem Punktspiel gegen den Hamburger SV (Samstag 15.30 Uhr) sehr anständig verlaufen, obwohl eine Frage offenblieb: Wie kann es eigentlich sein, dass im abschließenden Trainingsspiel kein einziger Treffer fiel? Trainer Jos Luhukay drehte die Verhältnisse kurzerhand um und sagte mit einem Augenzwinkern: „Ich sehe es so: das spricht für unsere Defensive. Da waren wir zuletzt doch besser.“

Es mag Zufall gewesen sein, dass Fabian Lustenberger just in diesem Moment samt Ballnetz hinter seinem Trainer vorbeilief. Die Szene ließ sich allerdings auch anders deuten, so nach dem Motto: wenn man vom Abwehrchef spricht. Seitdem der Kapitän seine lange Verletzung auskuriert hat, fallen die Noten in einem der Luhukay’schen Lieblingskriterien wieder ein wenig besser aus: der defensiven Stabilität. Das lässt sich auch statistisch belegen: In den ersten vier Spielen der Saison kassierten die Berliner bei wechselnder Besetzung in der Innenverteidigung neun Gegentore und holten zwei Punkte. In den letzten vier Begegnungen, in denen Lustenberger stets neben John Heitinga begann, waren es derer fünf und sechs Punkte.

Hertha BSC: Fabian Lustenberger findet langsam wieder zu seiner alten Form - und steht für den aktuellen Zustand der Mannschaft

„Durch die Einsätze, die ich zuletzt bekommen habe, ist an Sicherheit und Timing eine Menge bei mir zurückgekommen. Die Spiele und der regelmäßige Rhythmus tun mir wirklich gut“, sagt Lustenberger. Damit steht der Schweizer Nationalspieler auch sinnbildlich für den im Sommer auf zahlreichen Positionen veränderten Kader des Berliner Bundesligisten, der nach der Hälfte der Hinrunde auch noch an den letzten Details arbeitet. „Ich merke, dass mir noch ein wenig Spielpraxis fehlt, um wieder bei einhundert Prozent zu sein. Aber das ist nach sieben Monaten Pause völlig normal, deshalb bleibe ich auch ganz ruhig“, sagt Lustenberger. „Ich brauche noch ein bisschen Zeit, die Mannschaft braucht noch ein bisschen Zeit, aber wir wissen alle, dass Zeit und Geduld in unserer Branche nicht sehr ausgeprägt sind.“

Bei Jos Luhukay sieht das ein wenig anders aus. In den Planungen des Coaches spielt der Kapitän ohnehin eine zentrale Rolle, daran haben selbst drei Oberschenkelverletzungen in Folge nichts geändert. „Für mich steht außer Frage, dass Fabian in Zukunft wieder zu einem konstanten Faktor wird, so wie er das ja in den letzten Jahren auch war“, sagt Luhukay. Im aktuellen Profi-Kader von Hertha BSC ist der 26-Jährige mittlerweile der dienstälteste Spieler. Einst von Trainer Lucien Favre verpflichtet, geht Lustenberger bereits in seine achte Spielzeit.

Wegen seiner Wichtigkeit für die Mannschaft und der Vorgeschichte mit der Verletzung werden Lustenbergers Fortschritte im Moment aber genau vom Trainer beäugt. „Wir wissen beide, dass keine Trainingseinheit einen Wettkampf ersetzen kann“, sagt er. Deshalb war Luhukay auch überhaupt nicht erbaut darüber, dass sein Kapitän in der Länderspielwoche zwar eingeladen wurde zum Lehrgang der Schweizer Nationalmannschaft, in den Qualifikationsspielen gegen Slowenien (0:1) und San Marino (4:0) aber nicht zum Einsatz kam. „Er hätte es natürlich lieber gesehen, dass ich spiele und weiter Wettkampfpraxis sammle. Aber es war ja auch nicht so, dass ich gar nichts gemacht habe in dieser Zeit, wir haben ja mit der Nationalmannschaft auch trainiert“, sagt Lustenberger.

Unabhängig von den Befindlichkeiten im Verein ist für ihn nämlich klar, dass eine Nominierung für das Heimatland auch immer der Lohn für die Leistungen im Verein ist. Lustenberger sagt: „Wenn ich ins Aufgebot berufen werde, gilt es das natürlich anzunehmen. Ich bin schließlich nicht in der Lage zu sagen: Ach, ich hab’ ja schon 200 Länderspiele, da nehme ich die Geschichte nicht mehr so ernst.“

Eine gewisse Ernsthaftigkeit kann den Berlinern auch gegen den Hamburger SV nicht schaden, „die haben sich zuletzt ja einigermaßen gefangen, so wie wir auch“, sagt Lustenberger, der am Samstag erneut neben John Heitinga beginnen dürfte und das offenbar auch gern tut. Lustenberger sagt: „Man merkt John seine Erfahrung an, er ist sehr ruhig, verfällt nicht in Hektik und bringt trotzdem eine gewisse Aggressivität mit.“

So könnte Hertha spielen:

Kraft – Pekarik, Heitinga, Lustenberger, Schulz – Skjelbred, Hosogai – Beerens, Stocker, Ben-Hatira – Kalou.

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