Hertha BSC : Wer steigt hinten links ab?

Hertha braucht in Leverkusen Ersatz für den gesperrten Lewan Kobiaschwili. Läuft Christoph Janker in der Dreierkette auf?

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Polyvalent bis zum Umfallen. Läuft Christoph Janker in der Dreierkette auf? Foto: dpa
Polyvalent bis zum Umfallen. Läuft Christoph Janker in der Dreierkette auf? Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Berlin - Auch am Dienstag gehört Nemanja Pejcinovic mal wieder zu den Letzten auf dem Trainingsplatz. Hier noch ein Torschuss, da noch ein Sprint. Auch im Spiel leidet er so exzessiv mit wie kaum ein anderer. Immer wieder springt Pejcinovic auf und ab, er fasst sich an den Kopf, brüllt Richtung Schiedsrichter und Gegner und ist nach dem Schlusspfiff meist reif für eine Dusche – wenn er die Tribüne verlässt.

Richtig Fußball spielen darf Nemanja Pejcinovic bei Hertha BSC schon lange nicht mehr. In der Bundesliga-Rückrunde kommt der Serbe auf eine Einsatzzeit von exakt null Minuten. Seitdem Hertha für die zuvor von Pejcinovic verantwortete linke Abwehrseite den Schalker Lewan Kobiaschwili verpflichtet hat, ist die Berliner Abwehr die stabilste der gesamten Liga. Am Samstag aber darf Kobiaschwili nicht mitspielen, wenn es für Hertha im voraussichtlich allerallerallerletzten Schicksalsspiel dieser Saison um die voraussichtlich allerallerallerletzte Chance geht, vielleicht doch noch in der Bundesliga zu bleiben. Beim 0:1 am Samstag gegen Schalke hat sich der Georgier seine fünfte Gelbe Karte in dieser Saison eingehandelt, was eine automatische Sperre nach sich zieht. Schade, sagt Kobiaschwili und verrät dem Mann vom Fernsehen noch schnell, dass er ganz gern in Berlin bleiben würde, auch im Falle eines Abstiegs, „denn wir haben hier etwas gutzumachen“, womit wohl der sich anbahnende Abstieg gemeint ist.

Dann geht er in die Kabine und überlässt dem Trainer die Deutungshoheit darüber, wer denn in Leverkusen als sein Ersatz auflaufen wird. Mal sehen, sagt Friedhelm Funkel, „ist ja noch ein bisschen Zeit bis zum Spiel, kommt ganz darauf an, was sich für Möglichkeiten bieten“. Für Nemanja Pejcinovic spricht, dass Funkel ihn in der Hinrunde konsequent und gegen alle Kritik als linken Verteidiger aufbot, obwohl der doch im Abwehrzentrum zu Hause ist. Gegen ihn spricht, dass er erstens keine Spielpraxis hat und zweitens als Synonym steht für allen Mistkäsescheißdreck, den Hertha in dieser Hinrunde zusammengespielt hat. Auch dem Publikum wäre der hibbelige Serbe kaum zu vermitteln (aber um solche Nebensächlichkeiten hat Friedhelm Funkel sich noch nie geschert, siehe Hinrunde).

Als weitere Alternative stünde Marc Stein bereit. Der war noch in der vergangenen Saison unter Lucien Favre Stammkraft auf der linken Seite und ist seitdem ein wenig in Vergessenheit geraten. Am Sonntag war Stein dabei, als Hertha mit einem 2:1-Sieg beim Hamburger SV die Abstiegsränge verließ. Es handelte sich dabei um das Spiel der zweiten Mannschaften beider Klubs in der Regionalliga, vor 100 Zuschauern im Edmund-Plambeck-Stadion. In der Bundesliga hat er zuletzt am 8. November gespielt, beim 0:1 daheim gegen Köln.

So viel zur Spielpraxis der Konkurrenz auf der linken Seite. Vielleicht diktiert sie dem Berliner Trainer für das Spiel in Leverkusen eine ganz andere Lösung. Weg von der Viererkette, hin zur Dreierkette. „Das ist nicht ausgeschlossen“, sagt Funkel. Eine Dreierkette wird gemeinhin mit drei Innenverteidigern bestückt. Arne Friedrich und Steve von Bergen sind gesetzt. Um den dritten Platz bewerben sich: Christoph Janker, polyvalente Allzweck-Verlegenheitslösung mit vier Einsätzen in der Rückrunde, und Rasmus Bengtsson, den Funkel schon vor ein paar Wochen in Köln aufbieten wollte, bevor eine Verletzung dazwischen kam.

Nemanja Pejcinovic wird wohl bestenfalls auf der Bank mitleiden.

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