Sport : Hertha BSC: Wer mehr will, gewinnt

Klaus Rocca

Berlin. Ein wenig verquer klang der Satz: "Dieses Spiel wird gewinnen, wer mehr gewinnen will." Dieter Hoeneß sagte ihn, Jürgen Röber wiederholte ihn. Soll wohl heißen: Morgen, beim Fußball-Bundesligaschlager im Olympiastadion zwischen Hertha BSC und Borussia Dortmund (15.30 Uhr), wird der gewinnen, der bedingungslos auf Offensive setzt. Man könnte aber auch sagen: wessen Abwehr dem großen Angriffsdruck besser standhält. Und wenn Trainer Röber von einer Standortbestimmung spricht, dann betrifft das sicher auch und vor allem die Deckung Herthas.

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Online-Umfrage: Gucken Sie Bundesliga zukünftig lieber auf Premiere? Über die ist in den letzten Wochen viel diskutiert worden. Tatsache ist, dass sie in der letzten Saison ungewöhnlich viele Gegentore kassierte. Dennoch wurde lediglich ein Abwehrspieler verpflichtet: Denis Lapaczinski, für stattliche 4,5 Millionen Mark vom SSV Reutlingen geholt. "Er muss noch viel lernen. Der Sprung von der Zweiten zur Ersten Liga ist doch sehr groß", bekennt Röber. Es wird darauf hinauslaufen, dass Lapaczinski zunächst auf der Reservebank sitzen wird, wenn überhaupt.

Nun haben sowohl der Manager als auch der Trainer immer wieder deutlich zu machen versucht, dass mit der enormen Verstärkung der Offensive die Abwehr entlastet wird. Was eine gewisse Logik hat. Dass im Ligapokal diese Abwehr in der zweiten Halbzeit vom FC Bayern enorm unter Druck gesetzt wurde, sehen sowohl Röber als auch Hoeneß nicht als Widerspruch zu ihrer These. Röber: "Bei diesem Druck konnten wir aber auch gute Konter fahren und hatten die klareren Torchancen." Hoeneß: "In den letzten 20 Minuten war bei uns ein gewisser Kräfteverschleiß spürbar. Aber wir haben ja auch gegen die Crème de la Crème gespielt."

Freilich, Herthas morgigen Gegner nennt Hoeneß im selben Atemzug "das Nonplusultra neben den Bayern". Was nicht nur darauf zurückzuführen ist, dass immer noch gut 10 000 Karten nicht abgesetzt sind. Die Borussia bietet mit Rosicky, Koller und Amoroso einen Sturm auf, der für jede Abwehr zum Albtraum werden kann. "Das wird für uns die eigentliche Nagelprobe", weiß Abwehrchef Dick van Burik. Er wolle den St. Paulianern Rath und Cenci nicht zu nahe treten, aber Hamburg könne nun mal nicht der rechte Maßstab gewesen sein. "Alles muss besser laufen."

Das weiß natürlich auch Röber. Er setzt weiterhin viel Vertrauen in seine Abwehr ("Sie ist gut eingespielt"), wird sie aber voraussichtlich - der Not gehorchend - umbauen. Van Burik wird vor, sicher aber des Öfteren hinter der Abwehr Libero sein. Spielt er vorgeschoben, muss die Deckung ohne Absicherung auskommen, was natürlich ein gewisses Risiko in sich birgt. Josip Simunic, von dem Röber nach wie vor meint, er sei einer der besten Abwehrspieler der Bundesliga, kenne sein wirkliches Potenzial aber noch gar nicht, muss ran, Michael Hartmann wird dafür im Mittelfeld weichen müssen. Simunic (Röber: "Er passt körperlich gut zu ihm") kümmert sich also um Amoroso, Kostas Konstantinidis um Rosicky und Marko Rehmer um Koller. Konstantinidis hatte Rosicky im Frühjahr beim 1:0 im Olympiastadion neutralisiert. Rehmer betont immer wieder, dass er "am liebsten hinten in der Abwehr", also nicht im Mittelfeld, spielt. Wobei es zwischen seinen Leistungen in der Nationalmannschaft und im Verein erhebliche Unterschiede gibt.

Röber fordert von allen "inneres Feuer", von der Abwehr "viel Aggressivität" und "taktisch kluges Spiel". Und natürlich, siehe oben, stärkeren Siegeswillen als die Dortmunder.

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